Rasantes Röhrenreisen Eröffnet: Hyperloop-Teststrecke in Los Angeles

Von Leipzig nach Berlin in 14 Minuten, eine komplette Deutschland-Rundreise in reichlich zwei Stunden: Klingt nach Science-Fiction und könnte durch die Hochgeschwindigkeits-Technik Hyperloop möglich werden. Dabei schießt man, grob gesagt, in einer Kapsel durch eine Vakuumröhre. Bei Los Angeles wird die erste öffentliche Teststrecke eröffnet.

Das Fahrzeug in der Röhre.
Bildrechte: WARR/TUM

Beamen ist es noch nicht – aber vielleicht der nächste Schritt dahin. Hyperloop heißt: Wir verschicken uns selbst per Rohrpost. Man kann die Idee sehen wie Toni Jukic, der Hyperloop-Teamleiter an der TU München: "Hyperloop soll eine Revolution des Transports darstellen. Die Kernfrage ist: Wie kann man schneller und umweltfreundlicher reisen." Man kann die Idee auch sehen wie Prof. Günter Löffler, Verkehrswissenschaftler an der TU Dresden: "Das Hyperloopsystem ist eine interessante neue Technologie, die allerdings aus Kostengründen keine Realisierungschance hat."

Also Traumtänzerei oder große Vision? Zunächst rein technisch: Was ist Hyperloop genau? Toni Jukic und sein Team von der TU München arbeiten seit 2015 an der neuen Technik. Er erklärt, wie das System funktioniert:

Beim Hyperloop handelt es sich um einen Hochgeschwindigkeitszug in einer Vakuumröhre. Vakuumröhre aus dem Grund, um den Luftwiderstand zu eliminieren. Dazu kommt noch ein Schwebesystem wie beim Transrapid, das jegliche Reibung und den Verschleiß verringern soll.

Deutscher Hyperloop-Tüftler sitzen in München

Die Münchner sind bei der Entwicklung ganz vorn dabei. In den vergangenen drei Jahren haben sie den von Tesla-Chef Elon Musk organisierten Hyperloop-Wettbewerb gewonnen, 2018 mit einer 467 Stundenkilometer schnellen Testkapsel. Der Rekord für originalgroße Kapseln mit Platz für Passagiere liegt bei 387 Stundenkilometern, Jukic zufolge soll einmal tatsächlich Schallgeschwindigkeit erreicht werden, "ein bisschen schneller, als bisher kommerzielle Flugzeuge fliegen".

Rasant verkürzte Reisezeit

Für Hyperloop-Reisen würde es sich kaum noch lohnen, für die Strecke von Leipzig nach Berlin die Jacke auszuziehen. Für die Strecke München-Berlin würde das gerade noch eine halbe Stunde Reisezeit bedeuten. Tatsächlich rückt das dann endgültig an eine Science Fiction Welt heran. Man merkt gar nicht, wie man durch die Röhre rast, sagt Entwickler Jukic:

Man schwebt. Das heißt, jegliche Vibrationen oder Erschütterungen, die man von der Autobahn oder von Zugweichen kennt, wären nicht vorhanden. Man würde sozusagen gar nichts spüren.

Reiseröhren auf Autobahn-Mittelstreifen?

Aber wo sollen die Reiseröhren verlaufen? Auch dafür gibt es schon ein faszinierendes Science-Fiction-Szenario: Die Hyperloopröhren könnten auf den Mittelstreifen der Autobahnen verlaufen. Aber wie realistisch ist so ein Szenario tatsächlich? Ist das eine echte Zukunftsperspektive und ganz generell: Brauchen wir in Deutschland den superschnellen Hyperloop überhaupt? Der Dresdner Verkehrsforscher Günter Löffler bezeifelt das:

Wir erleben das ja zur Zeit gerade beim ICE 4, der auch nicht mehr über 300 km/h fährt, sondern mit 250 km/h. Für die Haltestellenabstände in Mitteleuropa und Deutschland ist das völlig ausreichend. Man ist mit den bisherigen Verkehrssystemen an Geschwindigkeitsgrenzen gekommen. Ich sehe für Deutschland nicht unbedingt die Notwendigkeit, dass man noch schneller unterwegs sein müsste.

Günter Löffler

Hyperloop in Deutschland? Verkehrsforscher ist skeptisch

Der Verkehrsforscher sieht in Deutschland zudem ganz praktische Probleme: Das Hyperloopsystem wäre ein völlig neues Verkehrssystem, das zusätzlich zum vorhandenen Schienen- und Straßennetz aufgebaut werden müsste. Eine Stelzenbahn ist beim Transrapid schon einmal schiefgegangen. Die Idee mit den Autobahnmittelstreifen ist aus seiner Sicht nicht realisierbar. Grund: Für die extrem hohen Geschwindigkeiten des Hyperloop sind unsere Autobahnen zu kurvenreich und haben zu viele Höhenunterschiede. Möglich wäre nur ein landesweites Tunnelsystem mit entsprechenden Kosten, meint Löffler - technisch machbar, aber wirtschaftlich eben nicht.

Wirkliche Zukunftschancen sieht Löffler für den Hyperloop dort, wo die Verkehrsinfrastruktur noch aufgebaut wird: in Ländern Afrikas und Asiens zum Beispiel. Ähnlich sieht das Entwickler Jukic. Die ersten kommerziellen Hyperloop-Strecken erwartet er nicht in Deutschland, sondern zum Beispiel in Ländern wie Saudiarabien, wo die Finanzierung leicht möglich ist, sobald ein Projekt beschlossen wird und genügend Platz zur Verfügung steht.

Hyperloop-Tunnel in Los Angeles

Der erste öffentliche Testtunnel, den Tesla-Chef Elon Musk jetzt eröffnet, wird über die Praxistauglichkeit des Hyperloop kaum etwas aussagen: Es sind knapp drei Kilometer, auf denen maximal 300 Stundenkilometer erreicht werden. Trotzdem sieht Hyperloop-Entwickler Toni Jukic den neuen Tunnel technisch und aus Werbegründen positiv: "Mit der Eröffnung des Loops in Los Angeles kann man versuchen, Vertrauen zu gewinnen, eventuell mögliche Finanzierungen zu sichern, falls es erfolgreich wird, und auch Kritiker zu überzeugen.

Elon Musk denkt auf jeden Fall schon weiter. Seine Firma, die den neuen Testtunnel betreibt, plant für 2021 eine erste öffentliche Hyperloopverbindung zwischen Chicago und dem Chicagoer Flughafen, die alle 30 Sekunden eine Kapsel losschicken soll.