Uni Halle: Schwitzen für die Wissenschaft Ein Saunagang wirkt wie moderater Sport

Ob wir locker Radfahren oder in der Sauna schwitzen - für unseren Körper macht das kaum einen Unterschied, haben Sportwissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) herausgefunden. Saunabesuche belasten ihn demnach genauso wie ein moderates Sportprogramm.

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Zwei Männer in der Sauna 4 min
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Beim Thema Wellness gab es bisher immer eine Gruppe Menschen, denen vom Saunagang eher abgeraten wurde: Wer niedrigen Blutdruck hat, sollte den heißen Aufguss lieber meiden, hieß es. Es galt als allgemein bekannt, dass ein Saunabesuch den Blutdruck senkt - und Menschen mit ohnehin niedrigem Blutdruck oder Herz-Kreislaufstörungen könnten deshalb im Extremfall das Bewusstsein verlieren, so die Annahme.

Man ging davon aus, dass sich die Körpergefäße durch die Hitze weiten und so der Blutdruck abfällt.

Dr. Sascha Ketelhut, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Doch ganz so ist es offenbar nicht, schreiben die Hallenser Sportwissenschaftler in ihrer Studie, die im Fachmagazin "Complementary Therapies in Medicine" publiziert wurde. Man müsse zwischen den akuten Auswirkungen des Saunagangs an sich und denen in der Ruhephase danach unterscheiden. Und über die akute Wirkung werden viele Vermutungen angestellt, sagt Ketelhut, "untersucht ist dagegen noch nicht viel".

Blutdruck steigt in der Sauna und fällt erst danach

Das haben die MLU-Forscher nun in Zusammenarbeit mit dem Medical Center Berlin (MCB) geändert.

Ein Rentner sitzt in einem Fitnessstudio an einem Ergometer
Für die Probanden ging's nach der Sauna auf den Fahrrad-Ergometer. Bildrechte: colourbox

Dafür haben sie ihre Probanden natürlich in die Sauna geschickt und zum Vergleich auch auf ein Fahrrad-Ergometer. Und das Ergebnis überraschte: Anders als bisher angenommen sei der Blutdruck der Versuchsteilnehmer bei beiden Aktivitäten angestiegen. Auch der Puls erhöhte sich beim Saunieren und beim Sport gleichermaßen, schreiben die Forscher.

Für die Studie untersuchten die Sportwissenschaftler insgesamt 19 Freiwillige. Die Probanden gingen für 25 Minuten in die Sauna. Währenddessen wurden sowohl ihr Blutdruck als auch ihr Puls regelmäßig überwacht. Dabei zeigte sich den Forschern zufolge, dass beide Vitalparameter direkt während des Saunagangs ansteigen. Erst im Nachhinein nach einiger Zeit seien sie unter das Ruheniveau vor dem Saunabesuch gesunken.

Blutdruck: Geht Sport, klappt's auch mit der Sauna

In einem zweiten Teil der Studie setzten die Forscher ihre Probanden dann auf das Fahrrad-Ergometer. Sie mussten darauf ein kurzes, einfaches Trainingsprogramm absolvieren, so Ketelhut. Denn bei einem moderaten Pensum hätten sich die Werte in etwa angenähert.

Die gleichen Blutdruck- und Herzfrequenzwerte wie beim Saunabesuch erzielten die Probanden bei einer Belastung von etwa 100 Watt auf dem Fahrrad-Ergometer.

Dr. Sascha Ketelhut, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

MLU-Forscher Ketelhut zufolge zeigen die Ergebnisse auch, dass ein Saunabesuch durchaus nicht nur Entspannung bedeutet, sondern auch eine gewisse körperliche Belastung ist. Trotzdem gibt er Entwarnung für die vermeintlich gefährdete Gruppe der Menschen mit niedrigem Blutdruck: Eigentlich könne jeder, der moderate körperliche Belastungen ohne Beschwerden absolvieren kann, auch gefahrlos in die Sauna gehen. Nur danach müssen diejenigen etwas aufpassen, da der Blutdruck dann noch weiter als vor Beginn des Saunaufenthalts sinken kann, erklärt der Hallenser.

Kleiner Trainingseffekt auf lange Sicht

Die Ergebnisse der Hallenser Untersuchung decken sich mit anderen Studien, die sich vor allem auf die langfristigen Folgen von Saunagängen bezogen hätten, heißt es seitens der Universität. So seien hier beispielsweise bereits förderliche Effekte für das Herz-Kreislauf-System nachgewiesen worden.

Zwei Personen sitzen in einer Sauna.
Den Traumkörper gibt's durchs Saunieren leider trotzdem nicht. Bildrechte: PantherMedia / nd3000

Auf lange Sicht stellt sich aufgrund der körperlichen Belastung sogar ein Trainingseffekt ein, so Ketelhut: "Längerfristig stellen sich dabei auch ähnliche positive Effekte wie beim Sport ein." Aber für alle, die sich jetzt ihre Kilos per Saunagang statt auf dem Trimm-Dich-Rad abschwitzen wollen, hat der Sportwissenschaftler eine eher schlechte Nachricht. Beim Abnehmen würde das gesundheitsfördernde Schwitzen nämlich nicht helfen. Der Effekt sei einfach zu gering, weil die Muskelaktivität eben auch nur sehr gering sei. "Zwar verliert man beim Saunieren Gewicht, aber das ist nur die Flüssigkeit, die man ausschwitzt und später wieder zu sich nehmen sollte", erklärt MLU-Forscher Ketelhut.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP | 13. November 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2019, 13:43 Uhr