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Was ist so ungesund am Sitzen?

Die Formel ist einfach: Wer sitzt, bewegt sich nicht. Und genau diese Inaktivität ist ein Risikofaktor. Experten sprechen von einer eigenen Krankheit: der Sitzkrankheit. Und es gibt sogar einen Namen für Menschen, die zu viel sitzen – den sedentären Lebensstil.

Seit wann wird gesessen?

Sitzmöbel gibt es seit der Jungsteinzeit, also in etwa der Zeit zwischen 5.000 und 10.000 v. Chr.. Aus dieser Epoche stammen erste Spuren von Hockern. Vor etwa 5.000 Jahren wurde der Stuhl entwickelt, wie wir ihn heute kennen – als Thron für Herrscher. Elitär blieb das Sitzmöbel bis ins frühe 19. Jahrhundert. Heutzutage kaum vorstellbar, bei Stuhlpreisen in Möbelhäusern ab sechs Euro das Stück.

Wie viel sitzen wir?

Wir Deutschen sind echte Hochleistungssitzer: an Werktagen durchschnittlich siebeneinhalb Stunden, bei der Arbeit, auf dem Weg dorthin und zuhause. Da sind dreißig Minuten mehr als noch 2016. Männer sitzen dabei länger als Frauen: an einem gewöhnlichen Werktag sind es acht Stunden, bei Frauen nur sieben. Der Großteil geht dabei fürs Fernsehen drauf, nämlich 120 Minuten am Tag. Gleich danach kommt mit neunzig Minuten das Sitzen bei der Arbeit. In anderen Ländern sieht das komplett anders aus. Kolumbianer, Brasilianer und Portugiesen bewegen sich weltweit am meisten und sitzen im Durchschnitt nur etwa drei Stunden am Tag.  

Was sind die Folgen?

Einer australischen Studie zufolge verkürzt eine Stunde vorm Fernseher die Lebenszeit um 22 Minuten. Fest steht auch: Sitzen fördert Flatulenzen. Durch den Mangel an Bewegung wird die Nahrung langsamer verdaut, wodurch sich mehr Gase bilden. Außerdem kann unser Gehirn durchs Sitzen schlechter neue Dinge erlernen: Bei älteren Menschen, die lange saßen, wurde nachgewiesen, dass die weiße Substanz um den Hippocampus stark degeneriert war und somit die Leistung des Gedächtnisses eingeschränkt wurde.

Wenn schon sitzen, dann gerade?

Aufatmen für Lümmler: Untersuchungen haben gezeigt, dass Rückgrat und Bandscheiben in der aufrechten Position am meisten belastet sind. Beim zurückgelehnten Sitzen ist die Belastung am geringsten, weil das Gewicht des Oberkörpers vorwiegend auf der Stuhllehne lagert. Möglichst häufg entspannt zurücklehnen sei deshalb genauso zu empfehlen, wie das Zappeln. Dadurch wird Muskelverspannungen vorgebeugt.

Macht sitzen dick?

US-amerikanische Kardiologen haben herausgefunden, dass der Körper stehend pro Minute 0,15 Kalorien mehr als sitzend verbrennt. Theoretisch ließe sich so abnehmen. Mit viel Geduld: Ein Mensch, der 65 Kilogramm auf die Waage bringt, könnte in vier Jahren zehn Kilo abnehmen – wenn die Person sechs Stunden am Tag stehen statt sitzen würde.

Warum lohnt sich stehen?

Neben dem höheren Kalorienverbrauch spricht vor allem die zusätzliche Muskelaktivität fürs Stehen. Dadurch treten weniger Herzattacken, Schlaganfälle und Diabetes auf.