Heißgetränk gefährlich Speiseröhrenkrebs durch heißen Tee?

Sehr heißer Tee kann die Entstehung von Speiseröhrenkrebs fördern. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, durchgeführt in Teheran. Grundaussage: "Wer regelmäßig mehr als 0,7 Liter Tee bei einer Temperatur von mindestens 60 Grad trinkt, hat ein deutlich erhöhtes Risiko, an einem Plattenepithelkarzinom in der Speiseröhre zu erkranken", heißt es im "International Journal of Cancer". Was ist dran an dieser These?

Drei Männer sitzen in einer Teestube in Isfahan/Iran.
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Es sind Männer, die in der Teestube sitzen, der Qualm aus der Wasserpfeife wabert durch den Raum und mit ihm der Duft aus unzähligen dampfenden Teeschalen: Es riecht nach Zimt, Kardamom und Nelken. Im Iran ist Alkohol verboten. Was bei uns die Kneipen sind, sind in Teheran und Isfahan eben die erwähnten Teestuben. Deswegen ist für den Gastroenterologen Patrick Michl vom Universitätsklinikum in Halle das Ergebnis der Studie einleuchtend:

Die Studie wurde im Iran gemacht und da trinken die Leute gern und viel Tee. Dementsprechend ist auch herausgekommen, dass heißer Tee eben mit einem erhöhten Krebsrisiko vergesellschaftet ist. Ob und wie weit das auf unsere Breiten übertragbar ist, würde ich mal mit Fragezeichen versehen.

Prof. Patrick Michl, Uniklinikum Halle

Was das Krebsrisiko beeinflussen könnte

Es könnten auch die Art des Teeanbaus mit Schimmelbefall oder die Auswahl der Gewürze einen zusätzlichen Einfluss auf das erhöhte Krebsrisiko haben, meint der Direktor der Klinik für Innere Medizin. Aber auch in Europa gilt natürlich: Alles, was die Schleimhäute der Speiseröhre beschädigt, erhöht das Krebsrisiko. Das sind natürlich zu heiße Getränke, in Europa aber vor allem Alkohol.

Es gibt zwei große Arten von Speiseröhrenkrebs. Das eine, worüber wir gerade sprechen, das mit Alkohol- und Nikotinverbrauch vergesellschaftet ist, nimmt glücklicherweise in unseren Breiten ab. Der andere Speiseröhrenkrebs, der tiefer entsteht, Richtung Mageneingang, nimmt bei uns zu. Der ist mit Übergewicht und chronischem Sodbrennen vergesellschaftet.

Prof. Patrick Michl

Wobei das Sodbrennen, also der Reflux oder auch das Zurückfließen von Magensäure in die Speiseröhre, u.a. von Übergewicht verursacht wird. Dagegen ist ein Kraut gewachsen: Indem man das Gewicht reduziert, nimmt man den Druck vom Bauch. Denn das ist der Grund, warum in unseren Breitengraden diese Art von Reflux und auch Speiseröhrenkrebs zunimmt, erklärt Professor Michl.

Wie erkennt man Speiseröhrenkrebs?

Gegen Sodbrennen helfen auch basische Ernährung und damit weitgehender Verzicht auf Zucker und Alkohol, hochgelagertes Schlafen oder, wenn es schlimm kommt, Medikamente. Auch wenn der Speiseröhrenkrebs eine eher seltene Erkrankung ist, so Professor Patrick Michl, eine Früherkennung erhöht die Heilungschancen enorm. Nur - wie erkennt man ihn überhaupt?

Wenn man das Gefühl hat, dass die Speisen nicht mehr richtig durchgehen. Der Mediziner bezeichnet das als 'Dysphagie'. Wenn man nicht genug gekaut hat und denkt, da bleibt irgendwas stecken, dann sind das Warnsymptome.

Dr. Patrick Michl

Auch unbeabsichtigten Gewichtsverlust sollte man unbedingt medizinisch abklären lassen, rät Michl. Und auch wenn wir es nicht mehr hören mögen: Eine ausgewogene Ernährung bei einem gesunden Gewicht kombiniert mit ausreichender Bewegung bleibt die beste Vorsorge. Da kann man sich dann auch ab und zu bei einer Tasse Tee den Mund verbrennen.

Eine gläserne Teekanne ist gefüllt mit rotem Tee. Neben dieser steht ein Teetasse aus Glas, welche ebenfalls mit Tee gefüllt ist. 3 min
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Sehr heißer Tee soll Speiseröhrenkrebs begünstigen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie aus dem Iran.

MDR AKTUELL Di 26.03.2019 14:36Uhr 02:53 min

https://www.mdr.de/wissen/audios/heisser-tee-speiseroehrenkrebs100.html

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Korrektur: In einer ersten Version hatten wir einen falschen Zusammenhang zwischen Sodbrennen und Übergewicht hergestellt. Das haben wir geändert. Sodbrennen ist eine Folge von Übergewicht, nicht die Ursache.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 27. März 2019 | 08:50 Uhr

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