Rechtliche Grauzone Mond-Grundstücke: Teurer Quatsch?

Ein Stück Venus zur Hochzeit, ein Stück Mars zum Geburtstag: Entsprechende Zertifikate kann man echt kaufen. Muss man aber gar nicht, denn das All ist theoretisch für alle da. Wer hat eigentlich festgelegt, wer was im All darf und was nicht? Anfang der 60er-Jahre wurde das erste Regelwerk entwickelt - und was ist seither passiert? Ein Überblick.

Ein paar Hektar vom Mond oder lieber von der Venus zum Geburtstag? Angeblich besitzen mehr als sechs Millionen Menschen bereits Grundstücke im Weltall, wenn man Dennis Hope glaubt. Er hat die Firma "Lunar Embassy Mission" gegründet, die seit etwa 30 Jahren Grundstücke auf Mond, Mars, Venus und Co. verhökert.

Kupferstich: Alter Mann hält Hut mit drei Ecken in der Hand
Preußenkönig Friedrich der Große Bildrechte: IMAGO

Preußenkönig Friedrich der Große hatte zwar im Sommer 1756 den Mond schon als Ganzes an einen verdienten Untertanen verschenkt, aber das wusste Hope vermutlich nicht, als er 1980 in waschechter (Space-)Cowboy-Manier Besitzansprüche auf den Mond und andere Planeten bei US-Behörden anmeldete. Eben so, wie es in den USA seit 1862 Gesetz war: Laut "United States Homestead Act" - gültig bis heute - muss man ein Stück Land für sich beanspruchen und das bei einer lokalen Behörde anmelden. Kommt kein Widerspruch, wird man Grundbesitzer.

Silhouette eines Flugzeugs vor Vollmond
Bildrechte: imago/Fotoarena

Hope tat genau dies, wartete vergebens auf Reaktionen von US-Behörden, United Nations, US-Regierung und Russischer Führung, die er alle über seine Ansprüche informiert hatte. Seither verkauft er weltweit munter Mond-Grundstücke an alle, die dafür bezahlen - auch wenn kaum ein Kunde jemals sein Grundstück betreten wird.

Warum kaufen, wenn es uns doch schon gehört?

Wobei so ein Kauf nicht nötig ist, wie ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt: Seit 1967 gehört das All nämlich uns allen. Am 27. Januar 1967 hatten die Vereinten Nationen genau das im ersten Weltraumvertrag der Menschheit festgeschrieben, dem Outer Space Treaty.

An einem glänzenden Tisch sitzen drei Männer. Einer schreibt.
Im Bild: Der russische Botschafter Smirnovsky im Gespräch mit George Brown, während der US-Amerikaner Phillip Haiser (rechts) den Vertrag unterzeichnet. Bildrechte: imago/ZUMA/Keystone

Dieses Schlüsseldokument legt einen Grundstein zur Nutzung und Erforschung des Alls und macht das zur Sache der gesamten Menschheit. Das gilt im Vertrags-Verständnis von Dennis Hope jedoch nur für Völker, nicht aber für Einzelpersonen. Jedenfalls legen 17 Artikel allgemeingültige Grundsätze fest, die außerhalb der Erde gelten sollten: Es dürfen keine Massenvernichtungswaffen im All stationiert werden, Astronauten werden zu Botschaftern der Menschheit erklärt. Außerdem werden Haftungsfragen für Schäden durch Weltraumaktivitäten, Zuständigkeiten und Besitzverhältnisse für irdische Objekte im All festgelegt und dass Himmelskörper nicht als Eigentum beansprucht werden können.

  • Der Vertrag, unterzeichnet von mehr als 100 Staaten, wurde in den Folgejahren ergänzt:

  • 1968 - das Weltraumrettungsabkommen zur Hilfe für in Not geratene Raumfahrer

  • 1972 - das Weltraumhaftungsübereinkommen zur Sicherstellung von Schadenersatz für Schäden, die von Weltraumgegenständen verursacht werden

  • 1975 - das Weltraumregistrierungsübereinkommen zur Erleichterung der Identifizierung von in den Weltraum gestarteten Gegenständen

  • 1979 – der Mondvertrag, der Mondnutzung und Ausbeutung seiner Ressourcen regeln soll. Nur 18 Staaten haben ihn unterzeichnet.  

Unendliche viele Fragen - und noch wenige Antworten

Space Shuttle Discovery bei der Landung
Rückkehr des Space Shuttles Discovery 1984. Es hatte unter anderem zwei Satelliten ins All gebracht. Bildrechte: imago/ZUMA/Keystone

Die Erforschung und Nutzung des Weltraums werfen viele neue Fragen auf, die die gesamte Menschheit betreffen, über die es international keinen Konsens gibt. Man einigte sich auf Prinzipienkataloge, die als UN-Resolutionen die Grundlage für künftige völkerrechtliche Regelungen bilden. 1972 wurde so zum Beispiel ein Prinzipienkatalog zum Fernerkundungsprinzip aufgestellt, der 1986 angenommen wurde: Es gilt das unbeschränkte Recht zur Fernerkundung ohne vorherige Zustimmung des erkundeten Staates oder eine Mitteilung an diesen. Der erkundete Staat wiederum hat Anspruch auf Zugriff auf die Daten.

Der Prinzipienkatalog zum Schutz der Umwelt wurde 1992 als Resolution angenommen: Es geht um die Nutzung atomarer Energiequellen im Weltraum und entsprechende Sicherheits-, Mitteilungs- und Vermeidungsregeln. Die Space Benefits Resolution von 1996 hält die Freiheit der Weltraumnutzung und freie Wahl der Kooperationspartner fest. Der Weltraumausschuss der UN, kurz COPOUS, gegründet 1959, ist das Ur-Gemeinschaftsgremium der Menschheit, wenn es um Regeln für die Nutzung und Erforschung des Alls geht. Heute besteht er aus einem Haupt- und zwei Nebenausschüssen und tagt einmal jährlich.   

Wildwest im All?

Seit den juristischen Anfängen, was die Erforschung des Alls angeht, ist viel Zeit vergangen. Das Interesse an den Möglichkeiten, natürliche Ressourcen außerhalb unseres Planeten zu nutzen, wächst und mit ihm die Begehrlichkeiten. 2015 haben die USA im sogenannten "Space Act" quasi die Schürfrechte für Ressourcen und Rohstoffe außerhalb der Erde den US-Bürgern zugesprochen. 2016 zog das Großherzogtum Luxemburg mit dem Projekt "Space Resources" nach, und legte ein Jahr später einen rechtlichen Rahmen für den Abbau von Rohstoffen auf Asteroiden fest – der erste seiner Art in Europa. Seit 2018 hat das kleine Land seine eigene Weltraumagentur.

Auch Deutschland lässt das All nicht kalt: Im Koalitionsvertrag vom März 2018, Seite 57, Zeile 2.637, heißt es: "Wir werden ein Weltraumgesetz auf den Weg bringen, um Investitions- und Rechtssicherheit für nicht-staatliche Raumfahrtaktivitäten zu schaffen. Die Regierung sieht das Land allerdings in Zukunft auch nicht als Einzelkämpfer, sondern als Partner der Europäischen Space Agentur.

Copernicus
Bildrechte: ESA

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2019, 14:25 Uhr

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