Serien & Wissenschaft Wer überlebt das Finale von Game of Thrones?

Auf diesen Tag fiebern Serienfans schon lange hin: Am Sonntag startet die letzte Staffel von "Game of Thrones" in den USA. Um die Serie hat sich ein regelrechter Kult entwickelt, der sogar Informatik-Studenten inspiriert: An der TU München wurde in einem Kurs für intelligente Computersysteme und maschinelles Lernen ein Algorithmus entwickelt, der die Überlebensraten der "Game of Thrones"-Charaktere berechnet. Wer hat also die größten Chancen, am Ende den eisernen Thron zu besteigen?

von Kristin Kielon

Kit Harington als Jon Schnee und Emilia Clarke Daenerys Targaryen in einer Folge der achten Staffel der Serie «Games of Thrones». 3 min
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MDR AKTUELL Do 11.04.2019 17:49Uhr 03:08 min

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Machtspiele, Intrigen und große Schlachten: "Game of Thrones" ist bekannt dafür, dass es nicht gerade zimperlich zugeht. Allzu schnell und überraschend kommen lieb gewonnene Seriencharaktere ums Leben. Zumindest eins ist sicher: "Game of Thrones" gehört nicht zu den Serien, deren Handlung irgendwie vorhersehbar wäre. Wer wird das Spiel um den eisernen Thron also überleben? Das haben sich auch die Bioinformatiker der Technischen Universität München gefragt. Sie haben einen Algorithmus entwickelt, der die Überlebenschancen der Charaktere vorhersagen soll. Und da sieht es eher schlecht aus für manch einen, sagt der Projektverantwortliche Guy Yachdav:

Ich denke, dass die Stark-Kinder nicht überleben werden. Das ist das interessanteste Ergebnis und ich glaube, das passt zur Handlung.

Guy Yachdav

Die Top-5-Überlebensliste : Daenerys Targaryen: 99,1 %
Tyrion Lannister: 97,5 %
Varys: 96,8
Samwell Tarly: 97,7
Jaime Lannister 96,7 %

Serie und Bio-Informatik: Wie passt das zusammen?

Aber was soll das Ganze? Yachdav ist nicht nur "Game of Thrones"-Fan, sondern eigentlich Bio-Informatiker. Der Algorithmus ist das Ergebnis eines Uni-Seminars. Weil hoch komplexe Bio-Daten die Studierenden überfordert hatten, suchte sich das Team dafür andere Themen, erzählt Bio-Informatik-Professor Burkhard Rost. Auch für Pokémon oder klassische Musik seien schon Algorithmen programmiert worden:

Es geht darum, dass Studenten eine bestimmte Computersprache, JavaScript, lernen. Die sollen lernen, wie man Programme in dieser Computersprache schreibt, wie man Datenbanken und Webseiten macht und künstliche Intelligenz oder maschinelles Lernen benutzt. Hier haben wir eine Möglichkeit mit einem Thema, einer konkreten Aufgabe, alle vier Bereiche anzusprechen.

Prof. Burkhard Rost - TU München

Das Studien-Rezept stimmt

Und das kommt an: Auf die 30 Plätze im Kurs hatten sich 250 Studierende beworben, alle hoch motiviert. Das sieht man an der Webseite, die zum Projekt gehört: Eine vollständige Liste der Charaktere mit ihren jeweiligen Aussichten und sogar eine interaktive Karte. Die Daten dafür stammen aus allen öffentlich zugänglichen Quellen im Internet, erklärt Kursleiter Christian Dallago.

Wir versuchen so viel wie möglich sogenannte Features oder Characteristics von den Daten rauszunehmen. Das heißt, Alter, Geschlecht, zu welchem Haus gehört dieser Charakter? Der Computer kann ja auch hochdimensional – heißen die Datenmengen – ganz schnell analysieren. Deshalb geben wir einfach alle Daten rein.

Christian Dallago - TU München

Wer stirbt als nächstes? Bronn: 93.5%
Gregor Clegane: 80.3%
Sansa Stark: 73.3%
Bran Stark: 57.8%
Sandor Clegane: 47.5%

Tom Wlaschiha auf der MagicCon 2017 im Maritim Hotel Bonn.
Jaqen H`ghar, der Mann ohne Namen: im wahren Leben Tom Wlaschiha aus Dresden. Überlebenswahrscheinlichkeit seiner Filmfigur: 88 Prozent Bildrechte: IMAGO

Der Computer errechnet die Überlebensraten dann unter anderem mit einer Langlebigkeitsanalyse – einer Anwendung, die eigentlich genutzt wird, um die Überlebensraten nach Krebserkrankungen zu errechnen. Denn an genau solchen Projekten arbeiten die Bio-Informatiker normalerweise. Sie analysieren eigentlich biologische Daten für die medizinische Forschung, erklärt Dallago:

Für uns ist das mit Game of Thrones sehr lustig und interessant, aber ich glaub, was die Leute von all diesem rausnehmen können ist: Es ist möglich. Man kann das machen und es ist wichtig. Also man kann in die Forschung von Krebs, von Medikamenten gehen und man kann wirklich einen Unterschied für die Menschheit machen, für die Welt.

Christian Dallago - TU München

Und vielleicht geht dieser Plan auf: Die Webseite jedenfalls war angesichts des großen Interesses erst einmal kurzzeitig zusammengebrochen. Inzwischen läuft sie auf dem Supercomputer der Uni.

Dieses Thema im Programm: MDR Kultur | Radio | 15. April 2019 | 07:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. April 2019, 11:20 Uhr

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