Durch Brandanschläge auf Stellwerke der Deutschen Bahn bei Leipzig kam es zu massiven Zugverspätungen
Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

KI im Alltag Künstliche Intelligenz soll Züge pünktlicher machen

Alle wollen durch dieselbe Tür, einige blockieren Ausgänge oder bugsieren das Fahrrad in überfüllte S-Bahnen: Das alles sorgt in einer Art Domino-Effekt für verspätete Züge. Dieses Problem wollen britische Forscher mithilfe künstlicher Intelligenz lösen: Sie arbeiten sozusagen an einer Zug-Bahnsteig-Schnittstelle, die uns allen das Zugfahren erleichtern soll. MDR WISSEN-Redakteurin Kristin Kielon erklärt, wie das geht.

von Kristin Kielon

Durch Brandanschläge auf Stellwerke der Deutschen Bahn bei Leipzig kam es zu massiven Zugverspätungen
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Verspätungen sind Alltag im Bahnbetrieb. Im Nahverkehr sind laut Bahn-Statistik mehr als 90 Prozent der Züge pünktlich - im Fernverkehr waren es im September etwas mehr als 70 Prozent. Allerdings gilt ein Zug erst dann als unpünktlich, wenn er mindestens sechs Minuten zu spät ist. Und Gründe dafür gibt es viele: Streckensperrungen wegen Wetter- oder Naturereignissen, Warten auf freie Einfahrt in einen Bahnhof wegen anderer Züge und eben auch Verspätungen durch die Fahrgäste selbst, die den Verkehr aufhalten: Sie steigen oft zu langsam und viel zu chaotisch ein und aus. Die Bahn nennt das "Haltezeitüberschreitungen" und die können zu einem Domino-Effekt führen, erklärt Bahn-Sprecher Jürgen Kornmann:

Bei über sieben Millionen Menschen, die jeden Tag in unsere Züge steigen, kommt es natürlich vor, dass wir an bestimmten Tagen - vor allen Dingen in der Früh- und Abend-Hauptverkehrszeit bei den S-Bahnen – sehr viele Menschen auf den Bahnsteigen haben, die in die Züge ein- oder aussteigen wollen.

Jürgen Kornmann

Und da, so der Bahn-Sprecher weiter, komme es natürlich auch logischerweise immer mal wieder vor, dass an einem Einstieg mehr Menschen stehen als einem anderen. Und genau dieses Problem wollen britische Forscher von der Universität Lancaster lösen - mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI).

Wie Verspätungen verhindert werden könnten

Das funktioniert so: Die KI soll sowohl das Innere des Zuges als auch den Bahnsteig über die Videoüberwachungsanlage beobachten - und so vorhersagen, wo es Probleme geben könnte. Der Algorithmus der Briten kann dabei sogar Menschen, Gepäckstücke oder Fahrräder voneinander unterscheiden. Die Daten von Zug und Bahnsteig werden dann miteinander abgeglichen.

Am heutigen Morgen auf S-Bahnhöfen die Ankündigung des GDL-Streiks von heute 14 Uhr bis morgen 04 Uhr
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So kann genau bestimmt werden, welche Türen die Fahrgäste auf dem Bahnsteig ansteuern sollten, damit es möglichst schnell geht. Geleitet werden sie von LED-Streifen am Boden, die analog zur Ampel in grün, gelb oder rot leuchten.

Die Briten testen ihre Technologie derzeit noch, wollen sie aber bald auf den Markt bringen. Denn auch andernorts wird an der Lösung des Passagier-Problems getüftelt. Die Deutsche Bahn etwa setzt in München und Frankfurt auf menschliche Einstiegslotsen mit viel Erfahrung. Doch am Bahnhof Bad Cannstadt in Stuttgart erprobt die Bahn auch eine digitale Lotsen-Variante - die "Leuchtende Bahnsteigkante", so Bahn-Sprecher Kornmann:

Das automatisierte und nach Aussage von Kornmann datenschutzkonforme System stellt mittels Videokameras fest, wie die S-Bahnen besetzt sind. Das Ergebnis schickt das System dann an die Leuchtpunkte im Bahnhof.

Die Wartenden müssen dann nur nach unten schauen, wo sie ein rotes, grünes oder gelbes Signal bekommen – inklusive einem Lichtpfeil, in welche Richtung sie sich dann optimalerweise bewegen sollten, um vor dem Eingang eines möglichst leeren Waggons zu stehen.

Ein ganz ähnlicher Ansatz also. Auch die Bahn will bei ihrer leuchtenden Bahnsteigkante auf die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz nicht verzichten. Denn die Verzögerungen durch die Passagiere ist der eine Verspätungsgrund, den die Bahn ganz aktiv auch über direkte Lautsprecher-Durchsagen beeinflussen kann.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 06. November 2018 | 07:37 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2018, 15:16 Uhr