El Castillo oder Tempel von Kukulcán in der Maya-Stadt Chichén Itzá
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Wissen-News Genom-Analysen: Maya opferten bevorzugt Zwillings-Knaben

13. Juni 2024, 13:41 Uhr

Die alten Maya opferten bei bestimmten rituellen Zeremonien gezielt Paare verwandter Jungen. Zwillings-Knaben dürften besonders begehrt gewesen sein, denn sie spielten im Schöpfungsmythos der Maya eine besondere Rolle. Darauf deuten umfassende Gen-Analysen von 64 Kinderopfern aus Chichén Itzá hin, an denen Max-Planck-Forscher aus Leipzig und Jena beteiligt waren.

Bei bestimmten rituellen Menschenopfern der alten Maya im präkolumbischen Mesoamerika standen verwandte Knaben und insbesondere wohl Zwillinge im Mittelpunkt. Das hat ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Max-Planck-Institute für evolutionäre Anthropologie (MPI-EVA, Leipzig) und Geoanthropologie (MPI-GEA, Jena) auf der Grundlage umfassender genetischer Analysen der Opfer herausgefunden.

Rekonstruierte steinerner Tzompantli Schädelgerüst in Chichén Itzá
Teil eines rekonstruierten steinernen Tzompantli, eines Schädelgerüstes, in Chichén Itzá. Bildrechte: Johannes Krause

Das Forscherteam untersuchte die Überreste von 64 geopferten Kindern, die mehrheitlich zwischen den Jahren 800 und 1000 unserer Zeit in einer unterirdischen Kammer, einem früheren Chultún (Wasserzisterne), in der Maya-Stadt Chichén Itzá bestattet wurden. Anhand der Gen-Analysen stellten die Wissenschaftler fest, dass alle 64 untersuchten Kinder männlich waren, aus der lokalen Bevölkerung stammten und wenigstens ein Viertel von ihnen mit wenigstens einem anderen Kind eng verwandt war. Unter den geopferten Knaben wurden auch zwei eineiige Zwillingspaare identifiziert. Die Ergebnisse deuten den Studienautoren zufolge darauf hin, dass verwandte männliche Kinder wahrscheinlich paarweise gezielt für Opferrituale ausgewählt wurden.

Die Forscher verweisen in dem Zusammenhang darauf, dass männliche Zwillinge in den Schöpfungsmythen und im spirituellen Leben der alten Maya einen besonderen Platz einnahmen. Im heiligen Buch Popol Vuh, dessen Vorläufer 2.000 Jahre zurückreichen, sind Zwillingsopfer ein zentrales Thema. Hier steigen die Göttlichen Zwillinge Hunahpú und Ixbalanqué in die Unterwelt hinab, um ihren Vater und Onkel, die ebenfalls Zwillinge waren und von den Göttern nach einem Fußballspiel geopfert wurden, in wiederholten Zyklen von Opferung und Wiedergeburt zu rächen.

(dn)

Dieses Thema im Programm: Bayern 2 | radioWissen | Die Maya - Mais, Pyramiden und Metropolen | 20. September 2023 | 09:20 Uhr

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