Kleinkind isst eine Reiswaffel
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Reis Wie Arsen in Babynahrung gelangt ist

Das Gift Arsen ist schon in kleinsten Mengen schädlich. Verbraucherschützer haben es ausgerechnet in Babynahrung aus Reis nachgewiesen. Dabei ist eigentlich nicht überraschend, dass Reis mit Arsen belastet ist.

von Kristin Kielon

Kleinkind isst eine Reiswaffel
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Insgesamt 18 Produkte aus Reis haben Verbraucherschützer im Labor unter die Lupe genommen: In allen haben sie Arsen gefunden. Doch das war gar nicht das Überraschende, erzählt Johannes Heeg von der Organisation Foodwatch.

"Uns haben vor allem die Unterschiede überrascht, weil das tatsächlich so war, dass die am stärksten belasteten Reisflocken beispielsweise fast vier Mal so viel Arsen enthielten wie die saubersten." Dass in Reis Arsen enthalte, wisse man schon länger, sagt der Verbraucherschützer. "Allerdings sind diese Unterschiede nicht hinnehmbar, weil Arsen eine krebserregende Substanz ist."

Verbraucherschützer fordern Warnhinweise

Der Arsenanteil in einem Großteil der Produkte lag unter dem deutschen Grenzwert für Babynahrung. Trotzdem wünschen sich die Verbraucherschützer Warnhinweise auf den Verpackungen. Eltern wüssten oft gar nicht, dass in Reisprodukten immer Arsen enthalten sei.

Aber wie kommt das Gift überhaupt in unsere Lebensmittel? Das liegt am Anbau, sagt Hauke Harms vom Umwetforschungszentrum in Leipzig. Arsen kommt nämlich natürlich in der Erdkruste vor. Weil es wasserlöslich ist, gelangt es vom Boden ins Grundwasser. Und in diesem Wasser steht der Reis, wenn er auf den typischen gefluteten Feldern wächst. Dort nimmt er das Arsen auf.

"Das ist normal, vor allen Dingen weil Arsen mit anderen Elementen stark verwandt ist, die für uns sehr wichtig und nützlich sind", erklärt Harms. Das sei zum Beispiel der Stickstoff – vor allem aber der Phosphor. Viele Pflanzen hätten Schwierigkeiten das Gift von den nützlichen Stoffen zu unterscheiden, so der Wissenschaftler. "Der Reis der nimmt also das Arsen auf, weil es chemische Ähnlichkeiten mit Phosphor und auch mit Silikaten hat. Reis verstärkt ja seine Stängel und Blätter durch den Einbau von Silikaten – also sandähnlichen Molekülen."

Bangladesch besonders belastetes Reisanbaugebiet

Reisfeld in Vietnam
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Doch je nach Anbaugebiet gibt es unterschiedlich viel Arsen im Grundwasser. "Es gibt Hotspots der Arsen-Konzentration in verschiedenen Teilen der Welt und besonders problematisch ist es dann, wenn die eben zusammen treffen mit besonders viel landwirtschaftlicher Anbaufläche oder besonders hohen Bevölkerungszahlen", sagt der Professor für Umweltmikrobiologie. "Bangladesch ist beispielsweise so ein besonders problematisches Gebiet."

Ausgerechnet Bangladesch ist aber der viertgrößte Reisproduzent weltweit. Die Menschen in dem asiatischen Land filtern das Arsen mittlerweile für den privaten Gebrauch aus ihrem Wasser, erklärt Harms. Für die Reisproduktion wäre der Aufwand aber vermutlich zu groß.

Arsengehalt kann reduziert werden

Deshalb liegt es an der Industrie, dafür zu sorgen, dass möglichst gering belasteter Reis verarbeitet wird, meint Foodwatch. Diese Meinung teilt auch Evelyn Breitweg-Lehmann vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Die Behörde testet regelmäßig Reissorten auf ihren Arsengehalt. Zwar sei auch ihr klar, dass Arsen in Reisprodukten nicht komplett vermieden werden könne, aber: „Man kann diese Mengen durchaus auf das technisch unvermeidbare reduzieren“, sagt Breitweg-Lehmann.

Das Arsen steckt also im Reis an sich. Deshalb sollte man beim Einkaufen auch lieber zum normalen, geschälten Reis greifen. Denn vor allem in der Schale steckt das Gift. Und für die Ernährung heißt das: Für möglichst viel Abwechslung sorgen – ganz besonders bei kleinen Kindern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 14. Dezember 2017 | 05:51 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Dezember 2017, 11:53 Uhr