Katzen in der Mythologie Angebetet und verhasst

In freier Wildbahn wird man sie eher selten zu Gesicht bekommen, denn zu scheu ist sie, ein Einzelgänger und Nachtwesen: die Nubische Falbkatze - Urform der Hauskatze. Libyen ist das Heimatland der Gattung Felis sylvestris lybica, auch Afrikanische Wildkatze genannt.

Katze
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Über ganz Afrika erstreckt sich ihr Lebensraum. Sie lebt von der Jagd auf Kleintiere, wie bestimmte Nager, Vögel, Echsen, Heuschrecken und Nachtfalter. Während der Jagd, wie auch im sonstigen Leben, ist sie Individualistin: Im Rudel wäre es unmöglich, sich unbemerkt an Beute heranzuschleichen.

Als Göttin verehrt

Reichlich Beute fand das Tier zum Beispiel vor viertausend Jahren in den Kornspeichern Ägyptens: Mäuse und Ratten tummelten sich dort zuhauf und der Mensch war dankbar für die Dienste, die ihm Katzen erwiesen. War die Katze anfangs nur gern gesehener Gast, so galt sie unter den Pharaonen Tutanchamun und Ramses als heilig: Bastet von Bubatis - Göttin der Weiblichkeit, Fruchtbarkeit, Eleganz und Liebe - trat in Katzengestalt auf und wurde in einem eigenen Tempel verehrt.

Unantastbar

In dessen Mitte stand die zwanzig Meter hohe Statue einer Frau mit Katzenkopf. Priester fütterten und pflegten Tausende von Katzen, die im Tempel der Göttin lebten; sie waren Symbol für fette Jahre. Auf das Töten einer Katze stand die Todesstrafe. Wenn eines der Tiere starb, legte die Familie Trauerkleidung an. Manche ließen, vorausgesetzt sie waren entsprechend vermögend, ihre verstorbene Katze mumifizieren, im Mausoleum auf dem Katzenfriedhof beisetzen und eine Plastik zum ewigen Andenken fertigen.

Diese "Schwäche" der Ägypter nutzten persische Belagerer der Stadt Pelsium um 500 v. Chr: Sie fingen die Katzen der Stadt, trieben sie vor sich her und banden gar einige Tiere auf die Schilde. Ohne Widerstand übergaben die Ägypter ihre Stadt, um die Tiere nicht zu Schaden kommen zu lassen.

Mit der Völkerwanderung nach Europa

Zum Schutz der Katzen bestand ein striktes Ausfuhrverbot aus Ägypten. Doch konnten auch die Ägypter nicht verhindern, dass Phönizier auf ihren Schiffen die Tiere nach Italien, Gallien und Britannien schmuggelten. Mit der Völkerwanderung (um 370) kamen Katzen bis nach Mitteleuropa, einschließlich ihres Namens: Im Nubischen heißen Katzen kadiska, wovon das lateinische Wort catus stammt, ebenso wie das französische chat und das deutsche Katze.

Geschöpfe des Bösen

Doch so gut wie einst in Ägypten ging es den graziösen Vierbeinern im mittelalterlichen Europa nicht mehr: Religiöse Eiferer sahen in ihnen eine Verkörperung des Bösen. Vor allem schwarze Exemplare wurden verfolgt, galten sie doch als Kreaturen des Teufels. Hexen sollen bei ihren wilden Besenritten von ihnen begleitet worden sein; angebliche Ketzer gaben unter der Folter nächtliche Orgien mit den satanischen Geschöpfen zu - die Katze als Sexsymbol! Der Katzenhass reichte bis weit ins 19. Jahrhundert hinein, und lebt noch heute im Aberglauben fort: Von links nach rechts über die Straße laufende schwarze Katzen sollen Passanten Unglück bringen.

Unberechenbares Wesen

Vielleicht liegt solche Schwarzseherei ein bisschen am unberechenbaren Wesen des domestizierten Raubtiers: Denn - bei aller Häuslichkeit hat sich die Katze doch ihre Eigenheiten und Marotten bewahrt. Schwer durchschaubar und exzentrisch ist sie noch heute. Immerhin: Dem armen Müllersjungen im Gestiefelten Kater brachte sie unerwartet Reichtum und die Hand der Königstochter.

Systematik der Katzen Die Familie der Katzen - Felidae - umfasst heute 36 wildlebende Arten, unterschieden in Groß- und Kleinkatzen, sowie etwa sechzig durch menschliche Züchtung entstandene Unterarten der Hauskatze (Felis silvestris f. catus).

Diese Rassekatzen werden nach Haarlänge in vier Gruppen unterteilt: Perser- (oder Langhaarkatzen), Siam-, Kurzhaar- sowie Halblanghaarkatzen. Die Wildkatzen (felis silvestris), Vorfahren der Hauskatze, unterscheidet man nach ihrem Verbreitungsgebiet in: europäische Wald-, afrikanische Falb- und asiatische Steppenkatzen.

Außer in Australien und den Polregionen sind wilde Arten auf allen Erdteilen heimisch. Kleinster Vertreter ist die in Südindien vorkommende Rostkatze, die größte lebende Katze ist der Tiger.

Ihr Ursprung reicht mehr als dreißig Millionen Jahre zurück, bis hin zu kleinen Waldraubtieren der Gattung Miacis. Spätere Vorfahren heutiger Großkatzen waren die als "Säbelzahntiger" bekannten Vertreter der Gattung Smilodon mit ihren dolchartigen Fangzähnen, die in Amerika lebten und vor etwa zehntausend Jahren ausstarben.