Grafik: Asteroid fliegt in Richtung Erde
Bildrechte: imago/Science Photo Library

Raumfahrt Asteroiden – die Menschheit schießt zurück

Anfang des Monats hat die japanische Sonde Hayabusa2 einen Asteroiden beschossen. Heute schaut sie sich den Krater an. Währenddessen treffen sich zum Monatswechsel Weltraumforscher, um den Ernstfall eines Asteroideneinschlags zu üben.

Grafik: Asteroid fliegt in Richtung Erde
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Im Grunde klang er ganz gut, der Plan von 1998: Löcher in den Asteroiden bohren, Nuklearsprengsätze rein, explodieren lassen und schon ist die Erde außer Gefahr. Und hat sogar geklappt – im Hollywoodfilm "Armageddon" –, weil Bruce Willis sich geopfert hat.

Das zweite Asteroiden-Opfer in einem Jahr. Denn auch im Film "Deep Impact" (Tiefer Einschlag, Tiefer Impakt) wurde die Erde von einem Asteroiden bedroht und Robert Duvall flog mit dem Shuttle und einer Atombombe an Bord hinein. Trotzdem wurden weite Teile der Erde zerstört. Zum Glück aber nur im Film. Denn in der Realität ist der Fall seit Menschengedenken nicht mehr eingetreten. Dass die Bedrohung existiert, zeigte FU162. Der Meteoroid kam im Jahr 2004 mit 6.500 Kilometern der Erde ganz schön nahe.

Ryugu hat einen Krater bekommen

Eine unscharfe Aufnahme des Asteroiden mit einer in der Vergrößerung dargestellten kleinen Staubwolke
Staubwolke, die durch das Projektil auf Ryugu ausgelöst wurde Bildrechte: JAXA/The University of Tokyo/Kochi University/Rikkyo University/Nagoya University/Chiba Institute of Technology/Meiji University/The University of Aizu/AIST

Mit sechs Metern Durchmesser hätte der kleine Himmelskörper bei einem Kollisionskurs zwar keinen großen Schaden angerichtet und wäre wahrscheinlich in der Atmosphäre verglüht. Nur, wenn da nicht die Frage nach "was wäre, wenn" wäre. Aus diesem Grund hat sich die Menschheit auch außerhalb Hollywoods überlegt, zurückzuschlagen. Und das im April 2019 das erste Mal getan: Anfang des Monats hat die japanische Sonde Hayabusa2 ein Kupferprojektil auf den Asteroiden Ryugu geschossen, der als Testfeld dienen soll. Ryugu ist mit gut einem Kilometer Durchmesser schon mal deutlich größer als FU162.

Bei dem SCI-Experiment – das steht für Small-Carry-on Impactor – wurde eine Ladung Plastiksprengstoff mit einer Geschwindigkeit von zwei Kilometern pro Sekunde auf den Himmelskörper geschossen. Das ist nicht so einfach, wie es in Computerspielen funktioniert. Die Sonde lässt den Impaktor, eine Sprengladung, sehr langsam fallen, wie Dr. Tra-Mi Ho vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt gegenüber MDR WISSEN erklärt: "Er wird nicht von Hayabusa2 selbst abgeschossen. Daher gibt es auch keinen Rückstoß auf die Sonde", erklärt die Wissenschaftlerin am Institut für Raumfahrtsysteme. "Nach einer gewissen Zeit zündet die Hohlladung und formt durch die Explosionswucht aus einem dünnen, leicht eingewölbten Kupfer-Deckel das eigentliche Projektil. Dies nimmt die Form einer ausgewölbten Hohlkugel an und wird von der Explosion in den Asteroiden geschleudert."

Der Aufprall hebt dann einen Krater aus. Den konnte sich Hayabusa2 aber bisher nicht ansehen, weil die Sonde erstmal hinter dem Kleinplaneten in Deckung gehen musste.

Grafik: Raumsonde mit Mittelteil und zwei Sonnenkollektoren schwebt über der Oberfläche des Asteroiden Ryugu
Japanische Sonde Hayabusa2 über Asteroid Ryugu (Illustration) Bildrechte: JAXA

Durch die geringe Schwerkraft des Asteroiden könnte ausgeworfene Materie in die Umlaufbahn des Himmelskörpers gelangt sein und möglicherweise Schaden an der Sonde anrichten. "Also ist der Plan, bis zum 25. April zu warten und sich dann den Krater anzuschauen", sagt Patrick Michel vom französischen Côte d'Azur-Observatorium, der als Forscher an der japanischen Mission beteiligt ist. "Das sind für uns erste spannende Daten, die wir mit Simulationen vergleichen können." Hayabusa2 soll dabei nicht nur schauen, was sie für Schaden angerichtet hat, sondern vor allem Bodenproben aus dem Inneren des Asteroiden entnehmen.

Konferenz probt Ernstfall

Doch nicht nur bei der Beschaffenheit der Kleinplaneten will man besser vorbereitet sein als bei Deep Impact oder Armageddon. Zum Monatswechsel findet die 6. Konferenz zur Verteidigung unseres Planeten statt. An der 2019 IAA Planetary Defense Conference in Washington sind auch die NASA und die ESA mit dabei. Die Beteiligen wollen dort den Ernstfall proben: In einem fiktiven Szenario wurde am 26. März ein Objekt entdeckt– also ein Meteoroid oder Asteroid –, das der Erde gefährlich nahe kommt. Die Chance steht eins zu hundert, dass das Objekt 2027 in die Erde einschlagen wird. Auch in unser wirklichen Welt besteht dieser Grenzwert: Ab einer Impakt-Wahrscheinlichkeit von eins zu hundert besteht Handlungsbedarf. In dem Experiment sollen dann Strategien besprochen werden, das Objekt zu erkunden, es abzuwehren oder den Einschlag abzumildern.

Noch mehr Beschüsse

Und die Asteroiden können sich auf was gefasst machen, der menschliche Beschuss geht nämlich weiter: Im Oktober 2022 soll die amerikanische DART-Sonde in den kleineren der zwei Didymos-Asteroiden stürzen und ihn zerteilen. Die Hera-Mission der europäischen Weltraumbehörde ESA soll den geteilten Asteroiden dann be- und untersuchen.

Zusammen mit den Daten der japanischen Hayabusa2-Sonde erhoffen sich die Wissenschaftler Einblicke in die Auswirkungen von Angfriffen auf Asteroiden. Und in die Effizienz von Abwehrberechnungen. Damit sowas wie bei Deep Impact eben nicht noch mal passiert.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Spezial | 29. Juni 2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. April 2019, 14:10 Uhr