Asteroid trifft Erde
Bildrechte: IMAGO

Welt-Asteroiden-Tag Die Druckwellen können gefährlich werden

Hoch ist die Wahrscheinlichkeit nicht, dass ein großer Asteroid die Erde trifft und die Menschheit auslöscht. Großen Schaden können die Himmelskörper aus dem All dennoch anrichten, selbst wenn sie den Erdboden nicht erreichen.

Asteroid trifft Erde
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Könnte der Einschlag eines Asteroiden eines Tages die Menschheit vernichten? Vor 65 Millionen Jahren soll ein herabfallender Himmelskörper mit über 10 Kilometern Durchmesser das Ende der Dinosaurier herbeigeführt haben. Solche von Astronomen "global killer" genannten Riesenasteroiden sind allerdings äußerst selten, nur alle 100 Millionen Jahre droht nach Schätzungen von Forschern die Kollision mit einem solchen Giganten. Die Menschheit hätte dann wahrscheinlich auch genügend Zeit, die Bedrohung mit einer Rakete abzuwehren, denn die meisten der sehr großen Himmelskörper lassen sich durch Teleskope gut beobachten und sind daher bekannt.

Doch auch kleinere Asteroiden können gefährlich werden, deshalb lohnt sich ihre Erforschung. Die Vereinten Nationen haben den 30. Juni zum Welt-Asteroiden-Tag ernannt. Das Datum erinnert an den 30. Juni 1908, als ein Asteroid in der Tunguska-Region in Sibirien rund 2000 Quadratkilometer unbewohntes Gebiet verwüstete. Das Ereignis war bis nach Deutschland sichtbar.

Um diesen Schaden anzurichten, musste der Tunguska-Asteroid nicht besonders groß sein. Heutigen Schätzungen zufolge habe er nur einen Durchmesser von etwa 50 Metern gehabt, sagt Kay Wünnemann vom Berliner Museum für Naturkunde. "Er ist in der Atmosphäre zerplatz. Der Schaden wurde eigentlich nur durch die Druckwelle verursacht."

Ein Team um den Wissenschaftler Clemens Rumpf von der Universität Southampton in England unterstreicht die Warnung vor den Druckwellen. In einer im Journal "Geophysical Research Letters" erschienenen Studie errechneten die Forscher je nach Folge der Kollision die Zahl menschlicher Todesopfer. Unterschieden wurden dabei Tsunamis, fliegende Trümmer, Schockwellen, Hitze, Erdbeben, Winde und Kraterbildung. Größte Gefahr seien starke Winde, die von den Druckwellen ausgehen. Sie könnten die Geschwindigkeit von Orkanen überschreiten, schreiben die Wissenschaftler.

Ein Asteroid mit rund 60 Metern Durchmesser trifft laut Rumpf im Schnitt etwa alle 1500 Jahre auf die Erde, ein rund 400 Meter breiter alle 100.000 Jahre. „Die Wahrscheinlichkeit eines Asteroideneinschlags ist wirklich gering“, sagt der Forscher. Auch die Aufzeichnungen für Deutschland zeigen: Häufig kommt es nicht zu Einschlägen. Eine Datenbank russischer Geophysiker im Netz listet gerade einmal Nachweise für 19 Asteroiden auf, die in den vergangenen 400 Millionen Jahren auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik einschlugen.

Kleinere Körper verglühen häufig in der Atmosphäre – auf der Erdoberfläche bekommt man davon meist nichts mit. 2013 aber explodierte ein etwa 20 Meter großer Meteorit über der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk und ließ die Auswirkungen solcher gefährlichen Stoßwellen erahnen: Rund 7000 Gebäude wurden beschädigt, etwa 1500 Menschen verletzt.

"Der Tscheljabinsk-Körper, der damals in die Erde eingedrungen und zerplatzt ist, kam völlig unerwartet", sagt Experte Wünnemann. "Man hatte parallel dazu den Vorbeiflug eines anderen Körpers vorausgesagt und überhaupt nicht erwartet, dass im gleichen Moment ein Asteroid mit der Erde kollidiert." Es sind also gerade die kleinen Himmelskörper, die zur unschönen, großen Überraschung werden könnten.

ens/dpa

Über dieses Thema berichtet MDR Aktuell auch im: Radio | 30.06.2017 | 09:24 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 30. Juni 2017, 17:24 Uhr