Illustration eines Asteroiden, der sich auf die Erde zubewegt.
Bildrechte: Colourbox

1.700 erdnahe Asteroiden Können wir gefährliche Himmelskörper abwehren?

Wissenschaftler von der DLR, ESA und NASA arbeiten intensiv an der Frage, wie sie die Flugbahn von Himmelskörpern beeinflussen können. Sie fordern konkrete Maßnahmen zur Asteroiden-Abwehr. Dafür brauchen sie Geld. Denn sie wollen die Himmelskörper beschießen.

Illustration eines Asteroiden, der sich auf die Erde zubewegt.
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Armageddon, Deep Impact, Meteor - im Film ist die Erde schon oft von Himmelskörpern bedroht worden. Und diese Bedrohung ist real, sagen Forscher aus der ganzen Welt. Sie haben sich am Montag in Berlin für die Realisierung von Missionen zur Erkundung und Ablenkung eines Asteroiden ausgesprochen. "Wenn wir uns jetzt nicht Maßnahmen überlegen, hat die Generation nach uns ein Problem", sagte Kai Wünnemann vom Museum für Naturkunde in Berlin. Er ist Mitzeichner eines Offenen Briefs, der am Montag vorgestellt wurde. Die Experten gehen demnach davon aus, dass etwa 1.700 erdnahe Asteroiden der Erde gefährlich werden könnten.

Der Ort war klug gewählt: Das Museum für Naturkunde in Berlin, das mit seinen Dinosaurierskeletten eindrucksvoll an die Naturkatastrophe vor 65 Millionen Jahren erinnert, als ein Meteoriteneinschlag ihre Ära beendete. Und bei der europäischen Raumfahrtagentur ESA geht es demnächst um Budgetfragen. Auf einem Ministertreffen der 22 ESA-Staaten und Kanadas stehen Anfang Dezember Vorschläge für die Weltraum-Programme der kommenden Jahre auf der Tagesordnung. Darunter ist laut Wünnemann die noch nicht genehmigte Asteroidenmission AIM. Sie wäre der europäische Beitrag für ein internationales Vorhaben zur Ablenkung eines Asteroiden.

Didymos und Didymoon

Zunächst will die ESA ab Oktober 2020 die Sonde "AIM“ zu den Didymos-Zwillings-Asteroiden fliegen, die 2022 bis auf elf Millionen Kilometer und damit vergleichsweise nahe an die Erde herankommen. Der Hauptkörper hat einen Durchmesser von 800 Metern und wird von einem 170 Meter durchmessenden Mond umkreist, der inoffiziell "Didymoon“ genannt wird.

Das eigentliche Ziel der AIM-Sonde ist dieser kleinere Mond: Die Sonde soll den Gesteinsbrocken mit optischen Instrumenten, Radar und Laser scannen, um detaillierte Aufzeichnungen seiner Oberfläche und des inneren Aufbaus zu erhalten.

Außerdem wird AIM ein Landemodul absetzen – die erste Landung der ESA auf einem kleinen Himmelskörper, seit die Landeeinheit Philae der Raumsonde Rosetta im vergangenen November auf einem Kometen gelandet ist.

AIM stellt den Beitrag Europas zur umfassenden AIDA-Mission (Asteroid Impact & Deflection Assessment) dar. Ende 2022 soll die von der NASA gesteuerte DART-Sonde (Double Asteroid Redirection Test) bei Didymos ankommen und direkt mit einer Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Sekunde in Didymoon einschlagen.

Mit der ESA Asteroid Impact Mission (AIM) wollen die Wissenschaftler den für 2022 gepanten Sturzflug der NASA Sonde DART beobachten.
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"Die AIM-Sonde der ESA wird genau beobachten, wie DART auf Didymoon trifft“, erklärte ESA-Missions-Manager Ian Carnelli. "Anschließend wird der Mond für Vorher-/Nachher-Vergleiche zur Struktur des Körpers selbst sowie seines Orbits detailliert untersucht, um die kinetischen Auswirkungen von DART und deren Folgen beschreiben zu können.

Versuch dient der Entwicklung von Abwehrstrategien

Mit dem Wissen über die Reaktion eines Asteroiden auf die Aufschlagenergie sollen vorhandene Labormodelle umfangreich kalibriert und verbessert werden. Von der Analyse des Materialauswurfes erhofft man sich Antworten auf die seit zwei Jahrzehnten diskutierte Frage der möglichen Impulsübertragung. Im Erfolgsfall sorgt die Veränderung der Umlaufbahn von Didymoon durch die DART-Mission erstmals dafür, dass die Menschheit die Dynamik des Sonnensystems in einem messbaren Maß verändert hat.

Der Asteroid Didymos hat einen kleineren Bruder, der ihn umkreist wie ein Mond. Deswegen nennen die Forscher ihn intern auch Didymoon. Die ESA plant, auf Didymoon zu landen, um die Kollision der DART Sonde im Jahr 2022 unmittelbar dokumentieren zu können.
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Der Versuch ist die Grundlage für die weitere Planung von planetaren Abwehrstrategien. "Wir werden erstmals die Kraft ermitteln können, die notwendig ist, um einen nahenden Asteroiden aus seiner Bahn zu lenken, und besser verstehen, wie wir die Technik anwenden können, sollte eine tatsächliche Bedrohung bestehen“, so ESA-Manager Ian Carnelli.

Eine ähnliche Kollision erfolgte 2005, als der Komet Tempel-1 von der NASA-Sonde Deep Impact aus mit einem Kupferprojektil beschossen wurde. Der Didymos-Mond misst jedoch nur Bruchteile des Durchmessers von Tempel-1, sodass eine höhere Präzision erforderlich ist, um ihn zu treffen. Allerdings sollte die Möglichkeit einer Änderung seines Orbits entsprechend höher sein.

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2016, 14:50 Uhr