Neue Sojus-2.1a: Start zur ISS trotz Corona

Um 10:05 Uhr am Donnerstag, den 9. April, ist der erste bemannte Flug der neuen Sojus 2.1a zur ISS gestartet. Die neue Version des russischen Raketensystems hat nun ein digitales Flugkontrollsystem und verbesserte Triebwerke. Alle Infos hier:

Soyus-Rakete
Bilderbuchstart der Sojus 2.1a Alles lief nach Plan am Morgen des 9. April Bildrechte: NASA

Die Flüge zur ISS müssen trotz Corona-Pandemie stattfinden. Deshalb startete am Donnerstag um 10:05 Uhr (mitteleuropäische Zeit) die neueste Version von Russlands Trägerrakete Sojus mit drei Astronauten ins All. Beim Flug Sojus MS-16 werden die beiden russischen Kosmonauten Anatoly Ivanishin und Ivan Vagner sowie der US-Astronaut Chris Cassidy zur internationalen Raumstation gebracht.

In einer Kapsel liegen zwei zusammengekauerte Menschen in Raumanzügen
Es ist eng in der Kapsel, aber die Raumfahrer meldeten an die Bodenstation: "Alles in Ordnung." Bildrechte: NASA

Es ist der erste Flug der Sojus 2.1a mit Menschen an Bord. Gegenüber der Vorgängerversion wurden einige technische Details der Rakete verbessert.

Soyus-Start - Blick von der Rakete zurück zur Erde
Aufnahme kurz nach dem Start - Blick aus der Sojus auf die Erde Bildrechte: NASA

Russlands Sojus hat eine lange Erfolgsgeschichte hinter sich. Seit 1963 sind verschiedene Versionen dieses Systems mehr als 1500 Mal gestartet. Insgesamt erreichen Sojus-Missionen mit einer Erfolgsquote von 97,3 Prozent eine beeindruckende Zuverlässigkeit. Seitdem die USA die Spaceshuttles 2011 ausgemustert haben, haben nur noch die russischen Raumschiffe Astronauten und Güter zur ISS geflogen.

Jetzt also erstmals ein bemannter Flug mit der Sojus 2.1a, die manchmal auch als Sojus ST-A bezeichnet wird. Bei dieser Rakete wurden analoge Flugsteuerungs- und Telemetriesysteme durch digitale Versionen ersetzt. Sie können die Aufstiegsbahn der Rakete besser lenken. Die ist dadurch nicht auf abgewinkelte Startplattformen angewiesen, sondern kann auch von Rampen mit festem Winkel starten. Zudem ermöglichen die neuen Steuersysteme auch den Transport größerer Satelliten mit längeren Verkleidungen. Diese Nutzlastverkleidungen führen zu größeren aerodynamischen Instabilitäten, mit denen das vormalige analoge System nicht mehr umgehen konnte.

Andreas Schuetz ist Sprecher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und erklärt, wie die Flugsteuerung mit dem Winkel der Startrampe zusammenhängt:

Durch die digitale Flugsteuerung der Sojus 2.1a ist es möglich, dass die Rakete direkt nach dem Start ein Rollmanöver um ihre Längsachse durchführen kann. So ein Manöver konnte man sehr eindrucksvoll bei den Space-Shuttle-Starts beobachten. Durch dieses Manöver fliegt die Rakete dann quasi in die richtige Richtung, wenn sie ihr sogenanntes "Gravity-Turn"-Manöver durchführt. Dabei kippt die Rakete in Richtung Erde, während sie aber weiter an Höhe gewinnt. Die Rakete muss am Ende ungefähr parallel zur Erdoberfläche fliegen und nicht nur gerade nach oben.

Andreas Schuetz, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Eine weitere Verbesserung betrifft die Booster, deren Schubkraft erhöht wurde. Die zuletzt gängige Ausführung der Rakete für bemannte Flüge war die Sojus-FG, sie hatte eine analoge Flugsteuerung. Das bemannte Raumschiff an der Spitze, das Modell Sojus MS, ist bereits mit einer digitalen Version ausgestattet. Bemannte Flüge zur ISS waren bislang also teils analog, teils digital. Frachtflüge mit dem Transporter Progress MS hingegen waren bereits voll digitalisiert, da sie mit der aktualisierten Rakete Sojus 2.1a durchgeführt wurden.