Ausbildungsjahr 2016 Über 16.000 freie Lehrstellen in Mitteldeutschland

Das Ausbildungsjahr beginnt in Kürze. Tausende Lehrstellen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind aber unbesetzt. Gleichzeitig suchen immer noch rund 12.000 Schulabgänger einen Ausbildungsplatz, so eine Umfrage der dpa.

Die meisten freien Lehrstellen gibt es auch in diesem Jahr in Sachsen. 7.161 offenen Plätzen stehen derzeit 5.878 Jugendliche gegenüber, die noch keinen Vertrag haben, so die  Landesarbeitsagentur in Chemnitz. Deren Chef Klaus Schuberth empfiehlt daher dringend den Gang zu einem der Berufsberater. "Die kennen den regionalen Arbeitsmarkt, aktuelle Trends auf dem Ausbildungsmarkt und haben die Adressen der Betriebe, die noch Auszubildende suchen.“ Schuberth  glaubt, dass immer noch zu viele Jugendliche sich auf ihre Traumberufe versteiften. Ein Problem nicht nur in Sachsen. Die Landesarbeitsagentur Sachsen-Anhalt meldet, dass es zwar 400 freie Stellen im Handel gebe - aber noch 600 Bewerber. Anderswo fehlen dafür die Interessenten. So gebe es etwa im Metallbau nur 80 Bewerber für 200 Lehrstellen, bei der Lebensmittelherstellung seien es für ebenso viele Azubiplätze nur 30.

Situation kritisch

Insgesamt sieht die Situation in Sachsen-Anhalt so aus: 8.750 Schüler haben eine Lehrstelle gefunden. Das sind immerhin neun Prozent mehr als im vergangenen Jahr. 3.300 Jugendliche suchen noch und haben zumindest rechnerisch große Chancen. Denn es sind noch rund 4.400 freie Lehrstellen gemeldet. "Für viele Unternehmen ist die Situation mit Blick auf die eigenen Fachkräfte der Zukunft kritisch“, erklärte der Chef der Arbeitsagenturen, Kay Senius. Oft fänden Bewerber und Unternehmen aufgrund der persönlichen Interessen der jungen Menschen nicht zusammen. Der Wunschberuf passt nicht zum Bedarf der Firmen, oder die Stelle ist nicht in der Region, in der der Jugendliche sucht.

Hier werden gefestigte Grundlagen in den Fächern Mathematik, Physik und Deutsch benötigt. Daran scheitern viele Bewerber.

Klaus Olbricht, Präsident IHK Magdeburg
Präsident der IHK Magdeburg
Bildrechte: IHK Magdeburg / Dirk Mahler

Auch in Thüringen sieht die Situation ähnlich aus. 2.600 Bewerber suchen noch, aber es gibt fast doppelt so viele freie Plätze, rund 5.000, so die Landesarbeitsagentur mit Blick auf Thüringen und Sachsen-Anhalt. Die Industrie- und Handelskammer Magdeburg bestätigt die Probleme, sieht als Grund aber auch die fehlenden schulischen Kenntnisse. Gerade in der Metall- oder Elektro-Industrie, so Klaus Olbricht, Präsident der IHK-Magdeburg, mache sich das bemerkbar. „Hier werden gefestigte Grundlagen in den Fächern Mathematik, Physik und Deutsch benötigt. Daran scheitern viele Bewerber.“

Umdenken bei den Firmen

Die veränderte Bewerbersituation hat aber bei vielen Firmen schon zum Umdenken geführt, so Olbricht gegenüber dem MDR. „Gute Karten in diesem Wettbewerb haben die Unternehmen, die rechtzeitig für ihre Berufe und ihr Unternehmen werben.“ Dazu gehöre auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Firmen und Schulen. „Berufsfindungsmessen werden für die Betriebe immer wichtiger. Einige Firmen bieten Bewerbern eine spezielle Förderung an, um schulische Bildungsdefizite auszugleichen oder zu minimieren. Inzwischen greifen Unternehmen auch auf ausländische Azubis zurück. Zurzeit absolvieren zirka 400 Jugendliche aus EU-Ländern eine Ausbildung in einem Unternehmen in Sachsen-Anhalt.“

Die Firmen stehen im harten Wettbewerb um die Schulabgänger. Denn auch die Hochschulen und Universitäten suchen guten Nachwuchs. Und insbesondere die Gymnasiasten entscheiden sich eher für ein Studium. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat noch ein weiteres Problem ausgemacht. Unter den jungen Männern und Frauen ohne Ausbildungsvertrag seien überdurchschnittlich viele mit Hauptschulabschluss, so der DGB. Die Firmen müssten aber Bewerbern aller Schulzweige eine Perspektive geben.

Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2016, 15:14 Uhr