Computergrafik einer Sternwarte auf dem Hochplateau eines Berges in der Wüste
Die Europäische Südsternwarte baut derzeit in Chile das "Extremely Large Telescope". Es soll bis 2024 fertig gestellt sein und mit seinem fast 20 Meter breiten Spiegel noch bessere Daten über das Weltall liefern. Bildrechte: IMAGO

Technischer Fortschritt in der Astronomie In 20 Jahren wissen wir, ob es außerirdisches Leben gibt

Gibt es in unserer galaktischen Nachbarschaft Planeten mit Leben, können wir das innerhalb der kommenden 20 Jahren herausfinden. Spätestens eine neue Generation von Teleskopen soll die entscheidenden Hinweise liefern.

Computergrafik einer Sternwarte auf dem Hochplateau eines Berges in der Wüste
Die Europäische Südsternwarte baut derzeit in Chile das "Extremely Large Telescope". Es soll bis 2024 fertig gestellt sein und mit seinem fast 20 Meter breiten Spiegel noch bessere Daten über das Weltall liefern. Bildrechte: IMAGO

Auf eine der größten ungelösten Fragen der Menschheit könnte es bald eine Antwort geben: Gibt es andere Lebewesen im Universum oder sind wir allein? Eine neue Generation extrem großer Teleskope soll die entscheidenden Hinweise liefern, sagt der Astronom Markus Kissler-Patig von der europäischen Südsternwarte (ESO). Spätestens in den kommenden 10 bis 20 Jahren könnte es soweit sein.

Kissler-Patig, Astronom am wissenschaftlichen Hauptquartier der Südsternwarte in Garching bei München, hat mitgearbeitet am Aufbau des "Extremely large Telescope" (ELT) auf dem Gipfel des Cerro Armazones in Chile. Das Projekt der ESO soll bis 2024 fertig gestellt sein und wird dann mit einem Spiegeldurchmesser von fast 20 Metern das größte Teleskop der Welt sein. Es soll unter anderem mehr Information zu den Atmosphären bereits entdeckter Planeten außerhalb des Sonnensystems liefern und damit Antworten darüber, ob es dort Leben gibt.

SETI traf sehr gewagte Annahmen über Aliens

Der Stronom Markus Kissler-Patig von der Europäischen Südsternwarte (ESO)
Bildrechte: European Southern Observatory (ESO)

Die Menschheit fahndet bereits seit über 30 Jahren mit einigem wissenschaftlichen Aufwand nach Hinweisen auf Außerirdische, bislang jedoch ohne Erfolg. Das US-amerikanische SETI-Institut etwa lauscht seit 1984 nach Funksignalen aus dem All, die Hinweise auf außerirdische Technologie geben sollen.

Damit wurde die Suche aber eingeschränkt auf intelligente Lebensformen, die eine ähnliche Technologie verwenden, wie die Menschen, "und uns vielleicht etwas zufunken", sagt Kissler-Patig. In den 1960ern und 70ern sei dieser Ansatz sehr inspirierend gewesen. "Es hat dazu geführt, dass Astrobiologie-Programme entwickelt wurden und dass die NASA die Suche nach Leben zu ihrer Aufgabe machte", sagt er.

Es war allerdings sehr gewagt, anzunehmen, es gebe eine Menschen-ähnliche Zivilisation, die auch in genau dann mit uns kommuniziere, wenn wir ihr zuhören könnten. "Dennoch war das ein wichtiger erster Schritt und bis in die 1990er Jahre auch unsere einzige Chance, Leben jenseits des Sonnensystems zu finden."

Optische Teleskope bringen Durchbruch

Inzwischen hat sich der Fokus verschoben, weil optische Teleskope wieder die wichtigsten Instrumente der Forschung wurden. Mit ihrer Hilfe haben Wissenschaftler in den vergangenen 20 Jahren über 3.000 Exoplaneten entdeckt. Seit rund zehn Jahren können die Forscher bestimmen, wie groß die Planeten sind, ob sie aus Gas bestehen oder – wie die Erde – Gesteinsplaneten sind.

Von etwa 50 dieser Himmelskörper wissen die Astronomen inzwischen auch, dass sie sich in der sogenannten bewohnten Zone befinden. Das bedeutet, ihr Abstand zu dem Stern des jeweiligen Systems ist genau so groß, dass die Temperaturen auf der Oberfläche Wasser im flüssigen Zustand ermöglichen. Dort könnten also Lebewesen vorkommen, die wie wir Wasser für den Stoffwechsel nutzen.

Sauerstoff wichtigster Hinweis für Leben

Bislang werden die Astronomen aber meist vom Licht der Sterne noch zu stark geblendet. Die kommenden, deutlich größeren Teleskope wie das ELT sollen mehr Unterscheidungen zwischen Stern und vorüberfliegendem Planeten ermöglichen und dadurch neue Erkenntnisse bringen, etwa über die Atmosphäre der fernen Erden. Die zentralen Fragen sind: Gibt es dort wirklich Wasser und welche Gase kommen in der Atmosphäre vor.

Gerade die Gase könnten die stärksten Hinweise auf außerirdisches Leben geben, erklärt Kissler-Patig. "Im Moment ist Sauerstoff und das dazu gehörende Ozon unser bester Kandidat. Es kann nur dann in den Mengen in der Atmosphäre vorkommen, wenn es biologische Prozesse wie Photosynthese gibt", sagt er.

Grund dafür ist die Reaktionsfreudigkeit von Sauerstoff, etwa mit Eisen. "Jede Fahrradkette rostet, wenn sie an die Luft gelassen wird, jedes Gestein auch." Das Gas muss also praktisch von Pflanzen ständig nachgefüllt werden, damit die aktuell auf der Erde gemessenen Konzentrationen überhaupt auftreten können.

Viele Arten von Leben denkbar

Allerdings sind auch vollkommen andere Arten von Leben denkbar, beispielsweise auf der Basis von Silizium statt Kohlenstoff. Und auch auf der Erde haben sich die Spuren des Lebens vollkommen verändert, vor 4,5 Milliarden Jahren waren sie völlig anders, als heute. Deshalb fahnden die Astronomen generell nach chemischen Ungleichgewichten in den Atmosphären von Exoplaneten, die sich nicht allein mit geologischen Vorgängen erklären lassen.

Potenzielle Kandidaten für Leben unter den bereits bekannten Exoplaneten gibt es genug. Finden die Wissenschaftler auch mit den neuen Instrumenten keine Hinweise, sei das aber auch eine wichtige Erkenntnis, sagt Markus Kissler-Patig. "Dann wissen wir, dass wir auf unseren Planeten noch besser Acht geben müssen."

Erdähnlicher Planet mit leuchtendem Stern dahinter 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein erdähnlicher Plant in nur elf Lichtjahren Entfernung. Wie könnte es im System Ross 128 aussehen? Die ESO stellt sich das so vor.

Mi 15.11.2017 13:54Uhr 00:31 min

https://www.mdr.de/wissen/faszination-technik/video-153622.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | LexiTV | 16. Oktober 2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. November 2017, 15:35 Uhr