Sonderausstellung "Klimagewalten" Hat ein Klimawandel den Menschen erschaffen?

Hoch fliegt der Höhlenlöwe durch die Luft – herumgewirbelt von einem Mammutbullen, der sich und sein Kalb vor dem Angriff einer Gruppe der Raubtiere verteidigt. Es handelt sich dabei um das Mammut von Pfännerhall, dessen Knochen einst im Geiseltal gefunden wurden. Mit dieser spektakulären Installation (hergestellt vom Weltmeister im Säugetier-Präparieren) empfängt das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle die Besucher in seiner neuen Sonderausstellung "Klimagewalten - Treibende Kraft der Evolution".

Damit beweist das Museum mal wieder ein gutes Gespür für aktuelle Themen. Schon vor einem Jahr bezog sich die Sonderschau "Alchemie – Die Suche nach dem Weltgeheimnis" auch auf das Reformationsjubiläum. Damals stellten die Wissenschaftler Geräte von Wittenberger Alchemisten aus dem 16. Jahrhundert aus – und diskutierten die Frage, ob schon vor 500 Jahren in Wittenberg Cola gebraut wurde:

Mit der neuen Sonderausstellung ist das Landesmuseum für Vorgeschichte wieder bei einer sehr aktuellen Diskussion dabei: dem Klimawandel. Und in Zeiten, in denen ständig diskutiert wird, wie der Mensch das Klima beeinflusst, dreht das Museum den Spieß um und fragt: Wie hat das Klima, genauer die stetigen Schwankungen des Klimas zwischen Eiszeit und Warmzeit, zur Entwicklung des Menschen beigetragen? Dazu blickt das Museum weiter zurück, als es bisher jemand getan hat.

66 Millionen Jahre Klimawandel

Alles beginnt am Anfang des Känozoikums, auch Erdneuzeit genannt - die Zeit, in der wir uns jetzt geologisch gesehen befinden. Vor ca. 66 Millionen Jahren endete mit dem Einschlag eines großen Meteoriten das Zeitalter der Dinosaurier und der Aufstieg der Säugetiere begann. Eine wichtige Rolle bei deren Evolution spielte das Klima.

Lebewesen verändern sich nur, wenn es auch einen Motor dafür gibt. Und so ein Motor ist das Klima. Ändert sich das Klima, ändert sich das Nahrungsangebot. Die Lebewesen sterben entweder aus oder müssen sich anpassen.

Archäologin Juliane Weiß

Und zur Entwicklung der Säugetiere und des Menschen hat das Landesmuseum eindrucksvolle Präparate gesammelt, unter anderem den 600.000 Jahre alten Unterkiefer des Homo heidelbergensis – des ältestens Urmenschenfundes Deutschlands.

Beeindrucken dürften aber auch das Stück einer 50.000 Jahre alten Schädeldecke eines Neandertalers und die ebenso alte Rippe eines Mammuts. Mit zahlreichen Exponaten sind die Funde aus dem Geiseltal südlich von Halle vertreten, darunter die berühmten Urpferdchen, Krokodile und Schildkröten.

Was sind die Ursachen für einen Klimawechsel?

Klimatische Veränderungen hat es innerhalb der Erdgeschichte mehrfach gegeben - auch innerhalb sehr kurzer Zeitabschnitte.
Die Gründe sind vielfältig: Es gibt kosmische Faktoren wie Sonnenaktivität und den Winkel der Erdachse, aber auch irdische Faktoren spielen eine Rolle wie Plattentektonik und Veränderungen der Meeresströme.

Diese Ursachenforschung ist ein Themenkomplex der Ausstellung. Mit der Entstehung von Warm- und Eiszeiten geht es weiter. Und schließlich kommt der Mensch als Klima beeinflussender Faktor ins Spiel - das aber recht spät.

Jeder, der nicht in dieser Ausstellung gewesen ist - ich überspitze jetzt mal - hat umsonst gelebt! Die Geschichte der letzten 70 Millionen Jahre macht uns auch persönlich demütig, wenn es darum geht, dass diese Erde erhalten bleibt und allen Menschen eine Zukunft gibt.

Dr. Reiner Haseloff in seiner Rede zur Eröffnung

Auch ein Blick in die Zukunft

Ganz in der Vergangenheit verweilt die Ausstellung "Klimagewalten" aber nicht: Denn aufgrund der Zunahme extremer Wettereignisse stellt sich die Frage: Wie geht es weiter mit dem Klima? Dazu entwirft das Museum zwei hypothetische Szenarien: Was würde es bedeuten, wenn die rasante Erderwärmung andauert? In längeren Zeiträumen ist jedoch durchaus auch eine bevorstehende Eiszeit denkbar. Mit diesen beiden möglichen Szenarien und ihren denkbaren Folgen entlässt die Ausstellung die Besucher.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur-Nachrichten | 29. November 2017 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. November 2017, 10:13 Uhr