Mobilität/Autonomes Fahren Niemand am Steuer: Ab August fährt der erste autonome Bus durch Magdeburg

In Magdeburg sollen ab August die ersten vollautomatisierten Kleinbusse des Typs EZ10 selbständig zwischen Seumestraße und Heinrich-Heine-Platz fahren. Wissenschaftler*innen der Otto-von-Guericke-Universität sind am Projekt "Automatisierte Shuttlebusse – Urban ÖPNV" beteiligt.

autonomes Fahren
Bildrechte: imago images/Ralph Peters

Der Bus hat ja gar keinen Fahrer! Keine Angst, das muss so. Bald sind in Magdeburg intelligente fahrerlose Busse unterwegs. Ab August startet die Otto-von-Guericke-Universität den Testbetrieb mit dem vollautomatisierten französischen Kleinbus EZ10 zwischen der Seumestraße und dem Heinrich-Heine-Platz. Zuvor müssen noch die Teststrecke vermessen, technische Details wie etwa automatische Rollstuhlrampen getestet und Mitarbeiter*innen geschult werden.

Was kann EZ10?

Der Bus hat Platz für bis zu sechs Fahrgäste, fährt 25 km/h schnell und eignet sich für Strecken von bis zu fünf Kilometern. Moment, fünf Kilometer? Das ist aber nicht weit? Muss es auch nicht. Die autonomen Busse gelten als vielversprechend um die sogenannte letzte Meile zurückzulegen, also die Distanz zwischen der Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und dem Wohnort. So soll der Anreiz geschaffen werden, auf das eigene Auto zu verzichten, denn die Hemmschwelle dafür, mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B zu kommen, ist natürlich umso höher, je weiter entfernt so ein Verkehrsmittel von einem ist.

Neu sind die Technik und das Vorhaben nicht mehr. Kapp sechzig dieser autonomen Shuttlebus-Projekte gibt es bereits in Deutschland. Schon ab 2022 könnten diese im Regelbetrieb am Straßenverkehr teilnehmen, denn der Bundestag hat nun das Gesetz "zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes und des Pflichtversicherungsgesetzes – Gesetz zum autonomen Fahren" genehmigt. Seit 28. Juli 2021 ist es in Kraft. Das heißt, auf bestimmten festgelegten Strecken können autonome Kraftfahrzeuge der "Stufe vier" im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs sein.

Automatisierungsstufen im Überblick
1 assistiertes Fahren Fahrer*in beherrscht ständig das Fahrzeug; muss Verkehr im Blick behalten; haftet für Verkehrsverstöße und Schäden; einzelne Assistenzsysteme wie Tempomat unterstützen das Fahren
2 teilautomatisiertes Fahren Fahrer*in beherrscht ständig das Fahrzeug; muss den Verkehr ständig im Blick haben; haftet für Verkehrsverstöße und Schäden; Fahrzeug kann unter definierten Bedingungen die Spur halten, bremsen oder beschleunigen
3 hochautomatisiertes Fahren Fahrer*in darf sich vorübergehend von Fahraufgabe abwenden; in vom Hersteller vorgegebenen Anwendungsfällen fährt Pkw selbständig; Fahrer*in muss auf Anforderung des Systems wieder übernehmen
4 vollautomatisiertes Fahren Fahrer*in kann Fahrzeugführung komplett abgeben; Fahrzeug bewältige definierte Strecken selbständig; Passagiere müssen Verkehr nicht im Blick behalten; Passagiere haften nicht für Verkehrsverstöße und Schäden
5 autonomes Fahren Nur noch Passagiere ohne Fahraufgabe, Technik bewältigt alle Verkehrssituationen

Auch die Busse des Urban ÖPNV in Magdeburg verfügen über die Automatisierungsstufe 4. Anfangs wird noch ein*e Operator*in an Bord sein, später wird die Fahrt von einer Leitstelle aus überwacht.

Euphorie und Skepsis

Auch wenn selbstfahrende Autos und Busse eine tolle Vorstellung sind, so ganz überzeugt von der Verlässlichkeit der Technologie sind die Deutschen noch nicht. Laut ADAC zweifeln die nämlich 45 Prozent der Autofahrer*innen an. Doch auch wenn die Bevölkerung noch nicht allzu euphorisch ist, ist das Voranbringen des autonomen Fahrens, auch durch neue Gesetze, sehr sinnvoll, denn es birgt ein großes Potenzial. So könnten automatisierte Busse vielleicht so günstig fahren, dass sich der ländliche Raum besser erschließen lässt. Auch das interessiert die Wissenschaftler*innen der Otto-von-Guericke-Universität.

Wann kommt Stufe 5?

2018 hatte Tesla-Chef Elon Musk angekündigt, dass sein Konzern bald Fahrzeuge der Stufe 5 herausbringen würde. Bis heute hat das nicht geklappt. Auch andere Autohersteller*innen wie BMW, Mercedes oder Rolls-Royce arbeiten an völlig autonomen Fahrzeugen. Die US-Firma Waymo lässt bereits autonome Autos als Taxis fahren, doch auch dort sitzt noch ein*e Sicherheitsfahrer*in hinter dem Lenkrad, der oder die gegebenen Falls eingreifen kann. Die Entwicklung eines völlig sicheren Autopiloten gestaltet sich schwierig. Darauf, dass im großen Stil bald völlige autonome Busse und Autos durch die Straßen fahren, müssen wir wahrscheinlich noch eine ganze Weile warten.

JeS

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5 Kommentare

MDR-Team vor 8 Wochen

@part
Es handelt sich ja auch um einen Testbetrieb, der wissenschaftlich ausgewertet wird. Mögliche Probleme im Betrieb würden dann in die Auswertung einfließen.
LG, das MDR-Wissen-Team

part vor 8 Wochen

Die Haftung soll auf den gewerblichen Unternehmer bezogen werden in einem Gummiparagrafen und drei Viertel der Bundesbürger lehnen dieses Verkehrskonzept an. Ein Elektrofahrzeug mit einem serbischen Namensgeber aus den USA stoppte letztlich, weil es den Vollmond für eine gelbe Ampel hielt, es hat aber schon auch tödliche Unfälle verursacht. Beim innerbetrieblichen Transport lasse ich mir solche autonomen Fahrsysteme gern gefallen, auf der Straße haben diese nichts verloren, ebenso wie autonome militärische System, die teilweise schon im Einsatz sind. Eisenbahnfahrzeuge haben im Cockpit einen Totmannknopf, alle drei Sekunden als Pedal zu betätigen...

MDR-Team vor 8 Wochen

Hallo Graf von Henneberg, haftbar ist weiterhin eine natürliche Person, also quasi der Fahrer, der nur nicht mehr physisch anwesend ist (https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2021/kw18-pa-verkehr-autonomes-fahren-835640). LG, das MDR-Wissen-Team