Stiel-Eiche
Bildrechte: IMAGO

Tag des Baumes 10.000 Baumarten vom Aussterben bedroht

Weltweit sorgen vier Milliarden Hektar Wald für frische Luft und geben vielen Arten ein Zuhause. Doch inzwischen sind etwa 10.000 Baumarten vom Aussterben bedroht. Und auch um unsere Wälder sollten wir uns Sorgen machen. Der Tag des Baumes am 25. April macht auf die Misere unserer hölzernen Mitbewohner aufmerksam.

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60.065 Baumarten wurden auf unserer Erde entdeckt und beschrieben. Sie alle sind in der Online-Datenbank erfasst, die die Forscher der Organisation Botanic Gardens Conservation International (BGCI) zusammengetragen haben. Dabei wurde jedoch auch offenbar, dass rund 10.000 Arten vom Aussterben bedroht sind. Der Hauptgrund dafür sind Kahlschlag und Raubbau, vor allem in Entwicklungsländern. Aber gerade dort wächst die größte Vielfalt an Bäumen. An der Spitze steht Brasilien mit 8.715 verschiedenen Arten, dicht gefolgt von Kolumbien und Indonesien. Doch auch bei uns sieht es nicht nur rosig aus. Der Waldzustandsbericht des Bundesministeriums Ernährung und Landwirtschaft (aktuellste Ausgabe von 2015) "misst" die Situation der einzelnen Arten am Zustand ihrer Baumkrone:

Situation der Bäume in unseren Wäldern Die Buche ist die einzige Baumart, deren Situation sich deutlich verbessert hat. 33 Prozent der Buchen hatten deutlich lichte Kronen, im Vorjahr waren es noch 48 Prozent. Bei 45 Prozent ist die Krone etwas licht, also auch nicht in Ordnung. Das heißt, das immer noch 78 Prozent der Buchen geschädigt sind.

Bei Fichte, Kiefer und Eiche ist der Zustand fast unverändert im Vergleich zum Vorjahr:

Fichte: 28 Prozent stark geschädigt, weitere 37 Prozent schwach
Kiefer: 13 Prozent stark geschädigt, weitere 51 Prozent schwach
Eiche: 36 Prozent stark geschädigt, weitere 40 Prozent schwach.

Es sei kein klarer Trend zu erkennen, welche Baumarten sich besonders gut erholten und welche nicht, so die Herausgeber des Berichtes. Deshalb ist es auch weiterhin schwierig, gezielt etwas gegen die Schädigung der Bäume unternehmen zu können. Seit dem in den 1970er-Jahren bei uns das sogenannte Waldsterben zu beobachten war, stellte sich auch die Frage nach den Gründen dafür. Ein neues wissenschaftliches Forschungsfeld entstand, die "Waldschadensforschung".

In all den Jahrzehnten haben Wissenschaftler die einzelnen Faktoren betrachtet, die einem Baum zu schaffen machen können. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass der sogenannte Pflanzenstress als Ursache für Probleme dieses Ausmaßes nicht in Frage kommt. Hitze, Kälte, Sturm, Trockenheit und Schädlinge schaden den Bäumen nur vorübergehend und regional begrenzt. Ein gesunder Wald kommt damit zurecht und pegelt sich in seinem Gleichgewicht wieder ein. Mit Schadstoffen aus der Luft und im Boden kommt er allerdings nicht zurecht und wird im wahrsten Sinne des Wortes "sauer". Schwefeldioxid und Stickstoffverbindungen sind die Gründe für das Waldsterben bei uns. Zwar ist unsere Luft heute viel sauberer als vor 45 Jahren, aber offenbar erholt der Wald sich nur langsam.

Ein gesunder Wald hilft bei Klimaschwankungen

Wälder nehmen kontinuierlich Kohlendioxid (CO2) auf, das wichtigste Treibhausgas der Atmosphäre. Schwankt das Klima, kommen Wälder ganz unterschiedlich damit zurecht und nehmen auch das CO2 unterschiedlich stark auf. Ein internationales Forscherteam unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena fand nun zwei wesentliche Faktoren, die hierbei eine Rolle spielen: Je älter die Waldbestände und je größer deren Artenvielfalt, desto konstanter und stabiler ist ihre Fähigkeit, CO2 aufzunehmen. Die im Januar 2017 in "Nature Ecology & Evolution" veröffentlichten Ergebnisse beruhen auf Datensätzen von 50 weltweit verteilten Wäldern unterschiedlicher Klimazonen.

Kohlendioxid wirkt in der Atmosphäre als Treibhausgas und trägt zur Erwärmung der Erdoberfläche bei. Pflanzen nehmen Kohlendioxid aus der Luft durch Photosynthese auf, gewinnen damit u.a. organische Kohlenstoffverbindungen. Mit diesem wiederum bilden sie Biomasse, lassen also z.B. Wurzeln, Zweige und Blätter wachsen. Einen Teil des Kohlendioxids geben sie durch Atmung wieder ab. Insgesamt nehmen Pflanzen, insbesondere Wälder, weltweit mehr CO2 aus der Atmosphäre auf, als sie wieder abgeben. Sie kompensieren dadurch teilweise die durch Menschen verursachten Emissionen.

Wovon es abhängt, wie viel Kohlendioxid Pflanzen aufnehmen können und warum das abhängig vom Klima schwankt, das wollte das Forscherteam herausfinden. In 50 Waldgebieten weltweit wurden dafür Daten erhoben. So wurde über lange Zeit die Aufnahme und Abgabe von CO2 gemessen, Wetterdaten erfasst, Artenvielfalt vor Ort, Pflanzeneigenschaften, Alter der Bäume und die Nährstoffverfügbarkeit dokumentiert. Die Erstautorin der Studie Talie Musavie fand dabei heraus:

Wie stabil die Aufnahmefähigkeit der Wälder für CO2 ist, wird im Wesentlichen durch ihr Alter und ihren Artenreichtum bestimmt, wobei das Alter wichtiger ist als der Artenreichtum.

Talie Musavie, Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena

Viele Ökosysteme der Landoberfläche werden aber durch Ausbeutung natürlicher Ressourcen stark verändert. Indem alte Wälder und deren Artenreichtum erhalten bleiben, könnten die Auswirkungen von Klimaschwankungen auf die Waldökosysteme abgefedert werden. Alte Wälder bedecken derzeit etwa 15 Prozent der gesamten Erdoberfläche.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im Fernsehen LexiTV | 15.12.2015 | ab 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2017, 11:07 Uhr