Handschlag
Bildrechte: Colourbox.de

Forschung Wenn Hallo sagen zur Wissenschaft wird

Weltweit gibt es unzählige Begrüßungsformeln- und rituale. Selbst in der Familie oder im Freundeskreis lassen sich große Unterschiede feststellen. Hallo-Sagen ist zur echten Wissenschaft geworden.

von Jennifer Schollbach

Handschlag
Bildrechte: Colourbox.de

Jemandem Hallo sagen – so schwer kann das ja nicht sein. Meint man. Manchmal kann eine Begrüßung aber auch richtig peinlich werden. Soll man jetzt die Hand geben, ist mein Gegenüber ein Umarmer, kommt das erste Küsschen auf die linke oder die rechte Wange – und überhaupt, gebe ich jetzt zuerst der Dame oder dem Ältesten die Hand? Leichtes Nicken ohne Berührung, schüchternes Winken, ausgeklügeltes Fäuste aufeinander prallen lassen und Fingerhakeln. Ist doch gar nicht so leicht, jemanden zu begrüßen.

Ich komme in Frieden

Herzogin Kate begrüßt einen Maori-Ältesten mit dem traditionellen Hongi. Die beiden haben Stirn und Nase aneinadergelegt, die Augen sind geschlossen.
Bildrechte: imago/i Images

Begrüßungen haben mehrere Funktionen. Zum einen kann man durch die Begrüßung herausfinden, wer einem da gerade gegenüber steht. Kommt er in Frieden oder muss ich mich in Acht nehmen? Beim traditionellen Hongi in Neuseeland zum Beispiel legen die Menschen zuerst ihre Stirn, dann ihre Nasen aufeinander und schütteln einander die Hände. So können sie den Atem ihres Gegenübers spüren und austauschen. Danach folgt meist ein Essen.

Damit ist der Besucher ein Teil der Familie geworden. Zugegeben, das Ritual wird nur noch sehr selten praktiziert, aber man hat doch die Chance sein Gegenüber ganz genau unter die Lupe zunehmen.

Zum anderen sagt eine Begrüßung auch viel darüber aus, welchen gesellschaftlichen Rang eine Person hat. Vor Ranghöheren wird geknickst, sich verbeugt oder gar in die Knie gegangen. Menschen vom gleichen Rang begrüßen sich eher mit Handschlag, Küsschen oder einer Umarmung.

Die Bücherregale sind voll

Begrüßungsrituale sind ein sehr weites Feld, so weit, dass es schon unzählige Bücher über das richtige Verhalten beim Aufeinandertreffen von Menschen gibt. Und weil es weltweit erhebliche Unterschiede gibt, findet man beinahe für jedes Land eine derartigen "Begrüßungs-Knigge".

Nicht nur global gibt es große Unterschiede in der Begrüßung, sondern sogar innerhalb kleinster Gruppen, etwa der eigenen Familie. Das fand Soziologiestudentin Anna-Maria von Oltersdorff-Kalettka von der TU Dresden heraus. Für sie sind Begrüßungen kleine Geschenke, die keineswegs gedankenlos, sondern nach bestimmten Mustern verteilt werden.

Verschiedene Begrüßungstypen

Vier verschiedene Begrüßungstypen konnte sie in ihrer Untersuchung schon ausfindig machen.  Da wäre zum Beispiel der überschwänglich-kreative Typ, der mit ausgefallenen Kosenamen und innigen Liebesbekundungen arbeitet. Mütter, die ihre Babys begrüßen, gehören zu dieser Kategorie. Typ Nummer zwei ist der liebevoll-zugewandte Typ. Paare gehören meist dazu und der Kuss ist ein Ritual, das nicht fehlen darf.

Ja, ohne den Kuss geht eigentlich nichts... Man kann eigentlich davon ausgehen, wenn der Kuss fehlt, dass eine Streitsituation ist oder dass Spannung herrscht.

Dann wäre da noch der "Hi-Typ", der sich herauskristallisiert, wenn die Kinder langsam erwachsen werden, keine Lust mehr auf großes Gekuschel haben und der Gruß der Eltern notgedrungen ebenso wortkarg ausfällt, wie der des Nachwuchses. Zu guter Letzt bleibt da noch der Nichtgrüßer, den wohl jeder in der Familie hat.

Mit ihrer Studie schlägt Anna-Maria von Oltersdorff-Kalettka ein weiteres und ganz neues Kapitel in der Kultursoziologie auf. Begrüßungen sind eben doch nicht nur "Hallo" und "Tschüß", sondern ein hochkompliziertes und sehr sehr weites Feld.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | MDR Sachsen | 11. Januar 2018 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2018, 14:50 Uhr