Neue Ergebnisse der Primatenforschung Warum wir im Alter wählerischer werden

Junge Menschen sind neugierig, wollen alles ausprobieren, ziehen in die Welt. Werden wir Menschen älter, werden wir wählerischer. Aber warum ist das so? Abnehmende Vitalität, sagen Mediziner und Biologen. Und das Bewusstsein, dass das Leben endlich ist. Forscher des Deutschen Primatenzentrums Göttingen wollten das genauer wissen.

Doktorandin Laura Ameling testete das Verhalten bei Berberaffen. Und stellte fest:  Schon bei älteren Jungtieren nimmt das Interesse ab, etwas Neues kennenzulernen, später wird auch das soziale Netzwerk kleiner. „Berberaffenweibchen verlieren im Alter nicht das Interesse am gemeinsamen Miteinander, sie konzentrieren sich jedoch auf eine kleine Gruppe von Partnern“, so Laura Ameling. Das heißt, dass sie aktiv nur noch wenige freundschaftliche Kontakte pflegen. Allerdings behalten sie trotzdem einen guten Überblick über das soziale Gefüge ihrer Gruppe.

Ganz praktisch zeigte sich das bei der Fellpflege, dem sogenannten „Groomen“. Junge Berberaffen groomen kreuz und quer. Ältere Affenweibchen groomen nur noch einen kleinen Freundeskreis. Auch das Interesse für Neues nimmt mit dem Alter ab, so die Tests der Wissenschaftler. Präsentierten sie zum Beispiel neue Objekte, so zeigten nur die Jungtiere Interesse daran. „Darin sind sie alternden Menschen sehr ähnlich, die im hohen Alter wählerischer werden“, so Alexandra Freund, die an der Studie mitarbeitete.

Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler lautet daher: „Das Verhalten von Menschen im Alter ist tiefer in der Evolution verankert als bisher angenommen und nicht ausschließlich vom Bewusstsein abhängig, eine begrenzte Lebenszeit zu haben“, sagt Julia Fischer, die Leiterin der Studie.

Für ihre Studie haben die Wissenschftler 118 Berberaffen im Alter zwischen vier und 29 Jahren im Affenpark „La Forêt des Singes“ in Rocamadour, Frankreich, beobachtet und verschiedene Verhaltensexperimente durchgeführt.

Zuletzt aktualisiert: 14. Juli 2017, 13:03 Uhr