Erste weltweite Studie Bewegungsmuffel kosten 60 Milliarden Euro pro Jahr

Wissenschaftler haben erstmal weltweit Daten ausgewertet, die den Zusammenhang zwischen fehlender körperlicher Aktivität und Kosten für Wirtschaft und Gesundheitssysteme belegen. Ergebnis: 60 Milliarden Euro gehen jedes Jahr drauf. Kein Sport zu treiben, so schwedische Mediziner, könnte Rauchen als Todesursache Nummer 1 ablösen.

Die Wissenschaftler werteten für ihre heute in der Medizin-Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichte Studie Daten aus 142 Ländern aus, deren Einwohner 93 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren. Allerdings könnten die Gesamtkosten noch höher liegen, da die Forscher lediglich die fünf wichtigsten Krankheiten in den Blick nahmen, die mit mangelnder körperlicher Aktivität in Verbindung gebracht werden: koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes sowie Brust- und Darmkrebs. Fehlende Bewegung werde mit fünf Millionen Todesfällen pro Jahr in Verbindung gebracht, heißt es in der Studie.

Todesursache Nr. 1

Das bestätigt eine ebenfalls gerade veröffentlichte Studie schwedischer Mediziner. Sie haben Bewegungsmangel als frühe Todesursache ausgemacht, noch vor Bluthochdruck oder zu hohen Cholesterinwerten. Dazu untersuchten sie bereits seit 1967 rund 800 Schweden, die 1913 geboren wurden. Alle mussten regelmäßig Ausdauertests machen und bis an ihre Leistungsgrenzen gehen. "Wir fanden heraus, dass Bewegungsmangel mit einer erhöhten Todesrate verbunden war“, so  Dr. Per Ladenvall von der Universität Göteborg. Nur Rauchen, so der Wissenschaftler, sei noch tödlicher. Und das würde weltweit zurückgehen. Bewegungsmangel könnte so Todesursache Nummer eins werden.

Bereits sieben Millionen Deutsche müssen derzeit wegen Adipositas (Fettleibigkeit) behandelt werden. Diese Zahl veröffentlichte gestern die Barmer Ersatzkasse. Zeit, etwas dagegen zu unternehmen. Eine Stunde Bewegung am Tag hebt die negativen Wirkungen von acht Stunden Büro auf, so Wissenschaftler der Cambridge University in ihrem Beitrag der ebenfalls in der Medizin-Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurde. Sportliche Höchstleistungen müssen dafür nicht vollbracht werden: Es sei schon ausreichend, zügig zu gehen oder Fahrrad zu fahren. Das sei allerdings dringend nötig, so die Wissenschaftler, denn bei den Untersuchungen hatten sie Probanden, die sich nur noch fünf Minuten am Tag bewegten.

Kita-Sport in Sachsen

Ein aktuelles Beispiel aus Sachsen zeigt, dass man schon bei den Jüngsten ansetzen kann. Der Kreissportbund Sächsische Schweiz-Osterzgebirge startet im September das Projekt „Die Kleinen stark machen“. Im Interview mit den „DNN“ begründete Regionalkoordinatorin Cindy Philipp das so: „Von Jahr zu Jahr nimmt der Bewegungsmangel zu, die Leistungsfähigkeit dagegen immer mehr ab. Dies fällt bei den Schuleingangsuntersuchungen auf. Für Vorschulkinder im Alter von fünf und sechs Jahren ist diese Untersuchung obligatorisch. An den Ergebnissen müssen wir leider feststellen, dass die motorischen Fähigkeiten immer mehr nachlassen. So fällt es den Kindern beispielsweise schwer, auf einem Bein zu stehen, einen Hampelmann oder eine Rolle vorwärts zu machen.“ Die Kitas sollen deshalb ab Herbst Unterstützung durch qualifizierte Bewegungstrainer bekommen.