Beziehungs-Studie Happy wife – happy life? Männer sind sensibler als Klischees behaupten

Ist die Frau zufrieden, hat die Beziehung eine Zukunft, so die landläufige Meinung. Studien aus den 1980er-Jahren prägten das Bild, Frauen seien empfindsamer für Beziehungsthemen und damit das "Beziehungsbarometer“ bei gemischtgeschlechtlichen Paaren. Doch ein internationales Team aus Psychologen, unter anderem der Friedrich-Schiller-Universität Jena, räumt jetzt mit diesem Vorurteil auf: Männer haben offenbar eine feineres Gespür dafür, wie gut es wirklich läuft, als bislang vermutet.

Künstlerische Darstellung von Verbindungen zwischen Mann und Frau
Sind Frauen wirklich sensibler in Sachen Beziehung? Bildrechte: IMAGO / Ikon Images

Bestätigt sehen das die Wissenschaftler durch eine große Datenmenge aus zwei Langzeitstudien, die sie zur Zufriedenheit und Dauer gemischgeschlechtlicher Beziehungen ausgewertet hatten: 29.541 Tagebuchberichte von 901 Paaren aus den USA und Kanada, sowie 21.115 Beziehungszufriedenheitsberichte von 3.400 Paaren aus dem Deutschen Familienpanel pairfam, die sie über fünf Jahre hinweg regelmäßig eingereicht hatten. Das Ergebnis: Je zufriedener die Partner, desto zukunftsfähiger die Beziehung, und zwar bei Männern und Frauen gleichermaßen. 

Wichtiges Ergebnis für Paartherapien der Zukunft

Prof. Dr. Franz J. Neyer von der Universität Jena, der an der Untersuchung mitgewirkt hat, freut sich, mitgeholfen zu haben, ein Klischee zu widerlegen. Man nehme zwar gemeinhin an, dass Frauen Beziehungswesen und in dieser Hinsicht Expertinnen seien. Deshalb schriebe man ihnen auch die Fähigkeit zu, Vorhersagen für die eigene Partnerschaft zu treffen. Die aktuellen Studienergebnisse zeigten aber, dass sie nicht die einzigen sind, die das können, sondern dass Männer dazu ebenso in der Lage sind, so Neyer. Wichtige Ergebnisse für therapeutische Ansätze, wenn Menschen sich Hilfe für Probleme in Beziehungen suchen.

Langzeiterhebung startete 2008

Franz J. Neyer und seine Kollegen werden die Liebe und das Leben miteinander auch in Zukunft weiter erforschen. Dazu können sie aus einem großen Datenschatz schöpfen: Aus der Langzeituntersuchung "pairfam". Von 2008 an wurden dafür 14 Jahre lang jährlich 12.000 Personen, deren Partnerinnen und Partner sowie deren Eltern und Kinder befragt. Erstmals wurde damit auch das familiäre Umfeld beleuchtet und damit die Beziehungen zwischen den Generationen. Neyer selbst hatte die Erforschung der Paarbeziehung innerhalb des Projekts acht Jahre lang koordiniert.

"Mit den Erhebungen der zurückliegenden Jahre hinterlassen wir einen großen Datenschatz, der für Langzeitanalysen erst jetzt richtig nutzbar wird." Dafür wird es ein neues Format geben: das familiendemografische Panel FreDA. Es widmet sich den Themen Beziehungen und Familienleben in Deutschland und wird am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung angesiedelt sein.

Links/Studien

Die Studie lesen Sie hier im Original.

krm

2 Kommentare

MDR-Team vor 10 Wochen

Okay, aus Ihrem Verständnis heraus.
Jedoch sind Lebensmodelle von Paaren sehr unterschiedlich. So kann ein Paar aus Mann - Mann, Mann - Frau, Frau - Frau, Mann - Divers, Frau - Divers, Divers - Divers usw. bestehen. Liebe Grüße

Atheist vor 10 Wochen

Bitte was sind
„ gemischtgeschlechtlichen Paare“?
Ein Paar besteht nach meinen Verständnis aus EINER Frau und einem Mann oder?