Weltbienentag Die Honigbiene ist nicht gefährdet, aber ihre wilden Verwandten

Kaum ein Tier wird mit dem Artensterben so gleichgesetzt wie die Biene. Zu ihrem Schutz riefen die Vereinten Nationen 2018 das erste Mal den Weltbienentag aus. Der ist immer am 20. Mai. Ein Tag also, um den Blick auf die gefährdete Biene zu lenken. Wer sofort an die fleißige Honigbiene denkt, liegt übrigens falsch. Die ist überhaupt nicht vom Aussterben bedroht, ganz im Gegenteil.

Imkern liegt im Trend: An der Hochschule Anhalt in Bernburg dürfen sogar Studierende ran. Margot Dasbach betreut ein Team, das sich um die insgesamt 20 Bienenvölker der Hochschule Anhalt in Bernburg kümmert. Die Nachfrage dafür war überraschend groß, sagt Insektenforscher Josef Settele vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Halle:

Ich hatte eigentlich die Idee, nur ganz klein hier mal zwei Bienenvölker hinzustellen, dass die Studenten mal sehen, dass Bienen fliegen und so, aber es ist ein bisschen größer geworden.

Prof. Dr. Josef Settele, Insektenforscher, UFZ
Mann mit kürzeren grauen Haaren, grauem Schnauzbart, Brille, karietem Hemd und Weste blockt neutral-freundlich in die Kamera, dunkler unscharfer Hintergrund.
Die Honigbiene ist nicht bedroht, sagt der Insektenforscher Prof. Dr. Josef Settele. Bildrechte: Sebastian Wiedling/UFZ

Nicht nur an der Hochschule, insgesamt nimmt die Anzahl der Imker seit rund zehn Jahren zu. Der Deutsche Imkerbund gibt an, dass sich heute rund 160.000 Imkerinnen und Imker in Deutschland um Honigbienen kümmern. Damit geht's der Honigbiene ziemlich gut, sagt Insektenforscher Settele:

Die Honigbiene ist nicht bedroht. Die hat in den letzten 50 Jahren sehr positive Trends gehabt, global hat die Anzahl der Bienenvölker stark zugenommen.

Josef Settele
Gemeine Honigbiene (Apis mellifera mellifera), auf Rainfarn
Eine Honigbiene bei der Arbeit Bildrechte: imago images/blickwinkel

Die Honigbiene hat sich zu einer Art Superstar der Insekten gemausert: Schließlich versorgt sie uns mit Honig und den essen gerade Deutsche besonders gerne, über ein Kilogramm pro Kopf und Jahr. Was wir dabei gerne vergessen: Honigbienen gibt es vereinzelt zwar auch in wilder Form, primär ist die Biene aber ein Nutztier, nach Schwein und Rind das drittwichtigste.

Die wurden vom Menschen nach und nach in die Richtung gezüchtet, wo es für die Menschen die besten Resultate gibt. Zum einen, dass sie wenig krank und damit leichter zu halten sind. Züchtungen, wie wir sie auch bei Pflanzen kennen.

Josef Settele

Aber es gibt auch solche, die besonders guten Honig liefern, sagt der Insektenforscher weiter, insofern habe der Mensch die Bienenzucht schon sehr stark modifiziert. Wohlgemerkt: Hier geht es um die Honigbiene.

Deutschland hat 570 Wildbienenarten

Biene ist aber nicht gleich Honigbiene. In Deutschland gibt etwa 570 Wildbienenarten. Hummeln gehören dazu. Manche sehen auch den Honigbienen ähnlich, andere sehen eher aus wie Fliegen. Diese Wildbienenarten sind durchaus gefährdet, die Gründe dafür sind vielfältig: Fehlender Lebensraum, wenige Blüten, Pestizide. Gibt es mancherorts zu wenig Nektar und Blüten, können Honigbiene und Wildbiene sogar in Konkurrenz treten, sagt Settele:

Wenn eine große Menge von Honigbienen durch die Imkerei reinkommt, gefährdet das die lokale Wildbienenfauna.

Josef Settele

Wie jetzt? Die Honigbiene als Übeltäterin, die die Wildbiene verdrängt? Josef Settele und sein Kollege, Bienenforscher Robert Paxton von der Uni Halle, plädieren dafür, Bienen nicht gegeneinander auszuspielen. Nicht die Biene sei das Problem, sondern die fehlenden Ressourcen, sagt Paxton im Gespräch mit MDR WISSEN:

Ein Mann steht in einem Treppenaufgang
Die Probleme in der Imkerei sind hausgemacht, wenn zu viele Honigbienen am selben Standort sind, meint Prof. Robert Paxton. Bildrechte: Uni Halle / Michael Deutsch

Ein weltweites Problem in der Imkerei ist, dass Honigbienen oft in zu hoher Dichte an einem Standort vorhanden sind. Das führt zur Ausbreitung von Krankheitserregern. Das ist unvernünftig und nicht die gute Praxis für die Imkerei.

Prof. Dr. Robert Paxton, Bienenforscher, MLU

Alle Bienen-Arten brauchen Schutz

Vielmehr sollte man alle Bienen schützen. Für die Bestäubung brauchen wir sie schließlich alle. Das feine Zusammenspiel der Bienen hat Paxton jüngst in einer Studie aufgezeigt. Wenn neben einer Apfelplantage zeitgleich der Raps blühte, waren viele Honigbienen auf und davon im nektarreichen Raps. Die Apfelernte aber brach dennoch nicht ein. Warum? Weil die Wildbienen vor Ort blieben und die Arbeit der fehlenden Honigbienen übernahmen. Wir brauchen also Wildbienen, aber definitiv auch die Honigbienen.

Galerie Biene ist nicht gleich Biene

Die Honigbiene kennt vermutlich jeder. Aber wer hat schon einmal von der Blaugrünen Keulhornbiene gehört? Hier ein paar ausgefallene Bienenarten.

Eine Biene mit weißen Streifen sitzt in einer gelben Blüte
Weißfleckige Trauerbiene Die weißfleckige Trauerbiene erkennt man gut an ihrer grauen und schwarzen Behaarung. Sie nistet gern an Lehm- und Lösswänden in Sandgruben und Hohlwegen. Die Larven leben als Parasiten von anderen Pelzbienen. Bildrechte: IMAGO
Eine Biene mit weißen Streifen sitzt in einer gelben Blüte
Weißfleckige Trauerbiene Die weißfleckige Trauerbiene erkennt man gut an ihrer grauen und schwarzen Behaarung. Sie nistet gern an Lehm- und Lösswänden in Sandgruben und Hohlwegen. Die Larven leben als Parasiten von anderen Pelzbienen. Bildrechte: IMAGO
Braunbürstige Hosenbiene
Die braunbürstige Hosenbiene macht ihrem Namen alle Ehre mit ihren langen, braun gefärbten Haaren an den Hinterbeinen. Der helle Pollen färbt ihre "Hosen" auffallend weiß. Bildrechte: Hannes Petrischak
Raufüssige Hosenbiene
Die raufüßige Hosenbiene ist nur zwölf Millimeter groß. Im Sommer findet man sie am Wegesrand in den Blüten der Wegwarte oder anderen Korbblütengewächsen. Ihre Nester legt die Hosenbiene unterirdisch im Sandboden an. Sie braucht wie viele andere Bienenarten möglichst offenen Sand. Bildrechte: imago/blickwinkel
Eine zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene sitzt auf einem Schneckengehäuuse
Die zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene fliegt auf leere Schneckenhäuser, die beispielsweise auf kalkreichen Magerrasen liegen, aber auch in naturnahen Gärten. Pollen und Nektar sammeln die auffällig rotbraun behaarten Weibchen an verschiedenen Pflanzen. Im Schneckenhaus legen sie dann eine oder mehrere Kammern an, die sie mit einem Nahrungsvorrat für ihre Larven versehen. Dann legen sie ein Ei dazu. Als Schutz vor Wind und Wetter wird noch etwas renoviert und eine Wand aus zerkauten Blättern eingezogen. Bildrechte: imago/blickwinkel
Blutbiene
Blutbiene Im Volksmund heißt die Blutbiene auch "Auen-Buckelbiene". Man erkennt sie leicht an ihrem rötlichen Hinterteil. Bildrechte: IMAGO
Weibchen der Filzbiene auf einem Stein sitzend
Filzbiene Eine kleine, schwarze Bienenart, die sich zum Schlafen mit ihren Oberkiefern an Pflanzenteilen festbeißt und dann wie tot senkrecht oder waagerecht herunterhängt. Bildrechte: IMAGO
Eine Biene greift eine kleineres Insekt an
Hahnenfuß-Scherenbiene Hier überrascht eine Hahnenfuß-Scherenbiene eine Gemeine Keulenwespe in deren Nest. Bildrechte: imago/McPHOTO
Keulhornbiene auf einer Blüte
Die Keulhornbiene nistet in markhaltigen Pflanzenstengeln und überwintert darin auch. Wir finden sie in den Stengeln von Disteln, Brombeeeren, Glockenblumen oder Holunder. Wer ihr helfen will, bindet markhaltige Pflanzenstengel senkrecht oder schräg an einen Zaun und bricht die Spitzen ab. Dann kann sich die Keulhornbiene ins Mark nagen. Bildrechte: imago/blickwinkel
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Eine Biene greift eine kleineres Insekt an
Hahnenfuß-Scherenbiene Hier überrascht eine Hahnenfuß-Scherenbiene eine Gemeine Keulenwespe in deren Nest. Bildrechte: imago/McPHOTO

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gernelernen Bienen 65 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: 20. Mai 2021 | 06:41 Uhr

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