Langzeitstudie Bienen trommeln auch nachts

Man muss schon sehr genau hinhören, um das Trommeln im Bienenstock herauszuhören: Es klingt wie das kurze Rattern einer Nähmaschine, was Wissenschaftler der Universität Nottingham hier aufgenommen haben.

Dass es so leise ist, liegt an der extrem niedrigen Wellen-Frequenz des Bienen-Trommelns, das Wissenschaftler als dorso-ventrale abdominale Vibration bezeichnen. Bislang glaubte man, dass Bienen, indem sie auf den unteren Rückenteil einer Artgenossin trommeln, diesen zur Futtersuche oder anderen Aktivitäten antreiben würden. Ein britisches Forschungsteam hat genau das jetzt in einer Studie, die das Magazin "Nature" jetzt veröffentlicht hat, mit Langzeit-Einblick in mehrere Bienenbeuten wiederlegt:

Blick in Bienenbeute 1 min
Bildrechte: Nottingham Trent University, School of Science and Technology, Clifton

Wissenschaftler der Nottingham Trent University hatten dazu in drei "Bienenstuben" in Großbritannien und Frankreich Technik eingebaut, um über einen längeren Zeitraum das Trommel-Signal der Honigbienen aufzuzeichnen und auszuwerten. In der Auswertung von Video und Audiomaterial zeigte sich, dass die Bienen nicht wie bisher angenommen nur tagsüber Trommelsignale abgeben, sondern auch zu anderen Tageszeiten, vor allem auch nachts, und immer in verschiedener Stärke und Dauer. Auch Wetterlage und Temperatur wirkten sich demnach auf die Trommel-Kommunikation aus. Die Forscher gehen nun davon aus, dass die Bienen über die Klopfsignale auf dem Rücken ihrer Artgenossen viele verschiedene Informationen weitergeben.

Die bisherige Deutung des Bienenverhaltens – Trommeln als Aufforderung Futter zu suchen - resultiert offenbar daraus, dass man das Verhalten der Bienen bislang nur beim direkten Blick in die Bienenstube beobachtet hatte, und zwar tagsüber, indem man sie öffnete und so auch das Bienenvolk zeitweilig aufstörte.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 14. Oktober 2018 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2018, 17:13 Uhr