Ausgrabungen in Israel Leipziger Forscher entdecken geheimnisvolle Augen

Zwei Augen aus Bronze, mindestens 2.700 Jahre alt. Für die Forscher der Uni Leipzig ist der Fund an der israelischen Mittelmeerküste südlich von Tel Aviv eine Sensation. Die Augen gehören zu einer menschengroßen Statue.

Augenumrisse aus Bronze mit Muscheleinlagen
Bildrechte: Prof. Dr. Angelika Berlejung/Universität Leipzig

Diese beiden Augen aus Bronze gehören zu einer lebensgroßen Statue. Da sind sich die Forscher um die Theologin Prof. Angelika Berlejung von der Universität Leipzig und Prof. Alexander Fantalkin von der Tel Aviv University sicher. Und so etwas wurde noch nicht in Palästina ausgegraben – bis jetzt.

Die Augen waren jedoch nicht die einzigen Funde in der Ausgrabungsstätte Aschdod-yam an der israelischen Mittelmeerküste. Entdeckt wurden auch Goldfragmente, Plättchen von Fayence und hochwertige Keramikware aus der Eisenzeit (8. bis 7. Jahrhundert v. Chr.). Alles zusammen für Berlejung eine Sensation - und Hinweise darauf, dass hier nicht Bauern oder Fischer wohnten.

Luxusgüter dieser Art lassen darauf schließen, dass wir da an einem Ort gegraben haben, der von der gut situierten Elite der Siedlung bewohnt war - etwa ein Tempel oder ein Palast.

Prof. Angelika Berlejung, Theologin
Menschen reichen, in einer Reihe stehend, mit Sand gefüllte Eimer weiter.
Handarbeit: Das internationale Team bei den Ausgrabungen in Aschdod-yam. Bildrechte: Prof. Dr. Angelika Berlejung/Universität Leipzig

Studenten und Professoren, Theologen, Ägyptologen, Orientalisten und Archäologen graben seit 2013 in der israelischen Stadt Aschdod rund 30 Kilometer südlich von Tel Aviv.

Die Ausgrabungen gehören zum Studienangebot der Universität Leipzig. Eigentlich sollen die Studenten hier vor allem ganz praktisch lernen, wie Archäologie wirklich funktioniert und wie es ist, in internationalen Teams zu arbeiten, sich über Sprach- und Ländergrenzen zu verständigen und Vorurteile abzubauen. Umso spannender ist das aber natürlich, wenn dabei auch echte Entdeckungen gemacht werden. Vor dem Fund der Augen hatten die Forscher dort zum Beispiel schon die Überreste einer byzantinischen Kirche ausgegraben.

Hat Pharao Psammetich I. die Stadt zerstört?

Theologin Berlejung glaubt sogar, dass die jetzigen Grabungsfunde in Israel eine gemeinsame Geschichte mit den Grabungen in Ägypten haben, die ihr Leipziger Uni-Kollege Dr. Dietrich Raue leitet. Raue hat vor kurzem in Kairo die Statue des Pharaos Psammetich I. ausgegraben, der ebenfalls im 7. Jahrhundert vor Christus lebte. Berlejung vermutet aufgrund verschiedener Hinweise aus den Ausgrabungen, dass der ägyptische Pharao die Stadt Aschdod-yam vernichtet hat, an der sie jetzt in Israel forscht. Diese Spur will sie in den kommenden Jahren weiterverfolgen. Bis zum Jahr 2023 sind drei weitere Ausgrabungen geplant. Berlejung hofft dabei weitere Teile der menschengroßen Figur zu finden, zu der die geheimnisvollen Bronzeaugen gehören.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR: im Radio | 28.10.2017 | 15:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2017, 17:07 Uhr