Virtual Reality Brillen auf der "Mobile World Congress 2016" in Barcelona
Bildrechte: IMAGO

Forscher kombinieren Ultraschall und MRT "Baby-TV“ für werdende Eltern

Ultraschallbilder vom werdenden Kind - das kennen Eltern. Krisselig, schwarz-weiß, zweidimensional. Die Zukunft soll ganz anders werden: Virtuell. Mit der entsprechenden Brille sollen Eltern dann dem Kind in 3-D beim Wachsen zusehen können. Das planen brasilianische Ärzte.

Virtual Reality Brillen auf der "Mobile World Congress 2016" in Barcelona
Bildrechte: IMAGO

Die neue Technik kombiniert die bekannten Ultraschallbilder mit Aufnahmen aus Magnetresonanztomografen, den MRT. Mittels einer VR-Brille sollen die daraus entstehenden 3-D-Modelle sichtbar werden – so als läge das Baby direkt vor den Eltern. Brasilianische Ärzte wollen das Verfahren demnächst auf dem Jahrestreffen der Amerikanischen Radiologie-Gesellschaft in Chicago vorstellen.

Das 3D-Fötusmodell kombiniert mit VR-Technologien kann unser Verständnis von den anatomischen Eigenarten des Fötus verbessern, für Lehrzwecke und auch von werdenden Eltern genutzt werden.

Heron Werner, Klinik für diagnostische Bildgebung in Rio de Janeiro

Und so soll das Verfahren funktionieren: Aus den im MRT ermittelten Schichtaufnahmen wird ein virtueller Körper aufgebaut, in dessen Profil die Ultraschall-Daten einfließen. Mit einer VR-Brille können Mediziner das Baby-Modell dann im Detail betrachten. Vor allem die Lungenentwicklung könne so gut beurteilt werden, hieß es.

Das Verfahren bietet Bilder, die schärfer und klarer sind als Ultraschall- und MRT-Bilder auf traditionellen Displays.

Heron Werner, Rio de Janeiro

Deutsche Mediziner sind dagegen skeptisch. Prof. Eberhard Merz, Vorsitzender der Fetal Medicine Foundation Deutschland und Leiter eines der größten Ultraschallzentren, schätzt, dass das Verfahren kaum Mehrwert bietet. "Die Fälle, in denen zusätzliche MRT-Daten hilfreich sind, etwa um bestimmte Migrationsstörungen im Gehirn zu untersuchen, liegen im Promille-Bereich“, sagt er. Eine solche Untersuchung sei mit 1.000 Euro zudem etwa vier- bis fünf Mal so teuer wie ein Ultraschall.

Hinzu komme: Ein MRT in der Röhre bedeutet Stress für Mutter und Kind. Vor den sehr lauten Geräuschen sei das Ungeborene kaum zu schützen, sagt Merz. Zudem bewege sich ein Baby häufig, was MRT-Aufnahmen erschwere. Während niedergelassene Gynäkologen meist 3D-Schall nutzen, sind an Ultraschallzentren in Deutschland mittlerweile auch sogenannte 4D-Verfahren verbreitet - ein 3D-Schall als Film. Noch bessere Einblicke bietet laut Merz eine Methode, bei dem drei bewegliche Geräte das Kind gleichzeitig aufnehmen.

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2017, 11:13 Uhr