Entwicklung der TU Dresden Betten aus Pappe für humanitäre Missionen

Werden Menschen durch Katastrophen obdachlos, müssen sie in Lagern untergebracht werden. Die dort üblichen Feldbetten bleiben später meist als Müll zurück. Ein Dresdner Ingenieur hat eine nachhaltige Lösung.

Pappbett
So sollen die Notbetten aus Pappe aussehen. Bildrechte: Sven Gille/TUD

Auf der Liste des Dresdner Ingenieurs Sven Grasselt-Gille standen eine Menge Anforderungen: Ein Bett, das so kompakt und klein wie möglich in Katastrophengebiete verschickt werden kann. Es sollte leicht, kostengünstig und nachhaltig sein, aus nachwachsenden Rohstoffen. Und ganz wichtig: Kein Müllhaufen soll zurückbleiben in den Katastrophengebieten.

Das sei momentan schließlich noch ein großes Problem, sagt der Entwickler. "Sobald Menschen irgendwo wegmüssen und man sie woanders hinbringt, gibt man ihnen zuerst ein Bett. Der Müll, der da durchaus entstehen kann, ist gewaltig." Die Lösung: Ein Bett aus Wellpappe. Es kostet um die 40 Euro, ist leicht und am Ende des Einsatzes kann es entweder recycelt oder verbrannt werden. Das ist besonders in Seuchengebieten praktisch und für die humanitäre Hilfe deutlich kostengünstiger, als Betten wieder zurückzufliegen.

Ein Bett aus Pappe zum selbst Aufbauen

Sven Gille
Der Dresdner Ingenieur Sven Grasselt-Gille hat die Betten aus Pappe konstruiert. Bildrechte: TU Dresden

Für das Bett aus Pappe haben die Dresdner das Rad nicht neu erfunden. Möbel aus Pappe gibt es bereits seit Jahrzehnten. Die aus Dresden sind aber besonders, erklärt Grasselt-Gille, der am Institut für Naturstofftechnik arbeitet. "Das Besondere bei unserem Feldmobiliar ist, dass wir uns nicht davor scheuen, in feuchte Gebiete zu gehen. Grundsätzlich ist das mit Pappe erstmal keine gute Idee. Bei uns sind die Füße aber dafür gemacht, im Nassen zu stehen. Dadurch wird es möglich, Pappmobiliar in feuchten Zelten aufzustellen."

Und aufstellen kann es dann jeder. Man braucht keinen Ingenieur, nicht mal Schrauben oder Kleber. Alles geht über Stecken und Falten. Und auch das sei nicht allzu kompliziert. "Das ist kein Origami. Die Betroffenen sollen in der Lage sein, die selbst aufzubauen. Man gibt ihnen die Pakete in die Hand, da ist eine Anleitung mit drauf gedruckt. Und dann haben die da den Dreh auch raus, wie sie das selber aufstellen können."

Nächster Schritt: OP-Tisch aus Pappe

Heraus kommt ein Einwegstellbett. Nichts Schickes. Nichts, das ewig hält. Und übermäßig bequem ist es auch nicht, aber es reicht: "Wir haben da einen Begriff eingeführt, der nennt sich 'schädigungsfrei'. Es ist ohne Probleme möglich, darauf zu liegen und es ist auch meiner persönlichen Meinung nach bequemer, als auf den gewöhnlichen Campingbetten. Aber es ist keine 5-Sterne-Hotel-Matraze."

Dieses Jahr noch sollen die Betten auf den Markt kommen. Sven Grasselt-Gille hat sich schon neuen Projekten zugewandt: Stühle und Tische aus Pappe, sogar über einen OP-Tisch denkt er nach. Wer jetzt mit den Betten liebäugelt als nachhaltige Festival-Variante: Davon rät der Ingenieur Sven Grasselt-Gille ab. Nachhaltiger als das Pappbett sei es, sich vernünftige Ausrüstung zu kaufen und die viele Jahre zu benutzen.

(kd)

3 Kommentare

MDR-Team vor 4 Wochen

Hallo Zeitgeist,
haben Sie den Artikel überhaupt gelesen?
Darin steht u.a.: "Für das Bett aus Pappe haben die Dresdner das Rad nicht neu erfunden. Möbel aus Pappe gibt es bereits seit Jahrzehnten. Die aus Dresden sind aber besonders, erklärt Grasselt-Gille, der am Institut für Naturstofftechnik arbeitet. "Das Besondere bei unserem Feldmobiliar ist, dass wir uns nicht davor scheuen, in feuchte Gebiete zu gehen. Grundsätzlich ist das mit Pappe erstmal keine gute Idee. Bei uns sind die Füße aber dafür gemacht, im Nassen zu stehen. Dadurch wird es möglich, Pappmobiliar in feuchten Zelten aufzustellen."

Und aufstellen kann es dann jeder. Man braucht keinen Ingenieur, nicht mal Schrauben oder Kleber. Alles geht über Stecken und Falten. "

Freundliche Grüße aus der MDR-Wissen-Redaktion

H.E. vor 4 Wochen

Eine Superidee (ich bin sehr davon angetan), wenn die nicht mehr benötigten Betten, die z.B. in Risikogebiete verschickt wurden, dort dann entweder richtig kompostiert oder recycelt werden in einer Papiermühle, um wieder Kartons und Verpackungsmaterial daraus zu produzieren.
Nur glaube ich nicht, daß dies in diesen Ländern, wo sie benötigt und hingeschickt werden, auch durchgeführt wird. In Ländern wie z.B. Indonesien sind sie doch nicht einmal in der Lage ihre Gullys wie bei uns regelmäßig in der Hauptstadt zu normalen Zeiten zu reinigen, so daß dann das Gejammere groß ist bei stärkerem Regen, daß das Wasser nicht mehr in die Kanalisation ablaufen kann.

Zeitgeist vor 4 Wochen

Keine Neuerfindung, Papp - Möbel gab es schon zu DDR - Zeiten mit 5-fach Wellpappe und anders !