Absolventen der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn feiern 2010 auf dem Campus in Talare gekleidet ihren Abschluss.
Kaum den Abschluss in der Tasche wandern viele Akademiker aus den ost- und mitteldeutschen Bundesländern ab. In Deutschland haben insgesamt aber nur vier Länder einen positiven Saldo bei der Binnenmigration von Hochschul-Absolventen. Bildrechte: dpa

"Braindrain" Ostdeutsche Länder verlieren besonders viele Hochschul-Absolventen

Mitteldeutschland ist bei Studierenden beliebt. Haben sie einmal ihren Abschluss, wollen sie Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aber oft wieder verlassen. In Sachsen-Anhalt ist der "Braindrain" besonders hoch.

Absolventen der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn feiern 2010 auf dem Campus in Talare gekleidet ihren Abschluss.
Kaum den Abschluss in der Tasche wandern viele Akademiker aus den ost- und mitteldeutschen Bundesländern ab. In Deutschland haben insgesamt aber nur vier Länder einen positiven Saldo bei der Binnenmigration von Hochschul-Absolventen. Bildrechte: dpa

Viele Studienabgänger verlassen die neuen Bundesländer, um ihre Karriere anderswo zu beginnen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Personalvermittlers Studitemps und der Universität Maastricht, die zusammen die Inlandsmigration von Studierenden untersucht haben. In Befragungen wurde seit 2012 erhoben, ob Studierende und Absolventen die Absicht haben, den Studienort nach dem Abschluss zu verlassen.

Sachsen-Anhalt bildet für andere aus

Sachsen-Anhalt ist demnach mit einem Migrationssaldo von minus 64 Prozent das Schlusslicht in Deutschland. Das bedeutet, dass etwa zwei Drittel der Studienabgänger das Bundesland nach ihrem Abschluss verlassen. Die Autoren der Studie haben errechnet, dass Sachsen-Anhalt so jährlich etwa 300 Millionen Euro in Bildung investiert, die anderen Bundesländern zugutekommt.

Zur Methode Grundlage der Analyse bilden Befragungen, die im Rahmen der Studie "Fachkraft 2030" seit 2012 durchgeführt wurden: Befragt wurden dabei jeweils zwischen 18.000 und 21.000 Studierende, Exmatrikulierte und Schüler aus ganz Deutschland zu ihren Plänen bzw. tatsächlichen Umzügen.

Zweit- und Drittletzter der Rangliste sind Brandenburg (minus 57,1 Prozent) und Thüringen (minus 49 Prozent). Auch in Sachsen ist der Saldo negativ. Dort verlässt fast jeder vierte Studienabgänger (minus 23,7 Prozent) den Freistaat. Wie die Studie auch zeigt, haben sich diese Werte seit 2013 kaum verändert.

Hamburg profitiert

Nur vier Bundesländer weisen der Studie zufolge einen positiven Wanderungssaldo auf. In Hamburg fällt er mit fast 160 Prozent am höchsten aus. Dort wandern also pro 100 "einheimische" Studienabgänger noch einmal 160 aus anderen Bundesländern zu. Berlin (plus 78,4 Prozent), Bayern (plus 10,3 Prozent) und Baden-Württemberg (plus 7,2 Prozent) sind die anderen drei Länder mit positiven Salden.

Studienanfänger wandern zu

Fast spiegelverkehrt sieht die Entwicklung bei der Wanderung von Studienanfängern aus. Junge Schulabgänger ziehen der Studie zufolge zum Studieren besonders gern nach Sachsen und Sachsen-Anhalt. Mit Wanderungssalden von 25,4 Prozent und 31,3 Prozent belegen sie Platz zwei und vier. Das bedeutet, dass die Länder etwa ein Viertel mehr Studierende als Schulabgänger haben. In Thüringen (0,0 Prozent) bleibt die Zahl dagegen konstant.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 27. März 2019 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. März 2019, 09:44 Uhr