Wenn Forscher zu Hochstaplern werden Fake Science

Auf der Suche nach der Wahrheit sollen sie diejenigen sein, auf die man sich noch verlassen kann: Wissenschaftler sind ja sozusagen von Berufs wegen zur Wahrheit verpflichtet. Forscher müssen objektiv sein, da wird gemessen und bewiesen. In der Wissenschaft geht es nur um Fakten. Doch auch hier hat es schon schwarze Schafe gegeben, die eben passend gemacht haben, was nicht so ganz passen wollte.

Wissenschaftler mit Mundschutz schaut durch ein Mikroksop
Auch in der Wissenschaft gibt es Hochstapler. Bildrechte: Colourbox.de

Diederik Stapel: 50 Publikationen waren Fälschungen

Seine Studien sorgten für Aufsehen: Egal ob Fachzeitschriften, die Zeit, Spiegel Online oder die New York Times - die Arbeit des Niederländers Diederik Stapel bekam viel Aufmerksamkeit. Der renommierte Sozialpsychologe war Professor, Doktorvater, sogar Dekan. Doch im Jahr 2011 kam heraus: Diederik Stapel war vor allem ein Hochstapler. Zunächst schönte er die Ergebnisse seiner Daten, später dachte er sie sich einfach aus. Mehr als 50 Publikationen waren Fälschungen. Nach seinem Auffliegen erklärte er das in einem Vortrag so:

Ich wurde besessen von Ergebnissen, davon, Antworten zu finden. Das war meine Obsession. Das war mein Ende.

Diederik Stapel

Betrüger werden oft entlarvt

Nachwuchswissenschaftler aus Stapels Team waren dem Betrug auf die Schliche gekommen. Ähnlich ging es dem deutschen Physiker Jan Hendrik Schön. Als Überflieger gefeiert veröffentlichte er alle acht Tage einen Fachartikel und sollte der bis dato jüngste Direktor eines Max-Planck-Instituts werden. Doch der Physiker hatte seine Forschungsergebnisse gefälscht: Er hatte unter anderem identische Messergebnisse zu völlig verschiedenen Experimenten veröffentlicht. Bemerkt haben das im Jahr 2001 einige andere Physiker.

So werden die Betrüger meist entlarvt, meint der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle, Jörg Hacker. Denn den Fachkollegen bemerken die Fehler in den Datensätzen beim Wiederholen der Experimente oft und der Betrug fliegt auf. Es sei in der Regel so, dass Kollegen die entsprechenden Daten nicht nachvollziehen könnten und dass sich dann aus den wissenschaftlichen Communities heraus Kritik auch an einzelne Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen richte, sagt Hacker.

Hoher Publikationsdruck

Doch warum setzen Wissenschaftler mit Fakes ihre Karriere aufs Spiel? Ein Grund, den Betrüger genannt haben, ist der hohe Druck, dem sie ausgesetzt waren. Denn viele Forscher müssen regelmäßig Ergebnisse liefern und publizieren. Wenn nicht, müssen sie um die Finanzierung ihrer Arbeit fürchten. Trotzdem sind es nur sehr wenige, die deshalb zu Fälschern werden, sagt Leopoldina-Präsident Jörg Hacker. Er verweist auf die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die sogar ein eigenes Gremium hat, um Betrugsfälle aufzuarbeiten. Insgesamt gehe es dabei um Einzelfälle.

Natürlich hat Wissenschaft auch immer etwas mit Wettbewerb zu tun. Das wissen die Wissenschaftler, sie müssen sich dem Wettbewerb stellen - national und auch international.

Prof. Dr. Jörg Hacker, Präsident der Leopoldina

Forschungsgelder zur eigenen Bereicherung

Doch es gibt auch andere, viel banalere Gründe für Fakes in der Wissenschaft. So führten auch Geltungssucht und Geldgier schon dazu, dass renommierte Forscher zu Hochstaplern wurden.

So wie im Fall des vermeintlichen Klon-Pioniers aus Südkorea. Die spektakulären Forschungsergebnisse von Hwang Woo Suk aus dem Jahr 2005 waren schlicht Totalfälschungen. Zusätzlich hat er Forschungsgelder veruntreut. Doch auch er ist aufgeflogen und legte seine Professur an der Universität Seoul nieder. Sein Fall kam vor Gericht. Das Urteil: 18 Monate auf Bewährung. Denn am Ende ist so ein Fake eben auch ein Betrug.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Radio | 07.02.2017 | 10:47 Uhr