Medizin für Kinder Grönemeyer fordert Schulfach "Gesundheit"

Altersdiabetes bei Kindern und häufige Rückenschmerzen. Um die Gesundheit deutscher Schüler stand es schon mal besser. Der Mediziner Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer macht sich für einen Gesundheitsunterricht an Schulen stark. Auch "Schulärzte" sollte es wieder geben. Man müsse sich mehr um die Kinder kümmern, denn bei Erwachsenen sei es meistens zu spät. Laut einer Studie besitzt rund die Hälfte der Menschen in Deutschland nur eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz.

Der Mediziner Dietrich Grönemeyer unterstützt die Initiative, Gesundheitsunterricht in deutschen Schulen einzuführen. Der Radiologe, Mikrotherapeut und Gesundheitswissenschaftler, der zugleich Autor zahlreicher Publikationen ist, sagte MDR AKTUELL, durch eine frühzeitige gesundheitliche Aufklärung könne man das Gesundheitssystem finanziell entlasten und Volkskrankheiten eindämmen.

Patienten werden immer jünger

Grönemeyer verwies in dem Zusammenhang darauf, dass Volkskrankheiten heutzutage bei immer jüngeren Patienten entstünden. So trete etwa Diabetes 2, also der eigentliche Altersdiabetes, heutzutage schon bei Kindern auf. Zudem würden 70 Prozent der Kinder zwischen 10 und 17 Jahren bereits über Rückenschmerzen klagen.

Kinder mitnehmen

Kind Mädchen untersucht Teddy mit Stethoskop
Durch Gesundheitsunterricht sollen Kinder mit "Spaß und Freude" mehr über ihren Körper und dessen Gesunderhaltung lernen (Themen-Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Der Mediziner sagte, er kämpfe seit 15 Jahren darum, Gesundheitsunterricht an den Schulen einzuführen. Dabei gehe es darum, die Kinder mitzunehmen, für ihren Körper zu begeistern und sie gleichzeitig in Selbstverantwortung zu bringen. Dies gehe nur, wenn Kinder auch die Ursachen der Krankheiten verstehen und Hilfe zur Selbsthilfe erlernen. Als Beispiel nannte Grönemeyer Rückenschmerzen, die zu 80 Prozent nur Muskelverspannungen vom vielen Sitzen, vom psychischem Stress und mangelnder Bewegung seien. Das müsse man den Kindern vermitteln und zugleich erklären, dass man sich dann viel bewegen muss.

Auch die Einbindung der Eltern über Gesundheitstage oder Sportfeste hält Grönemeyer für wünschenswert. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung habe genug Geld, um solche Aktionen in den Schulen zu integrieren.

"Schularzt" wieder einführen

Grönemeyer plädiert auch dafür, die Institution des "Schularztes" wieder einzuführen. Dass könne ein Arzt, eine Krankenschwester, ein Physiotherapeut, Osteopath oder Sporttherapeut sein, jemand der sich um die Kinder kümmere. Entscheidend sei, dass ein solcher "Schularzt" nicht therapeutisch, sondern präventiv wirke. Mit Spaß und Freude solle er den Kindern beibringen, was Gesundheit ist, wie ihr Körper funktioniert und was sie tun könnten, um sich gesund zu halten.

Und wenn man dann außer dem Schularzt noch Kindersprechstunden einführt und wieder Vorsorgeuntersuchungen macht, da hat man doch ein tolles Grundkonzept. Wir sollten uns mehr um die Kinder kümmern. Denn bei den Erwachsenen ist es meistens zu spät.

Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer

Eingeschränkte Gesundheitskompetenz

Ein Expertenteam hatte am Montag einen "Nationalen Aktionsplan Gesundheitskompetenz" vorgestellt. Angestrebt ist ein größeres individuelles Gesundheitswissen sowie ein nutzerfreundlicheres Gesundheitssystem. Untersuchungen von Wissenschaftlern aus Bielefeld hatten ergeben, dass jeder Zweite in Deutschland eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz hat. Die Fachleute beziffern die Mehrausgaben, die dadurch entstehen, auf bis zu 15 Milliarden Euro im Jahr. Einer Umfrage des Forschungsinstituts YouGov im Auftrag des AOK-Bundesverbands zufolge sieht sich nur etwa jeder Dritte in der Lage, seriöse und unseriöse Gesundheitsinformationen im Internet zu unterscheiden.

Vorsicht beim Umgang mit Antibiotika

Was Gesundheitskompetenz praktisch bedeutet, hatte erst Anfang Februar 2018 im Zusammenhang mit der Nachricht über multiresistente Keime in niedersächsischen Gewässern der Antibiotika-Resistenz-Experte Tim Eckmanns vom Robert Koch-Institut Berlin gegenüber MDR WISSEN erklärt. Er appellierte an jeden Einzelnen, im Umgang mit Antibiotika zurückhaltend und gewissenhaft zu sein. Generell sollte man versuchen, so wenig wie möglich Antibiotika einzunehmen, um nicht Resistenzen bei sich selbst zu züchten. Und wenn Antibiotika eingenommen werden müssen, sollten die Einnahmevorgaben gewissenhaft beachtet werden, sagte Eckmanns dem MDR.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Februar 2018 | 07:48 Uhr