Ein Junge mit Doktorhut vor einer mit mathematischen Formeln beschriebenen Tafel
Mit - dem richtigen - Humor geht auch Schule einfacher. Bildrechte: IMAGO

Probier's mal mit Humor Schulunterricht mit Spaß ist effektiver

Schule kann richtig Spaß machen. Wenn Lehrer ihren Stoff mit Humor vermitteln, können sich Schüler die Inhalte besser und länger merken, haben Forscher herausgefunden. Auch den Humor selbst kann jeder lernen.

von Clemens Haug

Ein Junge mit Doktorhut vor einer mit mathematischen Formeln beschriebenen Tafel
Mit - dem richtigen - Humor geht auch Schule einfacher. Bildrechte: IMAGO

Die Sommerferien in Mitteldeutschland gehen zu Ende, in dieser Woche beginnt für Schüler und Lehrer der sprichwörtliche Ernst des Lebens: Die Schule. Zu ernst sollten es Lehrer dabei allerdings nicht angehen lassen. Eine aktuelle Studie der Universität Augsburg zeigt, wenn Pädagogen ihre Unterrichtsinhalte auf humorvolle Art vermitteln, verstehen Schüler den Stoff besser und können sich länger an das Gelernte erinnern.

Für ihre Forschung haben die Psychologin Sonja Bieg und ihre Kollegen fast 1.000 Schüler befragt. Immer wieder zeigte sich, machten die Lehrer ab und an Scherze, mochten die Schüler sie lieber. Wenn sich der Humor direkt mit dem Unterrichtsstoff verband, dann blieb das Gelernte länger hängen.

Humor heißt Inkongruenz

Humor heißt, in einer Botschaft passt etwas nicht zusammen. Diese Inkongruenz gilt es zu erkennen, zu lösen und das führt dann zur Entspannung und zur Erheiterung. Wenn Lehrer Humor im Unterricht einsetzen, dann stellen sie über diese Inkongruenz eine Interessantheit her, bringen Klarheit in ihre Anweisungen und erzeugen Aufmerksamkeit. Schüler können sich an diese Inhalte besser erinnern, sie erklären und sie besser mit dem, was sie bereits wissen, verknüpfen.

Sonja Bieg, Universität Augsburg

Es gibt allerdings eine wichtige Einschränkung: Macht der Lehrer Witze auf Kosten seiner Schüler, dann verlieren sie rasch die Lust am Unterricht, werden frustriert, gereizt oder seelisch verletzt. Die Forscher sprechen dann von aggressivem Humor. Der ist aus Sicht von Bieg sehr schädlich für den Unterricht.

Humorvoll sein kann man trainieren

Auch für Eva Ullmann ist die Unterscheidung von sozialem und aggressivem Humor zentral. Ullmann ist Humortrainerin, hat in Leipzig das Deutsche Institut für Humor gegründet, und bildet Lehrer darin fort, wie sie ihren Unterricht humorvoller gestalten können. "Sozialer Humor ist liebevoll, wertet jemanden auf, übertreibt ihn vielleicht zu einem Helden oder Ritter", erklärt sie. "Aggressiver Humor macht jemanden schlechter, wertet ihn ab oder nimmt ihn auf die Schippe. Dadurch wird derjenige beschämt." Ein guter Witz auf Kosten von jemand anderem sei nur dann in Ordnung, wenn es sich um einen engen Freund handele oder um eine Vertrauensperson.

Ein Mann mit vier Büchern auf dem Kopf
Humor in der Schule - Lehrer können das lernen. Bildrechte: Colourbox.de

Doch was tun als Lehrer, wenn man partout nicht komisch ist und einem sogar kleinste Scherze schwer fallen? Dass jemand gar keinen Humor habe, passiere selten, sagt Ullmann. Jeder habe seinen eigenen Humorstil.
"Ich gucke, was bringt jemand mit, was kann man verstärken. Humor bedeutet ja nicht nur, einen Witz zu erzählen. Dazu gehören auch Übertreibungen, Anekdoten oder sich selbst auf die Schippe zu nehmen oder eine humorvolle Körpersprache."

Ironie verstehen nicht alle

Wer nun überlegt, wie er seinen Unterricht witziger gestalten kann, darf nicht außer Acht lassen, dass Schüler eine Humorentwicklung durchmachen. "Kinder verstehen Ironie meistens erst ab etwa neun oder zehn Jahren", sagt die Humortrainerin. In der Grundschule können ironische Botschaften daher leicht missverstanden werden.

Allerding brauchen Lehrer in den unteren Jahrgängen meistens sowieso keine besonderen Humormethoden im Unterricht. "Wenn ich Gruppen habe, die mit Grundschülern arbeiten, ist eigentlich klar, da muss man nicht für mehr Humor sorgen, die machen eh genug Quatsch. Da müssen Lehrer eher dafür sorgen, dass die Kinder sich wieder ein bisschen herunter fahren. Grundschullehrer brauchen Humor eher im Umgang mit Eltern oder Kollegen."

Anderer Humor für Chemie und Sport

Zudem funktionieren humorvolle Methoden nicht in allen Unterrichtsfächern gleich. Im Chemie- oder im Matheunterricht helfen schräge Bilder und Vergleiche den Schülern dabei, sich Inhalte besser einzuprägen.

Für den Sportunterricht empfiehlt Ullman dagegen etwas anderes: "Wenn ich möchte, dass sich da alle Schüler beteiligen, dann sollt ich eine große Portion sozialen Humor haben, um den Schülern die Scham zu nehmen. Sportunterricht hat ja oft auch was mit schämen zu tun."

Humor im Unterricht ist nicht alles, darin sind sich die Trainerin Eva Ullmann und die Wissenschaftlerin Sonja Bieg einig. Es brauche auch ernste Arbeitsphasen in den Schulklassen. Aber Humormethoden können Inhalte klarer machen, sagen sowohl die Forscherin, als auch die Praktikerin.

Humor schafft Offenheit

Ullmann ist noch ein weiterer Punkt wichtig: Ein bewusster Umgang mit Humor könne die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern offener gestalten.

Immer da, wo Menschen zusammenkommen, wird auch miteinander gelacht. Wenn Schulleitungen oder Lehrer Humor verbieten, dann machen die Schüler ihre Scherze hinter dem Rücken. Wenn ich es offen habe, und mir bewusst bin, wann kann ich Humor zulassen, wann muss ich Humor verbieten, dann kann ich das oft viel besser managen im Klassenraum.

Eva Ullmann, Humortrainerin

Über dieses Thema berichtet MDR Fernsehen: Lexi-TV | 07.08.2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2017, 18:40 Uhr