Nachwuchswissenschaftler Wie "Jugend forscht“ ihr Leben veränderte

An diesem Wochenende treffen sich in Erlangen die besten Schülerforscher aus allen Bundesländern, beim Finale von "Jugend forscht". Doch vielen Nachwuchserfindern geht es gar nicht um die Auszeichnung. Schon die Projekte selbst können ein Leben für immer verändern.

Monatelang haben sie in Hobbykellern oder sogar professionellen Labors gebrütet, in Experimenten einen veganen Schimmelkäse entwickelt oder sich neue Versuchsmethoden in der Biologie überlegt: Jedes Jahr treten in Deutschland tausende Schüler und Auszubildende im Alter zwischen 15 und 21 Jahren zum Wettbewerb "Jugend forscht" an.

Für den aktuellen Durchgang haben sich mehr als 12.000 Schüler angemeldet, fast jeder zehnte von ihnen kommt aus Mitteldeutschland. Die Sieger werden in drei Stufen ermittelt: Zunächst bei einem Regionalwettbewerb, dann auf Landesebene und zum Schluss beim bundesweiten Finale. Aus Sachsen und Sachsen-Anhalt sind jeweils sieben Projekte beim Bundesfinale an diesem Wochenende dabei, aus Thüringen acht. Die Auszeichnungen werden in insgesamt sieben Kategorien vergeben, von den klassischen Naturwissenschaften bis zu Technik und Arbeitswelt.

Die 17-jährige Elisa Ronneberger aus Leipzig war im vergangenen Jahr zum ersten Mal dabei. Sie wollte wissen, mit welcher Licht- und Nahrungsmenge man am effektivsten Gartenkresse züchten kann.

Ich hab einen Versuchsapparat gebaut, der etwa 20 mal 30 Zentimeter groß war. Es war ein abgeschlossenes System mit Wasser und Lichtversorgung. Da drin war eine Kamera eingebaut, die hat Zeitraffertechnik ermöglicht und so konnte ich dann die Pflanzen wachsen sehen und auswerten.

Elisa Ronneberger, 17, Jugend-forscht-Teilnehmerin

Ergebnis: Gartenkresse wächst am besten, mit einer bestimmten Mischung aus Wasser und Kompost. Bis zum Landesausscheid ist die Schülerin mit ihrer Entwicklung gekommen. Ihr selbst hat vor allem die Arbeit am Automaten Spaß gemacht.

Dass es oft weniger um eine Auszeichnung und viel mehr darum geht, ein Projekt zu verwirklichen, sagt auch der 20-jährige Willi Zschiebsch. Er baute einen Roboter, der wie ein Tausendfüßler über Hindernisse kriechen kann. Dafür erhielt er sogar beim Bundesfinale einen Sonderpreis. Aber das sei nicht das wichtigste gewesen, meint er.

Mein Lehrer in der Schule hat mir das Projekt nicht zugetraut. Er sagte, es sei viel zu weitschweifig. Dann hab ich es aber doch geschafft und gemerkt: Wow, ich habe mehr drauf, als mein Lehrer geglaubt hat. Das hat er hat auch zugegeben und das allein war ein großartiges Gefühl.

Willi Zschiebsch, 20, früherer Jugend-forscht-Teilnehmer

Zschiebsch hat bei Jugend forscht viele Gleichgesinnte kennengelernt. Heute studiert er im vierten Semester Maschinenbau, ist dem Wettbewerb aber verbunden geblieben. Er arbeitet als Juror und betreut Schülergruppen bei ihren Experimenten. "Durch den Erfolg bei Jugend forscht hab ich gelernt, ich bin zu mehr fähig, ich kann was schaffen, wenn ich mir was vornehme", resümiert er.

Der "Jugend forscht"-Wettbewerb war schon für manche große Karriere der erste Meilenstein. Mancher früherer Teilnehmer aus Sachsen wurde später Forscher oder Firmengründer. Bundesweit berühmtester Ehemaliger ist wohl Andreas von Bechtolsheim. Der in Bayern geborene Informatiker gewann 1974 den Preis in der Kategorie Physik für einen Strömungsmesser und erzählte davon gegenüber dem Blog Silicon Valley Stories, dies sei der Moment gewesen, als sein Leben interessant wurde. Später wanderte in die USA aus. Dort gehörte er zu den Gründern von "Sun Microsystems", einem der wichtigsten Unternehmen in der IT-Branche. Außerdem war er einer der ersten, die Geld in Google investierten. Sein Vermögen beläuft sich nach Angaben des Magazins Forbes auf 4,7 Milliarden Dollar.

Ganz so viel Geld hat der 19-jährige Jonas Nickl mit seinem Jugend forscht Projekt noch nicht verdient. Er hat sich gefragt, ob man auch die Wurzeln von Chicorée nutzen kann. Sie sind immerhin fast ebenso groß sind wie der salatartige, leicht bitter schmeckende Kopf der Pflanze. Doch während letzterer im Supermarkt verkauft wird, wanderten die Wurzeln bisher alle auf den Kompost. Nickl fragte sich also, ob man daraus in einer Biogasanlage Strom gewinnen könnte. Dabei war seine Arbeit so erfolgreich, dass sich tatsächlich mehrere Firmen dafür interessierten. "Dieses Konzept kommt jetzt zur Anwendung. Der Chocorée-Betrieb, die Treiberei, die liefert regelmäßig Wurzeln an eine Biogasanlage, die diese dann auch vergast", erzählt er.

Schon eine kleine Jugend-forscht-Entwicklung kann die Welt also ein bisschen besser machen.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL im Radio | 06.04.2017 | 06:48 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2017, 12:08 Uhr