Ausgrenzung junger Muslime Wie Integration funktionieren kann

Junge Muslime in Deutschland haben es schwerer als andere. Ein großer Teil der deutschen Gesellschaft tritt ihnen mit Misstrauen und Vorurteilen gegenüber, in den Elternhäusern wird Ihnen oft ein traditionell religiöses Leben vorgegeben. Entsprechend hin- und hergerissen sind viele von Ihnen. Wie Integration dennoch funktionieren kann, darüber diskutieren heute Wissenschaftler und Praktiker auf einer Konferenz in Frankfurt/M..

von Karsten Möbius

Professorin Susanne Schröter, die Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam, spricht Klartext. Sie weiß aus eigenen Studien, dass Kinder und Jugendliche aus muslimischen Elternhäusern schlechtere Chancen haben als andere - auch wenn sie perfekt Deutsch sprechen und die Familie schon in zweiter oder dritter Generation hier lebt: "Muslimische Jugendliche haben immer noch schlechtere Schulabschlüsse als nichtmuslimische Jugendliche, es gibt immer noch eine große Benachteiligung wenn es darum geht, Ausbildungsmöglichkeiten zu finden, Jobs zu bekommen."

Es ist meist eine Verkettung von Ursachen, weiß Susanne Schröter. Ehe-Frauen werden oft aus den Heimatländern geholt, sprechen nicht Deutsch und können ihre Kinder bei Hausaufgaben oder schulischen Dingen nicht unterstützen. Gerade bei Jungen sind aber die Erwartungen der Eltern an Beruf und Karriere sehr groß. Empfehlungen für handwerkliche Berufe werden oft als Diskriminierung empfunden. Der Frust ist entsprechend groß, wenn die Jugendlichen dann in der Schule scheitern. Das führe zu Unsicherheit und Zerrissenheit, sagt Professorin Schröter. Und wahrscheinlich auch dazu, dass einige muslimische Jugendliche Lebens-Hilfe in der Religion suchen.

Erst wenn der andere kein Ausländer sondern ein Nachbar, Mitschüler oder eine Freundin ist, dann hat man eine reelle Chance

Professorin Susanne Schröter, Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam

Partys der Klassenkameraden, bei denen geraucht, getrunken und geflirtet wird, finden oft ohne muslimische Jugendliche statt. Dazu kommen zunehmend Vorbehalte, offene Ablehnung und Vorurteile aus weiten Teilen der deutschen Gesellschaft. Prof. Schröter: "Viele fühlen sich abgelehnt. Und wenn man lang genug abgelehnt wird, dann möchte man auch gar nicht mehr dazugehören. Auch das verstärkt wieder so einen Rückzug aus der Gesellschaft und den Aufbau von Parallelstrukturen."

Ernst nehmen, akzeptieren, Angebote machen

Diese werden natürlich auch durch Salafisten und radikale Prediger gern bedient. Oder einfach nur durch Moscheegemeinschaften, die ihren Nachwuchs behütet sehen wollen. Eine verhängnisvolle Spirale von fremden Traditionen auf der einen Seite und Angst und Ablehnung auf der anderen, resümiert Professorin Schröter. Um diese Entwicklung zu stoppen gibt es nur ein Mittel, sagt sie: "Jegliche Art der Trennung und Separation führt dazu, dass man den anderen mit Misstrauen beäugt. Erst wenn der andere kein Ausländer sondern ein Nachbar, Mitschüler oder eine Freundin ist, dann hat man eine reelle Chance, Vorurteile abzubauen oder dass sie sich gar nicht erst entwickeln."

Prof. Susanne Schröter hat auf die Konferenz in Frankfurt auch einen muslimischen Boxclub aus Offenbach und die muslimischen Pfadfinder Deutschlands eingeladen. Dort wird geschlechterübergreifend die Freizeit verbracht. Im Boxclub übernehmen Sozialarbeiter auch Nachhilfe für die Schule. Das sind für sie Beispiele wie Integration funktioniert. Indem man die Jugendlichen ernst nimmt, akzeptiert und Angebote macht. 

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2017, 14:08 Uhr