Ausgrabungsfund im Saalekreis Archäologie rätselt: Säuglingsgrab mit reichen Beigaben

Halle bekommt mit der Bundesautobahn 143 eine Westumfahrung, sie verbindet die A 14 und A 38 und wird Teil der "Mitteldeutschen Schleife". Bei Arbeiten für die Trasse wurden archäologische Funde gemacht, der Ausbau gestoppt und das Landesamt für Vorgeschichte verständigt – wie in Friedrichsschwerz bei Brachwitz. Der Fund ist außergewöhnlich: die Knochen eines noch nicht einmal ein Jahr alten Kindes mit reichen Grabbeigaben.

Ein Mann und eine Frau knien an einer Erdgrube. Darin liegt ein weißes Objekt
Susanne Friedrich und Sergej Sitnikov, Ausgrabungsfund bei Halle Bildrechte: Anne Sailer

Auf den ersten Blick wirkt die Ausgrabungsstätte neben dem Maisfeld wie eine matschige, von Traktorenreifen zerwühlte Brachfläche. Überall Pfützen. Der Wind pfeift. Diese Mondlandschaft war einmal eine Bronzezeitsiedlung oder der Rand einer Siedlung. Zudem ist eine kleine Kuhle zu erkennen mit einem Ring aus Steinen. Darin liegt, eingeschlagen in Plastik, eine kleine Schale. Die Abteilungsleiterin für die Bodenpflege des Landesamtes für Denkmalpflege Susanne Friedrich erklärt, was es mit der Fundstelle auf sich hat: "In diesem äußeren Randbereich, wo wahrscheinlich auch der Wirtschaftsbereich war, hat man während der Bronzezeit, vor knapp 4.000 Jahren, Kleinstkinder bestattet." Das was nun gefunden wurde, ist ein Kleinstkind, das nicht in einem Gefäß bestattet wurde." Dass sich Knochen erhalten haben, ist bei Kleinstkindern etwas Besonderes. "Das war keine Null-Acht-15-Bestattung. Man kann an den beiden Armspiralen erkennen, dass es eine besondere Persönlichkeit war."

Bronzeringe als Grabbeigabe für einen Säugling

Die beiden Armspiralen, also Armreifen, waren Grabbeigaben des Kindes, von dessen Armen noch deutlich die kleinen Knochen zu sehen sind. Der Archäologe Sergej Sitnikov hält einen Armreif vorsichtig in den Händen, eine grünlich angelaufene Spirale. Der Spezialist Sitnikov weiß, was dieser Armreif wert ist: "Das ist ein Armreif aus Bronze. Solche Objekte waren von enormem Wert." Verglichen mit wertvollen Objekten unserer Zeit – was wäre das dann? "Das könnte ein Bentley sein. Oder ein Viertel davon wäre vielleicht eine Rolex wert." Aber das ist es nicht allein, was das intakte Säuglingsgrab mit seinen Beigaben so spannend und wertvoll macht für die Forschung, die vor allem den Kontext mitliest. "Anhand des geschlossenen Befundes, der niemals berührt wurde, wissen wir: Diese Person hatte wirklich hohe Bedeutung für diese Gesellschaft," führt Archäologe Sitnikov aus.

Ein Kind, das in der stark hierarchischen Bronzezeit vermutlich einer höheren Gesellschaftsschicht angehörte: Grabungsleiterin Susanne Friedrich ist gespannt, was die folgenden Untersuchungen und Analysen aufdecken werden. "Die können zum Beispiel Aufschluss geben über eine besondere Ernährung durch die Mutter." Was wiederum ein Hinweis auf deren und des Kindes Position in der damaligen Gesellschaft geben könnte. Es könnte auch Hinweise geben auf Krankheiten des Kindes, die dessen frühen Tod erklären würden.

DNA-Analyse wird mehr über das Kind verraten

Es wird also mehr untersucht als nur die zwei Armspiralen. Und die Forschungsarbeiten gehen noch viel weiter, mittlerweile kann man auch schon DNA, also den Träger der Erbinformationen, extrahieren. Am besten geht das im Felsenbein, dem Knochen, der hinterm Ohr sitzt, der ist besonders hart, erklärt Archäologin Friedrich. "Der ist schon ganz früh angelegt und da erhält sich die DNA am allerbesten. Von daher sind wir guter Hoffnung, dass wir Untersuchungen durchführen können." Mittels DNA-Datenbank könnten beispielsweise Verwandtschaften erforscht oder per Genom-Analyse Haut- und Augenfarbe bestimmt werden. Dem Grabfund aus Sachsen-Anhalt sind noch lange nicht alle Geheimnisse entrissen.

Ausgrabungsfund in einem Erdloch 4 min
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Archaeologie 5 min
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Virtuelle Rekonstruktion der Lage des Skeletts 4 min
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 26. August 2021 | 16:09 Uhr

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