Kinder halten 2016 den Mini-Computer Calliope mini
Bildrechte: Jørn Alraun/Calliope gGmbH/dpa

Nationaler IT-Gipfel Calliope-mini: Für jeden Grundschüler ein Computer

Smartphones, Laptops, Tablets: Überall im Alltag sind wir heute von digitaler Technik umgeben. Aber nur wenige Menschen können auch programmieren und damit das neue Zeitalter beherrschen. Die kommende Generation soll souveräner mit Computern umgehen. Politiker und Experten beraten deshalb beim nationalen IT-Gipfel ab Mittwoch, wie Kinder möglichst früh spielerisch an Bits und Bytes herangeführt werden können.

Kinder halten 2016 den Mini-Computer Calliope mini
Bildrechte: Jørn Alraun/Calliope gGmbH/dpa

Calliope mini sieht aus wie ein sechseckiger Stern. In seiner Mitte bilden fünf Reihen mit jeweils fünf roten LEDs ein kleines Display. Der Minicomputer kann mithilfe mehrerer Sensoren unter anderem erkennen, ob er sich in Schräglage befindet, ob er bewegt wird oder ob es hell oder dunkel ist. Er besitzt zwei programmierbare Tasten und lässt sich über USB oder Bluetooth mit Computer und Smartphone verbinden. Dort können Kinder mit einer einfachen, graphischen Software Programme für Calliope erstellen, beispielsweise eine Laufschrift, die auf Knopfdruck startet oder einen Schrittzähler für den Sport. Der kleine Rechner hat einen Minilautsprecher, kann externe Geräte wie z.B. Motoren steuern und einfach über eine Batterie mit Strom versorgt werden. Gerade einmal 10 bis 15 Euro kostet die Herstellung des kleinen Geräts, das im Grundschulunterricht einmal eine ähnliche Rolle spielen könnte, wie die Lesefibel.

Am Mittwoch und Donnerstag treffen sich Regierung, Wirtschaft und Wissenschaft zum diesjährigen IT-Gipfel in Saarbrücken. Schwerpunkt für die die rund 1.000 Teilnehmern ist in diesem Jahr die digitale Bildung - das Motto "Lernen und handeln in einer digitalen Welt". Dabei wird auch Calliope der Öffentlichkeit vorgestellt. “Es soll ein alltägliches Tool werden, das man ganz selbstverständlich im Unterricht einsetzt – wie zum Beispiel einen Zirkel“, sagt der Kölner Unternehmer Stephan Noller, der den Minicomputer mit Kollegen in einer gemeinnützigen GmbH entwickelt hat. Vorbild war der Micro.Bit, den die Rundfunkanstalt BBC an Schulen in Großbritannien verteilt hat.

Calliope Ist nicht nur eine italienische Prog-Rock-Band, eine Stadt in Australien und der Name einer Literaturzeitschrift. Calliope (auch Kalliope) ist vor allem die älteste und weiseste der neun klassischen Musen, Göttin der Künste und Wissenschaften, Muse der epischen Dichtung.

Digitale Bildung der Lehrer zentral

Calliope wird seit kurzem bereits an zwei Grundschulen im Saarland probeweise eingesetzt. Ab Februar 2017 soll er für alle dritten Klassen an der Saar verfügbar sein, kündigt der saarländische Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) an. Voraussetzung sei, dass die Lehrer vorher Schulungen gemacht haben.

Die Fortbildung der Lehrkräfte ist eine zentrale Bedingung dafür, dass der Unterricht mit digitaler Technik funktioniert, sagt Susanne Voigt vom Leipziger Verein Hands on Technology. Voigt und ihre Mitstreiter organisieren Wettbewerbe mit Mindstorms-Robotern für Schülergruppen. Die kleinen zusammensteckbaren Maschinen aus dem Hause Lego sind ebenso wie der Calliope über graphische Software leicht programmierbar. Das macht sie zu einem guten Mittel, um Kinder spielerisch mit Informatik vertraut zu machen. Allerdings:

Viele Lehrer können oft selbst nichts mit der Technik anfangen. Dadurch entsteht die Gefahr, dass teuer angeschaffte Geräte im Schrank verstauben. Man muss die Lehrer also schulen, damit sie damit umgehen können.

Susanne Voigt, Hands on Technology Leipzig

Geht es nach dem Unternehmer Noller, kommt Calliope bald auch im übrigen Deutschland in die Schulen. Es gebe bereits konkrete Vorbereitungen mit Bremen und weiteren Bundesländern, darunter auch mehreren großen. “Wir wollen mit der Initiative das Bildungssystem in seiner Breite erreichen. Es soll keines dieser Leuchtturmprojekte werden.“

Computer kein Allheilmittel

Um Klassenzimmer digital fit zu machen, hat Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) gerade ein Fünf-Milliarden-Euro-Programm geschnürt. Das Geld soll über einen Zeitraum von fünf Jahre an die rund 40.000 deutschen Schulen fließen, um diese technisch aufzurüsten: Mit Breitband, W-Lan und Geräten.

Schulen müssten nicht unbedingt über einen Computer pro Schüler verfügen, sagt Susanne Voigt von Hands on Technology. “Man kann sehr viel in Gruppenarbeit machen, also zwei bis drei Schüler an einen Rechner setzten. Oft reicht auch ein Tablet aus.“

Auch das Ordnen, Gewichten und Verknüpfen muss in den Schulen gelehrt werden.

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Angela Merkel wiederum meint, der sichere Umgang mit moderner Technik stütze sich nicht auf Computer allein. “Es kann nicht alles immer nur im Internet nachgeguckt werden. Auch das Wie des Nachguckens und das Ordnen, Gewichten und Verknüpfen muss in den Schulen gelehrt werden“, sagte die Bundeskanzlerin anlässlich des IT-Gipfels in ihrem Podcast.

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2017, 15:07 Uhr