Anja Feldmann, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Informatik in Saarbrücken
Prof. Anja Feldmann Bildrechte: DFG / David Ausserhofer

Internetkriminalität Die größte Sicherheitslücke ist der Mensch

Ist Sicherheit im Netz eine Illusion? Im Prinzip ja, sagt Anja Feldmann, eine der führenden Informatikerinnen des Landes. Und das ist nicht der einzige Irrtum, mit dem die Expertin gerne aufräumen möchte. Der andere ist das Heilsversprechen der Glasfaser.

Anja Feldmann, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Informatik in Saarbrücken
Prof. Anja Feldmann Bildrechte: DFG / David Ausserhofer

Nicht einmal Regierungen sind noch sicher. Soviel ist klar, spätestens seitdem bekannt wurde, dass Hacker in das Datennetz der Bundesregierung eingedrungen sind und dort womöglich ein Jahr lang Daten abgeschöpft haben - obwohl dieses Netzwerk als besonders sicher galt. Wie ist das möglich? Für Anja Feldmann, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Informatik in Saarbrücken, liegt der Grund darin, dass es keine absolute Sicherheit geben kann.

Das Problem mit Internetsicherheit ist, wenn es irgendwo eine Sicherheitslücke gibt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese ausgenutzt wird, bei nahezu 100 Prozent.

Prof. Anja Feldmann

Tatsächlich wird mittlerweile davon ausgegangen, dass die Angreifer das Regierungsnetz über einen einzelnen Rechner infiltriert haben, indem sie eine E-Mail mit einem Anhang schickten, den das E-Mail-Programm standardmäßig öffnete, ohne die Nutzer vorher zu fragen.

Natürlich lassen sich solche Lücken beheben, doch für Anja Feldmann ist die größte Gefahr damit nicht gebannt: "Selbst, wenn es keine Sicherheitslücke gäbe, gibt es immer noch eine frappierende und das ist der Mensch.“ Durch sogenanntes "Social Engineering" werden den Menschen, die am Rechner sitzen, falsche Tatsachen vorgetäuscht, die sie dazu bringen sollen, vertrauliche Daten herauszugeben oder den Angreifern Türen zu öffnen. Wie das funktioniert und wie man sich schützen kann, erläutert sie im Video-Interview mit MDR Wissen.

Glasfaser ist nicht überall die Lösung

Wenn heute von schnellem Internet die Rede ist, dann heißt der nächste Satz meist: Hier muss Glasfaser verlegt werden. Doch das ist nicht überall in Deutschland die sinnvolle Lösung, so Feldmann. Denn Verlegen heißt eben immer Graben und das braucht Zeit. Stattdessen könnte gerade in den strukturschwachen Regionen das bestehende Kupfernetz genutzt werden, um Kosten für Kunden und Anbieter zu sparen. Letztere stehen am Ende auch für die Expertin in der Pflicht: "Wir müssen sehen, dass die kommerziellen Anbieter sich nicht nur auf die Orte konzentrieren, an denen es profitabel ist, sondern auch die anderen mit quersubventionieren, sodass jeder die Möglichkeit hat, ins Netz zu kommen.“ Das umzusetzen, so Feldmann, ist Aufgabe der Politik.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03. April 2018 | 06:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. April 2018, 12:04 Uhr