Bildungsstudie Kreative Ideen gegen Lehrermangel

Millionen Schüler mehr als gedacht - die Schlagzeilen zur Studie über die Entwicklung der Schülerzahlen bis 2025 waren groß. Wie bedeutsam und verlässlich ist so eine Prognose eigentlich? Und wie geht man mit den Folgen um - Stichwort Lehrermangel?

Man muss die Studie schlicht sehen als das, was sie ist: “Eine Prognose mit Zahlen, die nach oben oder unten abweichen können“, sagt Bildungsforscher Kai Maaz vom Deutschen Institut für Pädagogik-Forschung, kurz DIPF, über die aktuelle Bertelsmannstudie zur Entwicklung der Schülerzahlen.

Kein Masterplan für alle

Bärtiger Mann mit Brille sitzt vor einem aufgeschlagnen Buch
Prof. Dr. Kai Maaz Bildrechte: DIPF/Tom Baerwald

Die Studie prognostiziert für das Jahr 2025 etwa 8,26 Millionen Schüler an den allgemeinbildenden Schulen in Deutschland - ein Anstieg der Schülerzahlen um acht Prozent. Die Kultusministerkonferenz hatte mit 7,2 Millionen Schülern gerechnet – ihre Hochrechnung stammt aus dem Jahr 2013.
Maaz weist aber auch darauf hin, dass sich der prognostizierte Anstieg der Schülerzahlen und die daraus folgenden Bedürfnisse nach Schulen, Lehrkräften und die dafür benötigten Geldmittel nicht überall gleich auswirken: "Strukturschwächere ländliche Regionen werden auch langfristig mit rückgängigen Schülerzahlen zu tun haben, städtische Ballungsgebiete dagegen mit stark steigenden", sagt Maaz und rät: "Auf diese Faktoren muss eingegangen werden."

Harte Zahlen - weiche Faktoren

Wie viele Schüler 2025 tatsächlich in deutschen Schulen lernen, steht in den Sternen: So wenig, wie der Zuwachs durch Zuwanderung aus Kriegs- und Krisengebieten berechenbar war, ist auch, wie viele der Geflüchteten 2025 tatsächlich noch in Deutschland leben werden – auch das sei nicht vorhersagbar, sagt Maaz, ähnlich wie in den 90er-Jahren als viele Menschen aus den jugoslawischen Kriegsgebieten nach Deutschland flohen und und später größtenteils zurückkehrten. Damals wie heute gilt: Die Kinder schnellstmöglich fit für den regulären Schulalltag zu machen, indem sie Deutsch lernen.

Wenn Lehrer nicht vom Himmel fallen

Bezogen auf den absehbaren Mehrbedarf an Lehrern weist Maaz auf den nationalen Bildungsbericht von 2016 hin – schon hier wird ein Mehrbedarf an Lehrern zwischen 10.000 und 14.000 berechnet.

Man wird weiterhin kreative Ideen entwickeln müssen, wie man pädagogisches Personal rekrutieren und es so weiterbilden kann, dass es in den Schuldienst gehen kann.

Kai Maaz

Das sagt Maaz im Gespräch mit dem MDR. Ist damit gemeint, den Automechaniker zum Physiklehrer zu machen? "Nein," sagt Maaz, sondern führt aus: "Es gibt Germanisten, Kulturwissenschaftler, Biologen etc., die man möglicherweise für den Schuldienst gewinnen kann. Auch aus den Sozialwissenschaften sind Lösungen denkbar. Dies alles setzt aber natürlich eine entsprechende und umfassende pädagogische Schulung voraus. Wichtig ist aber, dass damit der Lehrerberuf nicht ersetzt werden darf."

Lehrerzimmer
Blick in ein Lehrerzimmer Bildrechte: IMAGO

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Fernsehen | 12.07.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juli 2017, 15:00 Uhr