Bandscheibenprobleme Schon Tyrannosaurus Rex hatte "Rücken"

Millionen haben "Rücken". Allein 70.000 bis 80.000 Menschen von ihnen werden in Deutschland jedes Jahr an der Bandscheibe operiert. Doch das Problem ist schon viele Millionen Jahre alt. Eine Wissenschaftlerin aus Bonn hat jetzt herausgefunden, dass sogar der Tyrannosaurus Rex Probleme mit der Bandscheibe hatte.

Tyrannosaurus Rex 3 min
Bildrechte: imago images/StockTrek Images

Der Mensch richtet sich auf in den aufrechten Gang, setzt sich so von den anderen Säugetieren ab und nimmt die Spitze der Evolution ein. Das Non-Plus-Ultra. Der Mensch als Goldstandard. Gerne geglaubt, aber völlig falsch. Das zeigt ausgerechnet unsere Wirbelsäule, die den aufrechten Gang überhaupt erst ermöglicht hat, erklärt Tanja Wintrich vom Anatomischen Institut der Universität Bonn:

Jeder kennt Bandscheibenvorfälle. Das Problem mit der Bandscheibe ist, dass sie sich selber nicht wieder regenerieren kann. Das heißt, ist die Bandscheibe einmal kaputt, dann bleibt sie auch kaputt.

Tanja Wintrich Anatomisches Institut, Uni Bonn

Fossilienfunde zeigen verrätersiche Abdrücke

Die Bandscheibe sitzt wie ein Puffer zwischen den Wirbeln der Wirbelsäule. Sie ist der bewegliche Teil des Ganzen. Geht sie kaputt, tut das nur zu oft ganz schön weh. Ein Leid, dass nicht nur die Menschheit ertragen muss, hat Tanja Wintrich jetzt herausgefunden. Sie hat die Evolution der Bandscheibe nachverfolgt und konnte zeigen: Auch der Tyrannosaurus Rex kannte wahrscheinlich den Bandscheibenvorfall:

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Biologin Tanja Wintrich forscht, wie sich die Bandscheibe im Laufe der Evolution entwickelt hat. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei einem Bandscheibenvorfall gibt es manchmal Eindrücke, wenn die Bandscheibe kaputt geht, die sich in dem Knochen wiederspiegeln. Und genau das sehen wir an einzelnen Fossilfunden. Wir können auch tatsächlich sagen, dass einzelne Urreptilien Bandscheibenvorfälle gehabt haben.

Tanja Wintrich

Reptilien besitzen ein Bandscheiben-Update

Und das ist eine Überraschung. Lange dachte man nämlich, dass nur Menschen und andere Säugetiere Bandscheiben besitzen. Heute ist das nämlich so. Das ist aber keine Auszeichnung: Evolutionstechnisch sind wir stehengeblieben. Die Biologin Tanja Wintrich konnte jetzt anhand von Fossilien nachvollziehen, dass sich zum Beispiel Reptilien dagegen weiterentwickelt haben. Sie besitzen schon das Update: ein Kugelgelenk. Auch wir haben Kugelgelenke, zum Beispiel in der Hüfte. Das hat viele Vorteile:

Dass da der Druck, der darauf ausgeübt werden kann, deutlich größer ist als bei einer Bandscheibe, ist schon sehr wahrscheinlich und es gibt mir vielleicht sogar mehr Beweglichkeit. Wenn ich zum Beispiel an eine Schlange denke, die sich langschlängelt, ergibt natürlich ein Kugelgelenk mehr Sinn als eine Bandscheibe.

Tanja Wintrich

Zwei Ärzte untersuchen ein Modell
Die Bandscheibe ist nur ein Zwischenschritt in der Evolution, sagt Biologin Tanja Wintrich. Bildrechte: IMAGO

Die Biologin geht davon aus, dass die Bandscheibe eher einen Übergang darstellt. Erst gab es das erste primitive Bewegungselement, das man sich noch vorstellen kann wie einen Gummistrang. Dann die Bandscheibe und dann die momentane Spitze der Evolution: Das Kugelgelenk. So stabil übrigens, dass die Langhalssaurier nur mit diesem Gelenk so riesig werden konnten.

Link zur Studie

Die Untersuchung "Tanja Wintrich, Martin Scaal, Christine Böhmer, Rico Schellhorn, Ilja Kogan, Aaron van der Reest & P. Martin Sander: Paleontological evidence reveals convergent evolution of intervertebral joint types in amniotes" ist in Scientific Reports erschienen. Hier können Sie sie nachlesen.

4 Kommentare

part vor 4 Wochen

Große Tiere, die von viel Kraft träumen, vollgefressen sind und wenig Muskelmasse besitzen gab es schon immer. Werden sie gefordert spielt die Physik und Biologie einen Streich aber auch manchmal die politische Gemengelage. Das Eine nennt sich evolutionäre Entwicklung, das Andere hat viele Bezeichnungen innerhalb und außerhalb de Mainstreams. Auch Rückrat genannt...

wer auch immer vor 4 Wochen

Die Evolution ist doch nicht so optimal für die Lebewesen, oder es wird noch einige millionen Jahre dauern damit sich dieses Problem von selber löst durch die Weiterentwicklung.

MDR-Team vor 4 Wochen

Lieber "Horst", dies ist ein Thema von vielen, die Sie in unserem Angebot finden. Was Deutschland aktuell bewegt erfahren Sie unter anderem bei den Kollege*innen von MDR AKTUELL https://www.mdr.de/nachrichten/index.html, sind Sie an kulturellen Infos interessiert, dann sind die Kolleg*innen von MDR KULTUR https://www.mdr.de/kultur/index.html für Sie da. Auch für die einzelnen Regionen Mitteldeutschlands haben wir extra Angebote u.v.m.. Es bleibt also spannend. Liebe Grüße

Computergrafik - Zwei Sitzende Personen 1 min
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Wir sitzen viel mehr, als für uns gut ist. Mehr als sieben Stundenm am Tag. Da hilft nur eins: Aufstehen!

Mo 26.11.2018 16:49Uhr 01:02 min

https://www.mdr.de/wissen/wir-sitzen-zuviel-neu100.html

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