20 Jahre SITI Die besten Erfindungen des Schüler-Instituts in Havelberg

Solch eine Einrichtung gibt es in Sachsen-Anhalt nur einmal: das Schüler-Institut SITI in Havelberg. Nun hat die Einrichtung ihr 20-jähriges Jubiläum gefeiert. SITI vereint mehrere Schülerfirmen – von Computerprogrammierern über eine Gießerei bis hin zu Forschungen zu alternativen Energien. Besonders von sich Reden gemacht aber hat das SITI durch einige originelle Erfindungen. Zum Jubiläum hat MDR SACHSEN-ANHALT ein "Best of" zusammengestellt.

von Katharina Häckl, MDR SACHSEN-ANHALT

Drei Schüler und ein grauhaariger Mann stehen an einem Tisch mit Lego-Konstruktionen.
Zwei Mal die Woche tüfteln Schüler im SITI an ihren Ideen. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Mit einer Festveranstaltung ist in Havelberg das 20-jährige Jubiläum des Schüler-Instituts für Technik und angewandte Informatik (SITI) gefeiert worden. Die Schüler tüfteln in Labors am Pestalozzi Gymnasium Havelberg an neuen Ideen. SITI umfasst unter anderem einen Erfinderclub, ein Junggründerzentrum, die erste Schüler-Gießerei in Sachsen-Anhalts sowie sechs Schülerfirmen.

Initiator des Vereins war vor 20 Jahren der Lehrer Hannes König, den die Schüler bis heute als ihren Forschungspartner und Mentor schätzen. Im Laufe der Jahre entwickelten sie tolle Ideen. Hier ist ein "Best of SITI":

Platz 4: Sit und Sitine

Das sind zwei Roboter – weiß sehen sie aus mit blauen Lichtern, da wo bei uns Menschen die Augen und das Gehirn sitzen. Eine kleine Gruppe um Robert Rosenfeld hat sie entwickelt, um andere Menschen zu animieren, mehr Sport zu treiben. Das brachte ihnen bei "Jugend forscht" bereits große Anerkennung. Aber auch im Alltag: Sit und Sitine haben schon Altersheime und Kindertagesstätten sportlich in Schwung gebracht.

Kleiner weißer Roboter
Er tanzt, er breakdanced, er macht Dehnübungen oder Liegestütze – der selbst entwickelte Roboter Sit ist mit seiner "Partnerin" Sitine eines der Maskottchen des SITI. Die beiden Maschinen turnen regelmäßig in Altersheimen und Kindertagesstätten und animieren so, sich selbst mehr zu bewegen. Bildrechte: Katharina Häckl

Platz 3: Individuelle Lichterbögen

Diese Erfindung befreit von der Sorge um originelle, persönliche Weihnachtsgeschenke. Jeder bekommt einfach seinen individuell gestalteten Lichterbogen. Eine Art Schwibbogen, der durch LED so angeleuchtet wird, dass es im Dunkeln aussieht, als hätte man mit Feuerstift ein Bild gemalt.

Im Moment erfreuen sich Stadtmotive aus Sandau, Havelberg und Tangermünde großer Beliebtheit. Die Jungs vor den SITI-Computern und der SITI-Fräse können aber noch viel mehr. Zum Beispiel Familienbilder oder die Rolling-Stones-Zunge als Lichterbogen herstellen.

Ein Jugendlicher steht in einem Computerraum mit Lichterbogen in der Hand.
Johannes Tetzel hat an den Computerprogrammen mitgeschrieben, die die Fräse für die Lichterbögen in Gang setzen. Er hat selbst einen zu Hause, einen mit Sandauer Stadtansicht, seiner Heimatstadt. Bildrechte: Katharina Häckl

Platz 2: Chipgesteuerter Fressnapf

"Der ist richtig cool", sagt Sorraya Dalmer aus der achten Klasse. Sie erklärt die Erfindung folgendermaßen: "Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Hund und eine Katze. Beide möchten aus demselben Napf fressen, aber Sie wollen eigentlich nur, dass der Hund davon frisst. Dann kriegt der Hund einen Chip und wenn er an den Fressnapf herantritt, öffnet sich dieser automatisch für ihn." Ist der Hund fertig mit dem Essen und entfernt sich, geht der Fressnapf-Deckel automatisch zu. Und die Katze kann die Klappe nicht aufmachen. Aus der Idee entstand ein Prototyp. Für mehr fehlten Sponsoren und Geld.

Ein Mädchen hält einen Plüschhund vor einem Fressnapf in der Hand
Nur, wer den Chip am Halsband trägt, kommt auch ans Fressen im chipgesteuerten Napf. Das ist für Sorraya Dalmer eine der besten Erfindungen des Havelberger Schüler-Instituts. Bildrechte: Katharina Häckl

Platz 1: Duschgel-Vorwärmer

Der Spitzenreiter der SITI-Erfindungen existiert nur als Entwurf auf Zeichnungen und in Gedanken. Wenn im Winter das Duschgel über Nacht auskühlt, da fröstelte es die jungen SITI-Forscher morgens in der Dusche. Mit einer selbst entwickelten automatischen Wärmekammer wollten sie das Gel vorwärmen – allerdings fand auch dieses Projekt vor 18 Jahren keinen Geldgeber.

Ein Gutes hatte der Duschgel-Vorwärmer aber doch, sagt der Chef des SITI, Hannes König: "Das war der Aufhänger dafür, dass die Wirtschaftskurse an der Schule sehr gut besucht sind. Das hat sich herumgesprochen, dass wir solche tollen Sachen im Wirtschaftsunterricht machen."

Zukunft von SITI erstmal gesichert

Ein grauhaariger Mann mit einem Schnurbart (Hannes König)
Hannes König rief vor 20 Jahren das Schüler-Institut ins Leben, kämpfte um Geld und Anerkennung. Mittlerweile sind die Forschungen, Untersuchungen und Erfindungen der SITI-Schüler bei Universitäten, in Firmen und der Landesregierung anerkannt. Bildrechte: Katharina Häckl

Für die nächsten ein, zwei Jahre ist die Zukunft des Schülerinstituts gesichert. Hannes König, der vor einiger Zeit 60 geworden ist, wünscht sich aber noch mehr Verlässlichkeit: "Was für die Zukunft wichtig wäre, wäre eine gewisse Sicherheit, dass die Mitarbeiter, die wir inzwischen als Projektmitarbeiter eingestellt haben, weiter beschäftigt werden können." Tatsächliche Anstellung, statt Ehrenamtes wünscht sich König.

Seiner Ansicht nach trägt die Wirtschaft für die Zukunft von SITI eine gewisse Verantwortung: "Wenn sie nach Fachkräften ruft und hier die Möglichkeit wirklich besteht, frühzeitig an Leute ranzukommen. In Sachsen-Anhalt ist ja das Wirtschaftsministerium ja unheimlich interessiert. Aber das reicht eben noch nicht, dass jemand zum Schluss sagt: Hier ist die Summe, die Ihr braucht, und dann geht das los."

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 02. Juli 2019 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Juli 2019, 18:47 Uhr