Bioökonomie Kunststoffe aus der Natur

Können nachwachsende Rohstoffe Öl und Kohle ersetzen? Darüber haben Experten in Halle diskutiert. Fazit: Von der Natur können Verpackungshersteller genauso lernen wie Reifenproduzenten oder Baustoffunternehmen.

von Sven Kochale

Auf einer Wiese blüht Löwenzahn 3 min
Bildrechte: Colourbox.de

Mit nachwachsenden Rohstoffen beschäftigt sich die Wissenschaft sogar dort, wo man es zunächst gar nicht vermuten würde. Zum Beispiel im sächsischen Freiberg, im Erzgebirge. Die dortige Technischer Universität wurde ursprünglich als Akademie gegründet, um Bergleute auszubilden.

Doch längst hat sie ihr Forschungsprofil angepasst und beschäftigt sich mit biologischem Material. Pflanzen-Fasern kommen hier im 3-D-Druck zum Einsatz. Daraus entstehen komplexe Verpackungen oder Bauteile, erklärt Professor Henning Zeidler. Ihn interessiert besonders das Miscanthus-Gras, auch als Elefantengras bekannt.

Wir haben mit Miscanthus-Gras experimentiert und es für den Faserguss eingesetzt. Da kann man sich zum Beispiel Eierkartons vorstellen. Da hat man normalerweise Bedarf nach langen Fasern, damit die gut miteinander haften. Wir nutzen aber nur die ganz kurzen. Das heißt, die Fasern, die dort ausgefiltert und weggeschmissen werden, die können wir für den 3-D-Druck verwenden um bioabbaubare und kompostierbare Teile zu erstellen.

Henning Zeidler, Technische Universität Freiberg

Plastik aus Zucker

Pflanzliche Abfallprodukte sind auch für die Baubranche interessant. Aus den Schalen der Maniok-Knolle lässt sich zum Beispiel ein nachhaltiges Bindemittel gewinnen. Die Natur liefert so eine Art Biozement für Beton.

Auch bei Südzucker, einem der weltweit größten Zuckerproduzenten, wird über neue Methoden und Anwendungsmöglichkeiten nachgedacht. Der Konzern hat eine Produktionsstätte in Zeitz. Dort könnte zum Beispiel Plastik produziert werden. Grundlage wäre dann aber nicht mehr Öl, sondern mit Milchsäure versetzter Zucker, um die nötige Stabilität zu bekommen. Nachwachsender Rohstoff wäre reichlich vorhanden.

"Das Thema Biomasse ist natürlich sehr spannend. Das sind Rohstoffe, die speziell für die Produktion von Zucker, Glukose oder Bioethanol angepflanzt wurden", sagt Markus Lorenz, Werkleiter von Südzucker in Zeitz. "Wir sehen in unserer Region keine Schwierigkeiten, diese Biomasse zu bekommen. Weil wir hier in einem Flächenland unterwegs sind und deshalb hat Südzucker sich auch in Zeitz angesiedelt."

Autoreifen aus Löwenzahn

Auch der Löwenzahn kommt in großen Mengen vor. Wissenschaftler nutzen den Saft der Pflanze, um Kautschuk für die Reifenproduktion herzustellen. Die Frage ist allerdings, wieviel Löwenzahn oder Zucker eine Fläche verträgt und ob wir mit ausgedehnten Plantagen leben wollen.

Doch darüber nachzudenken lohnt sich, meint Christina Höfling. Sie arbeitet am Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main. Dort untersuchen Wissenschaftler, wie sich Mensch und Umwelt gegenseitig beeinflussen und ein Gleichgewicht herstellen. "Wir müssen auf alle Fälle zurück zu diesen natürlichen Kreisläufen. In der Natur gibt es keinen Abfall. Die Natur lebt im Kreislauf und verwendet alles wieder. Und solche Ideen müssen die Basis der Wirtschaft werden", sagt Höfling.

Tausende Arbeitsplätze für Mitteldeutschland

Die Bundesregierung jedenfalls hat die Bioökonomie als Schlüsselbranche für den High-Tech-Standort Deutschland ausgemacht und fördert sie mit Millionenaufwand. Hier sollen tausende neue Arbeitsplätze entstehen, auch in Mitteldeutschland.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 18. Mai 2019 | 07:48 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juni 2019, 15:42 Uhr