Vogelsterben Blaumeisen-Sterben: Bakterium löst Lungenkrankheit aus

Während die Menschheit mit dem Corona-Virus kämpft, leiden die Blaumeisen derzeit offenbar an einer bakteriellen Infektion. Die Krankheit ist hoch ansteckend und endet oft tödlich für die kleinen Vögel.

Update 22.04.2020: Meisen verenden an Bakterien-Infektion

- Der Grund für das überraschende Meisensterben in diesem Frühjahr ist gefunden: Offenbar ist das Bakterium Suttonella ornithocola dafür verantwortlich. Dem Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zufolge wurde bei toten Blaumeisen aus den Kreisen Ammerland und Diepholz sowie im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen das Bakterium nachgewiesen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Meisen am Bakterium Suttonella ornithocola sterben. Erstmals war es im Frühjahr 1996 in England und Wales aufgetreten; 2018 war es auch in NRW nachgewiesen worden. Wie sich das Bakterium überträgt und wie kurz- oder langlebig es ist, weiß man noch nicht. Erst seit 2005 wurde es von Mikrobiologen komplett entschlüsselt. Ob das Bakterium auch bei anderen Vögeln vorkommt, ist nicht bekannt. Bislang kennt man nur seine Auswirkung auf Meisen.

Blaumeise 3 min
Bildrechte: imago images / Philippe Ruiz

In vielen Bäumen erklingt im Frühjahr das Zwitschern der Blaumeisen. Und wenn man sich leise nähert, kann man die kleinen Blaumeisen von Ast zu Ast hüpfen sehen. Doch zur Zeit zeigt sich immer mehr Vogelfreunden ein trauriges Bild.

Blaumeisen leiden offenbar unter einer bakteriellen Krankheit

Tiere, die apathisch auf unteren Ästen oder am Boden sitzen, mit aufgeplustertem Gefieder, oft verquollenen Augen. Sie fliehen nicht, wenn man sich nähert. Sie leiden unter Atemnot, haben großen Durst und sterben kurze Zeit später. Fast 200 tote Meisen wurden seit Mitte März gefunden, vor allem in Teilen von Rheinlandpfalz und Hessen, aber auch in Westthüringen.

Die Symptome seien sehr ungewöhnlich, sagt René Sievert vom NABU, das kannte er bisher so noch nicht. "Einiges deutet darauf hin, dass es sich um eine bakterielle Infektion handelt. Sie scheint hoch ansteckend zu sein und relativ spezifisch für Blaumeisen. Aber es gibt noch einige andere kleine Vogelarten, die ähnliche Symptome haben. Das ist aber alles noch nicht untersucht, erstens nicht, woran es tatsächlich bei den Blaumeisen liegt, und zweitens auch nicht, ob da auch andere Vögel dran sterben."

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Amsel Bildrechte: imago/McPHOTO
Amsel auf Pfaffenhütchen
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Goldammer Bildrechte: Colourbox.de
Ein Kolkrabenpaar (Corvus corax)
Kolkraben Bildrechte: IMAGO
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Viele Vogelarten leiden unter Infektionen

In den vergangenen Jahren gab es immer häufiger Infektionskrankheiten, die zum Beispiel Amseln, Grünfinken und andere Vögel heimgesucht haben, erklärt der Biologe. Viren, Parasiten, Bakterien – erst kürzlich, erklärt er, waren Meisen in Großbritannien von einer bakteriellen Lungenentzündung betroffen. René Sievert glaubt, dass Umweltzerstörung und Klimawandel erheblich dazu beitragen.

Der Verlust der natürlichen Lebensräume, die trockenen Sommer – die führen zu einer geringeren Fitness. Durch die höheren Temperaturen entstehen auch andere Übertragungsmöglichkeiten. Das fördert solche Infektionen. Das sehen wir ja auch bei den Menschen gerade. Das gibt es in der Tierwelt in gleicher Art und Weise.

René Sievert, Naturschutzbund NABU

Tote Tiere einfrieren und einschicken

Der NABU möchte schnellstmöglich Fakten zu der neuartigen Vogelkrankheit auf den Tisch bringen und dadurch vielleicht vielen Meisen das Leben retten. Das gehe aber nur, wenn alle mithelfen, sagt René Sievert. "Wenn man tote Tiere findet, soll man sie unter Vorsichtsmaßnahmen einsammeln, also am besten mit einer umgestülpten Plastiktüte. Hinterher natürlich die Hände reinigen. Wenn der Vogel in der Tüte luftdicht verschlossen ist, kann man ihn einfrieren." Dann solle man das örtliche Veterinäramt kontaktieren und besprechen, wohin man den Vogel einschicken könne.

Den toten Vogel einfrieren – zwischen Eis und Tiefkühlerbsen - Biologen machen sowas, lacht René Sievert. So seien nun mal die Empfehlungen des NABU. Notfalls könne man den Vogel ja auch nochmal in eine zweite Plastiktüte stecken, manche Veterinärämter würden ihn auch frisch nehmen – das komme ganz auf die persönlichen Absprachen an.

Futterstellen sind Infektionsherde für Tiere

Und noch einen Hinweis hat der Biologe: Wer kranke Vögel an seiner Vogeltränke oder Futterstelle bemerkt, sollte das Füttern sofort einstellen, denn an solchen Plätzen sei die Infektionsgefahr am größten. "Wenn man kranke Tiere feststellt, muss man das Füttern beenden, damit die Vögel sich nicht an der Futterstelle sammeln. Das ist sozusagen 'social distance' für die Vögel."

Vögel am Fettkloß 4 min
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