Baby mit Sonnenhut und Sonnenbrille.
Bildrechte: IMAGO

Neurowissenschaften Erklärt mir die Welt - mit Euren Augen!

Einer Flut von Eindrücken sind Babys täglich ausgesetzt. Um herauszufinden, was von all dem wirklich wichtig ist, orientieren sie sich an anderen Menschen. Bislang war unklar, wie die Kleinen das genau machen. Wissenschaftlerinnen des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) in Leipzig und der Universität Heidelberg haben nun herausgefunden, wie sie das genau machen.

Baby mit Sonnenhut und Sonnenbrille.
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Vor allem die Augen ihres Gegenübers sind es, die dem Baby zeigen, worauf es ankommt. Besonders wichtig scheint dabei der charakteristische Hell-Dunkel-Kontrast aus dunkler Iris auf weißem Untergrund zu sein. Das konnten die Forscherinnen in folgendem Versuch beobachten:

Es funktioniert auch mit gemalten Augen

Ein vier Monate altes Baby blickt gespannt auf einen Bildschirm. Von dort starren es zwei gezeichnete Augen an, zwei weiße Ellipsen mit jeweils einem schwarzen Punkt in der Mitte. Plötzlich wandert der Blick des Augenpaars, also der schwarze Punkt, zu einer Seite auf einen Stapel Bauklötzer. Das Baby folgt ihm aufmerksam. Die bunte Rassel zur anderen Seite schauen die künstlichen Augen hingegen nicht an. Also interessiert sich auch das Baby nicht dafür. Als jedoch beide Gegenstände nochmals auf den Bildschirm aufflackern, scheint das Kleine vor allem die Rassel zu fesseln. Sie ist ihm offenbar neu.

Entsprechend der sogenannten Neuheitspräferenz betrachten Babys die Dinge länger, die neu für sie sind. Hier ist es offenbar die Rassel, die vom Augenpaar und damit auch vom Baby zunächst nicht beachtet wurde.

Christine Michel, Studienleiterin

Die Bewegung der schwarzen Punkte scheint also die Aufmerksamkeit der Babys genauso gezielt auf Gegenstände in der Umgebung lenken zu können wie die Blickrichtung einer anderen Person.

Babys lassen sich nicht täuschen

Funktioniert all das eigentlich nur, wenn die gemalten Augen wie echte aussehen? Wenn die Iris schwarz und das Äußere weiß ist? Oder geht es auch umgekehrt? Um dies herauszufinden zeigten die Forscherinnen den kleinen Studienteilnehmern erneut gemalte Augen, nur diesmal mit weißen Kreise auf schwarzem Untergrund. Es zeigte sich: darauf fallen die Kleinen nicht herein. Sie folgen den falschen Augen nicht zielgerichtet. Und als beide Gegenstände, also Klötzchenstapel und Rassel, aufblinken, interessieren sie sich für keines besonders. Beides war ihnen bereits vertraut, die "falschen" Augen hatten sein Interesse weder auf das eine, noch auf das andere besonders gelenkt.

Die Kinder scheinen der Blickrichtung der schwarzen Punkte deutlich aufmerksamer zu folgen als denen der weißen Punkte. Sie lernen also besonders gut von schwarzen Punkten auf weißem Untergrund, die sich bewegen. Sie reagieren damit offenbar sensibel auf den Kontrast echter Augen.

Christine Michel, Neurowissenschaftlerin

Angeboren oder erlernt?

Bisher ist noch unklar ob den Babys angeboren ist, sich an den Augen anderer zu orientieren, oder ob sie das in den ersten Monaten erlernen. Es gäbe Wissenschaftler, die von einer Art entsprechendem Modul im Gehirn ausgingen, das bereits angelegt ist, erklärt Christine Michel. Bei Menschenaffen sei bereits nachgewiesen, dass sie diese speziell ausgerichteten Nervenzellen haben. Andere Forscher wiederum glaubten, dass die Fähigkeit Blicken zu folgen, erlernt wird.

Man geht davon aus, dass Babys die Erfahrung machen, dass es sich lohnt, den Augen zu folgen und dass sie sich deshalb im Laufe ihrer Entwicklung für den charakteristischen Hell-Dunkel-Kontrast sensibilisieren. Weitere Studien müssen nun zeigen, welche Erklärung die richtige ist. Die Babys dieser Studie sind immerhin schon vier Monate alt, da ist beides möglich.

Christine Michel

Direkter Blickkontakt ist wichtiger als ein erhobener Zeigefinger

Dass gerade in den ersten Lebensmonaten eines Babys der direkte Blickkontakt besonders wichtig ist, sieht Stefanie Hoehl damit bestätigt. Die Senior-Autorin der dazugehörigen Publikation betont, dass es nichts anderes gibt, womit man mehr Aufmerksamkeit eines Babys erreichen kann.

Andere Wege, mit denen wir sie auf Dinge hinweisen können, verstehen Kinder erst deutlich später. Erst gegen Ende des ersten Lebensjahres zum Beispiel können sie dem Hinweis folgen, wenn wir auf einen Gegenstand zeigen, statt auf ihn zu blicken.

Stefanie Hoehl, Senior-Autorin

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im TV | 29.05.2017 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2018, 09:54 Uhr