Blitze erhellen Wolken über West-Australien während eines Gewitters.
Bildrechte: ESA/NASA

Wetterphänomene "Blaue Kobolde": Geisterjagd im Weltall

Blitze, die aus einem Gewitter kilometerweit ins Weltall zucken oder sich oberhalb der Wolkendecke ringförmig ausbilden. Diese Wetterphänomen hatten Piloten schon vor einiger Zeit beobachtet, bis es endlich gelang, sie auf Film zu bannen. Nun soll moderne Technik den Ursprung dieser Lichterscheinungen klären und auch helfen, Gewitter besser zu verstehen.

 Blitze erhellen Wolken über West-Australien während eines Gewitters.
Bildrechte: ESA/NASA

Nur gut anderthalb Stunden braucht die Internationale Raumstation ISS, um die Erde einmal zu umrunden. Und in 400 Kilometer Höhe haben die Astronauten den perfekten Blick auf das teilweise turbulente Wettersystem der Erde - allen voran auf Gewitter. Denn dort sind seit langem vermutete und teilweise erst kürzlich nachgewiesene Phänomene am Werk: "Transient Luminous Events" (TLEs) - grob übersetzt "Flüchtige Licht-Ereignisse" - blaue und rote Blitze, die aus Gewitterwolken schießen.

Atmosphere-Space Interactions Monitor" (ASIM) am Columbus-Modul der ISS
Bildrechte: ESA CDF

Um diese Phänomene zu erforschen hat die Europäische Weltraumagentur ESA eine neue Mission gestartet. Mit dem Versorgungsflug Anfang April hat der Raumfrachter "Dragon" auf seiner Falcon-9-Trägerrakete nicht nur Vorräte für die Astronauten gebracht, sondern auch spezielle Ausrüstung, um die TLEs studieren zu können. Der "Atmosphere-Space Interactions Monitor" (ASIM) soll TLEs beobachten und die physikalischen Eigenschaften der Gewitter, die sie produzieren. Dafür hat das Gerät, das am Columbus-Modul (das ist der ESA-Teil der ISS) befestigt wird: zwei Kameras, die 12 Bilder pro Sekunde schießen können, einen Röntgen- und einen Gamma-Strahlen-Detektor. Sie sollen dabei helfen zu klären, wo genau in der Wolke ein "Kobold" entspringt.

Was sind das für Geisterwesen?

Kurz gesagt: Es handelt sich um eine Art Blitz, der nicht unten auf der Erde einschlägt, sondern nach oben, Richtung Weltall, abgeht. Es wird unterschieden zwischen:

"Blue Jets - Blauen Kobolden" - blaue Blitze in der Stratosphäre (15-50 km), die direkt aus der Gewitterwolke mehrere Dutzend Kilometer nach oben schießen.

"Red Sprites - Roten Kobolde" - rote Blitze, die höher auftreten als die Blauen Kobolde, in der Mesophäre (50-85 km), und bis zu mehreren Millisekunden dauern.

"Elves - Elfen" - ein ringförmiger Blitz, der noch weiter oben in der Ionosphäre (höher als 85 km) auftritt und - zu kurz für das menschliche Auge - weniger als eine Millisekunde lang anhält.

Während "Elfen" und "Rote Kobolde" relativ gut dokumentiert sind - unter anderem von der NASA und der Universität von Alaska - hat erst 2015 der dänische Astronaut Andreas Mogensen die "Blauen Kobolde" aufnehmen können (achten Sie im Video bei 00:04 auf die rechte Wolke). Deswegen soll ASIM nun mehr Daten liefern. Geplant ist, den Monitor Ende April in Dienst zu nehmen. Er soll dann mindestens zwei Jahre lang arbeiten, Daten zur Erde schicken und vielleicht etwas Licht in die dunklen Geheimnisse der Wetter-Phänomene bringen.

Gewitter
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 03. April 2018 | 10:58 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. April 2018, 13:12 Uhr