Eine Nadel mit Schlauch zur Blutabnahme steckt im Arm eines Mannes
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Nach einem Jahr Enthaltsamkeit Homosexuelle Männer dürfen Blut spenden

Immer wieder heißt es: "Rette Leben - spende Blut!" Mobile Dienste fahren in die entlegendsten Orte, um für Blutkonserven zu sorgen, an denen es immer wieder mangelt. Laut einer Umfrage wären 60 Prozent der Deutschen zu einer Blutspende bereit, aber nicht alle dürfen. So waren bislang zum Beispiel homosexuelle Männer und Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern lebenslang gesperrt. Diese Regelung wird nun gelockert.

Eine Nadel mit Schlauch zur Blutabnahme steckt im Arm eines Mannes
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Deutsche Blutkonserven sind sicher, sehr sicher sogar. Seit 1998 wird jede Blutspende auf HIV, Hepatitis und Syphilis untersucht. Seitdem infizierten sich nur sechs Menschen über diesen Weg mit HIV. In allen Fällen waren die Viren im Blut des Spenders noch nicht nachweisbar gewesen, denn das ist erst einige Wochen nach der Infektion überhaupt möglich. Deshalb durften Menschen mit sogenanntem sexuellen Risikoverhalten lebenslang gar nicht spenden: Homosexuelle Männer, und alle, die im Fragebogen angaben, dass sie häufig wechselnde Sexualpartner hatten. Eine neue Richtlinie soll das jetzt ändern, erklärt Frank Ulrich Montgomery von der Bundesärztekammer:

Die Testzeit zwischen der Infektion und der Nachweisbarkeit einer HIV-Infektion im Blut hat sich inzwischen deutlich auf wenige Wochen verkürzt. Deshalb müssen wir uns fragen: Wie lange muss man Menschen, die risikobehaftet gelebt haben, von einer Blutspende ausschließen, um für den Empfänger eine größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten.

Frank Ulrich Montgomery, Bundesärztekammer:

Neue Fristen: Sinnvoll oder diskriminierend?

Künftig kommen Menschen, die zu solchen Risikogruppen zählen, auf eine Art Warteliste. Wenn sie nach einem Jahr keine Risikokontakte mehr hatten, dürfen sie Blut spenden. Das klingt erst einmal gut, doch Kritik kommt von der Deutschen Aids-Hilfe. Vorstandsmitglied Björn Beck:

Eine HIV-Infektion kann man heute sechs Wochen nach dem letzten Risiko sicher ausschließen. Diese Frist wäre nachvollziehbar. Eine Frist von einem Jahr schließt die meisten schwulen und bisexuellen Männer weiterhin unnötig von der Blutspende aus. Das ist nicht mehr als Kosmetik und eine Unverschämtheit.

Björn Beck, Vorstandsmitglied Deutschen Aids-Hilfe

Eine Kritik, die berechtigt ist. In England oder Schottland beträgt die Frist nur drei Monate. Schon seit Jahren gibt es in Deutschland Diskussionen, dass der Ausschluss homo– und bisexueller Männer von der Blutspende diskriminierend ist. Doch Frank Ulrich Montgomery von der Bundesärztekammer weist darauf hin, dass es bei der Blutspende vor allem um die Sicherheit des Empfängers geht.

Einer Person wird eine Nadel in eine Ader gestochen.
Bildrechte: imago/Eibner

Die Zahl der Neuinfektionen mit HIV steigt leider wieder und zwei Drittel davon betreffen Männer, die Sex mit Männern haben, deswegen ist die Vorsicht im Sinne des Empfängerschutzes grundsätzlich wichtig und richtig. Deswegen haben wir uns für diese zwölf Monate entschieden.

Frank Ulrich Montgomery, Bundesärztekammer

Ob sich diese Regelung langfristig halten lässt, wird sich zeigen. Nur 3 bis 4% der Deutschen spenden regelmäßig Blut, viel zu wenig um den Bedarf immer sicher zu decken. Gerade in der Urlaubszeit kommt es immer wieder zu Engpässen. Und mit Blick auf den demografischen Wandel werden es perspektivisch immer mehr Menschen, die Blutkonserven brauchen und immer weniger potentielle Spender.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL: im Radio | 07.08.2017 | 15:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. August 2017, 17:22 Uhr