Forscher entdecken Altersweitsichtigkeit auch bei Affen Bonobos brauchen Brillen

Viele kennen das. Irgendwann sind die Arme zu kurz zum Lesen. Die Altersweitsichtigkeit ist da. Aber wir sind nicht die einzigen, die sich damit herumplagen. Forscher haben das Phänomen jetzt auch bei Bonobos beobachtet, unseren genetisch nächsten Verwandten im Tierreich.

Bonobos zählen zu unseren nächsten Verwandten im Tierreich. Fast 99 Prozent der Gene haben die Affen mit Menschen gemeinsam. Deshalb sind uns die Tiere offenbar auch bei einigen Altersgebrechen sehr ähnlich. Zum Beispiel können sie mit zunehmender Betagtheit in nächster Nähe nicht mehr scharf sehen. Sie brauchen mehr Abstand, etwa wenn sie das Fell anderer Tiere pflegen. Das berichten japanische und britische Forscher im Fachblatt “Current Biology“.

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Die Wissenschaftler haben die Fotos von 14 freilebenden Bonobos zwischen 11 und 45 Jahren ausgewertet. Darauf sieht man, wie die Tiere gegenseitig in ihrem Fell nach Schmutz oder Ungeziefer suchen. Ab einem Alter von etwa 40 Jahren streckten sowohl Männchen als auch Weibchen ihre Arme dabei aus. Je älter die Affen wurden, desto größer wurde der Abstand zu ihren Artgenossen. Von einem der Tiere besaßen die Forscher zudem ältere Aufnahmen aus dem Jahr 2009. Darauf sitzt das Weibchen beim Lausen noch deutlich dichter bei ihren jeweiligen Partnern.

Folgen sind für Tiere dramatischer

“Wir waren überrascht zu sehen, wie ähnlich das Muster der Bonobos dem des Menschen ist“, sagt Heungjin Ryu von der Universität Kyoto, der die Studie leitete. Er und seine Kollegen schließen daraus, dass sich an der Alterung der Augen im Lauf der Evolution nur wenig verändert hat. Altersweitsichtigkeit entsteht, weil die Linsen in den Augen im Lauf des Lebens unflexibler werden. Die Forschungsergebnisse legen nahe, dass dieser Prozess genetisch bedingt ist. Schlechter werdendes Seevermögen ist damit nicht zwangsläufig eine Folge vom zu langen Starren auf Bildschirme.

Während Menschen einfach eine Brille aufsetzen können, um wieder besser zu sehen, sind die Folgen für die Bonobos dramatischer. Das Lausen dient auch dem sozialen Zusammenhalt einer Gruppe. Als Partner bei der Fellpflege sind weitsichtige Tiere aber weniger beliebt. Zugleich lässt auch ihr Sehvermögen in der Dunkelheit nach. Das könne unter dem schattigen Blätterdach des Regenwaldes zur Herausforderung werden, schreiben die Forscher.

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2017, 10:49 Uhr