Nahaufnahme einer braunen Hundezecke.
Satt und vermutlich zufrieden: Wohlgenährte braune Hundezecke. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Uni Hohenheim Braune Hundezecke auch in Deutschland heimisch

Sie übertragt Krankheiten auf Hunde, aber auch auf Menschen. Eigentlich wohnte die Braune Hundezecke mal am Mittelmeer, aber mittlerweile fühlt sich auch im Norden pudelwohl: Forscher wollen rausfinden, wo sie überall vorkommt.

Nahaufnahme einer braunen Hundezecke.
Satt und vermutlich zufrieden: Wohlgenährte braune Hundezecke. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Sie liebt es warm und trocken und eigentlich lauert sie in steinigen, kleinen Spalten auf ihren Wirt: Rhipicephalus sanguineus. Früher kam sie nur im Mittelmeerraum und Nordafrika vor, inzwischen fühlt sie sich offenbar auch in Deutschland pudelwohl. Am liebsten Tür an Tür mit uns Menschen, denn unsere Wohnungen sind das perfekte Zuhause: Warm, trocken und voll potentieller Wirtstiere: Hund, Katze, Mensch.

Eine Zeckenmaus 4 min
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Einfach genial Di 21.05.2019 19:50Uhr 03:59 min

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Wie kommt die Hundezecke vom Mittelmeer an die Nordsee?

Hund
Herrlich, mit dem Hund im Urlaub am Strand toben. Bildrechte: imago/Westend61

Eins ist klar: Wandern tun die vier Millimeter großen Zecken nicht, schon gar nicht hunderte von Kilometern. Sie nehmen einfach das klassische Zeckentaxi: Einen Wirtshund. Forscher gehen davon aus, dass Reisende, die mit Fiffi & Co. Auslandsreisen machen, die Braune Hundezecke nach Deutschland mitbringen, bzw. mitgebracht haben. Denn nicht nur auf weitgereisten Hunden werden die kleinen Blutsauger gefunden. Professor Dr. Ute Mackenstedt,  Parasitologin und Expertin für Zecken an der Universität Hohenheim, sagt:

Es wurden bereits Exemplare an Hunden gefunden, die ihren Hof nie verlassen hatten. Ein Hinweis dafür, dass die Art hier möglicherweise bereits Fuß gefasst hat.

Prof. Ute Mackenstedt

Ist Zecke nicht gleich Zecke?

Ein Tierarzt entfernt eine Zecke am Ohr eines Hundes.
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Wie unterscheiden sich Braune Hundezecke und gemeiner Holzbock? Am auffälligsten sind wohl ihre verschieden langen Entwicklungszeiten: Die Braune Hundezecke durchläuft ihre Entwicklungsstadien binnen drei Monaten. Der gemeine Holzbock braucht zwei bis vier Jahre, um vom Ei über die Larve zur Nymphe und schließlich adulten Zecke heranzuwachsen. Und dann macht auch noch die Menge der Eiablage einen gewaltigen Unterschied: Ein Holzbockweibchen kann bis 2.000 Eier legen – ein Hundezeckenweibchen bis 4.000.

Wirtswechsel und Mitbringsel

Angesichts der schnellen Entwicklungszyklen der Braunen Hundezecke dank gleich bleibend optimalen Lebensbedingungen in der Wohnung kann es dann schnell zu einer unangenehmen Plage kommen und man hat bis zu 100.000 Zecken in der Wohnung. Ein gefährlicher Moment: Ist nämlich der Hauptwirt von Kollegen übervölkert, ist Rhipicephalus sanguineus nicht wählerisch: Auch Hundehalter haben Blut, an dem man sich laben kann.

Eine Zecke wird mit einer Zeckenklammer umfasst und entfernt.
Zecke entfernen - und ab ins Labor. Bildrechte: imago/Panthermedia

Krankmachen kann die Zeckenart beide Wirte, den Menschen infiziert sie mit dem Mittelmeerfleckfieber und den Hund mit Ehrlichiose und Babesiose. Ehrlichiose ist eine schleichende Krankheit, bei der die Immunabwehr des Hundes geschwächt wird, es zeigt sich u.a. durch Nasenbluten, Blut in Kot und Urin, sowie andauernde Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust und häufiges Fieber.

Was tun bei starkem Befall?

Deshalb rät die Uni Hohenheim dazu, sich bei Befall von Braunen Hundezecken professionelle Hilfe zu holen. Um herauszufinden, ähnlich wie bei der Jagdzecke Hyalomma, wie weit nun die Braune Hundezecke verbreitet ist, bittet sie um Hilfe: Wer nach einem Urlaub gehäuft Zecken in der Wohnung hat und einen Hund besitzt, soll sich bei folgender email-Adresse melden:

hundezecken@uni-hohenheim.de

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Einfach genial | 21. Mai 2019 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juli 2019, 15:14 Uhr