Wissen, was wir lesen Elefanten. Das Leben der Riesen zwischen Geburt, Familie und Tod

Eine junge Frau mit schulterlangen dunkelblonden Haaren in einer schwarzen Bluse mit rot-braun-weißen Ornamenten. Sie lächelt freundlich und hält die Arme locker verschränkt.
Bildrechte: Tobias Thiergen

Die Menge von Sonnenblumenkernen erriechen? Elefanten können das. Und noch viel mehr, wie MDR WISSEN-Autorin Klara Fröhlich zu berichten weiß. Sie empfiehlt eine Neuerscheinung aus der Verhaltensforschung zu den grauen Riesen: "Das Buch beschreibt wissenschaftliche Erkenntnisse genauso detailreich wie ganz menschliche Erfahrungen in der Feldforschung."

Cover Elefanten
Bildrechte: Hanser

Elefantenleben - mehr als Überlebenskampf

Die Abschlussarbeit war geschrieben. Sie erhielt eine Auszeichnung dafür. Eigentlich hätte Hannah Mumby sich nun einen Goldhamster zulegen und die Hände in den Schoß legen können. Das tat sie aber nicht. Sie tat etwas, was viel schwieriger ist. Sie begrub ihre Sicht auf die Welt und begann noch mal von vorn.

Wasserloch, umgeben von Bäumen. Davor drei junge Elefantenbullen. Einer davon saugt Wasser in seinen Rüssel; die beiden anderen führen ihre Rüssel zum Maul. Der vordere Elefant steht im Halbschatten.
Drei junge Elefantenbullen am Wasserloch. Die Autorin zeigt, wie der Zugang zu Wasser und Schattenplätzen die interne Hierarchie widerspiegelt. Bildrechte: Hannah Mumby

Ihre ursprüngliche Idee bestand darin, am Beispiel von Primaten aufzuzeigen, dass Organismen sich ihren Lebensphasen entsprechend verhalten, sich also Energie und Zeit im Verhältnis zu ihrem Alterungsprozess und ihrer Fortpflanzung einteilen. Elefanten, das schildert Hannah Mumby nun in ihrem ersten Sachbuch, widerlegen, obwohl selbst keine Primaten, diese Gesetzmäßigkeiten nicht. Sie zeigen aber auch zahlreiche Verhaltensmuster, die über den Überlebenskampf hinausgehen. Darum und um noch viel mehr der Grundlagen biologischer Betrachtungsweisen geht’s in "Elefanten".

Elefantenkalb, fotografiert von der Seite, spielt mit einem Motorradreifen.
Auch Elefantenkälber spielen. Junger weißer Elefant in Myanmar. Bildrechte: Hannah Mumby

Elefanten und ihre "Matriarchinnen"

Von einem neugierigen Blick auf die Welt bis zu einem Sachbuch, gespickt mit tiefgründigen Analysen, ist es ein weiter Weg. Er gelingt mithilfe fundierter Forschungserkenntnisse zum Thema. Wussten Sie zum Beispiel, dass Elefantengruppen, deren Muttertier einer älteren Generation angehört, ein besseres System aufweisen, um ihre Jungen zu schützen, als jene, deren Muttertier jünger ist? Erstere weisen in Situationen, in denen Fressfeinde zu einer Bedrohung werden können, des Öfteren eine Formation auf, in der junge Tiere von älteren Tieren abgeschirmt werden. (So ähnlich wie die Römer in den Asterix-Comics). "Matriarchinnen" werden sie von den Forschenden genannt. Kaum ist das gelernt, erfährt man schon das nächste überraschende Verhalten: Elefanten können riechen(!), in welchem von zwei Eimern mehr Sonnenblumenkerne sind.

Drei Elefanten bewegen sich von dem Hintergrund von Bäumen auf den Betrachter oder die Betrachterin zu, ein Junges und zwei ausgewachsene Exemplare.
Eine Familiengruppe in Südafrika Bildrechte: Hannah Mumby

Die Autorin Hannah Mumby

Hannah Mumby, Jahrgang 1986, ist Verhaltensbiologin und Professorin in Hongkong. Sie studierte und forschte in Cambridge, Berlin und, mit dem Stipendienprogramm Fulbright Scholar, in Colorado, USA. Wer mehr über die Wissenschaftlerin als Person erfahren möchte, sollte sich der Lektüre dieses Buches verschreiben. Darin verarbeitet sie Rückschläge, prägende Erlebnisse und ihr Verständnis von Familie.

Cover Elefanten
Bildrechte: Hanser

Die Daten zum Buch Hannah Mumby: Elefanten. Das Leben der Riesen zwischen Geburt, Familie und Tod. Übersetzt aus dem Englischen von Heide Lutosch. Hanser 2021, 320 Seiten, 26 Euro, ISBN 978-3-446-26931-6

Wissenschaft und menschliche Erfahrungen

Das Buch ist ein Krimi für Biologiefans.

Klara Fröhlich

Offenherzig und mitunter schreiend komisch, beschreibt Hannah Mumby ihre Erfahrungen im afrikanischen Samburu-Nationalpark und im Norden Myanmars, wo sie asiatische Arbeitselefanten untersucht. Hannah Mumby beschreibt wissenschaftliche Erkenntnisse genauso detailreich wie ganz menschliche Erfahrungen in der Feldforschung. Mal hält man sich den Bauch vor Lachen, mal muss man mit den Tränen kämpfen.

Junger Elefant in Frontalansicht streckt seinen Rüssel nach der Kamera aus.
Mit dem Rüssel kann man z.B. auch die Kamera einer Wissenschaftlerin untersuchen. Bildrechte: Hannah Mumby

Elefanten als Meister im Riechen

Elefanten haben fast 2.000 Gene fürs Riechen. Es gibt eine Studie, die genau 1.948 von ihnen zählte. Beim Menschen sind es nicht mal 400. Sie sind wahre Meister im Riechen. Ihren Rüssel nutzen sie aber noch für andere Dinge. Zum Beispiel, um sich Sonnenblumenkerne in den Mund zu sprühen. Wie praktisch, dass sie vorher gerochen haben, in welchem Eimer mehr sind.

Eine junge Frau mit schulterlangen dunkelblonden Haaren in einer schwarzen Bluse mit rot-braun-weißen Ornamenten. Sie lächelt freundlich und hält die Arme locker verschränkt.
Klara Fröhlich Bildrechte: Tobias Thiergen

Die Rezensentin Interessiert sich für alles, was die aktuelle Studienlage bereithält, am liebsten aber mit Bezug zu Geschichte, Umwelt und Gehirn. Hält das Mikro am liebsten fürs Radio in der Hand.

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