Burn-out bei Junglehrern: ein Drittel gibt auf

Ein viertel aller angehenden Lehrer und Lehrerinnen leiden unter Burn-out-Symptomen. Ein Drittel verlässt die Schule bereits nach fünf Jahren wieder. Doch dem lässt sich vorbeugen, stellen Forschende der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg in ihrer Studie fest. Nachsicht mit sich selbst soll gegen den Stress helfen. MDR Wissen Reporterin Maike zum Hoff berichtet.

Burn-out gilt eigentlich als klassische Manager-Krankheit. Wer sich in seinem Beruf dermaßen verausgabt, dass der Körper irgendwann die weiße Fahne schwenkt, der leidet oft plötzlich unter Erschöpfung und Müdigkeit. Zahlen der Krankenkassen heben allerdings auch eine zweite Berufsgruppe ganz nach oben auf die Liste der Burn-out gefährdeten Berufe: Menschen, die im Sozialwesen arbeiten. Dazu gehören die Altenpflege, das Gesundheitswesen und eben auch der Bereich der Bildung und Erziehung. Dass diese Belastung etwa bei Lehrern und Lehrerinnen noch vor dem eigentlichen Berufsstart beginnt, haben zwei Forscher aus Halle, Dr. Nancy Tandler und Professor Lars-Eric Petersen vom Institut für Psychologie jetzt besonders hervorgehoben.. Warum das Referendariat so fordernd ist, erklärt Lars-Eric Petersen:

Sie müssen sukzessive ihren eigenen Unterricht durchführen, Leistungen bewerten und mit den Kollegen sowie den Eltern der Schülerinnen und Schüler interagieren. Gleichzeitig läuft noch die theoretische Ausbildung weiter.

Prof. Dr. Lars-Eric Petersen, Uni Halle

Ganz schön viel auf einmal - von jetzt auf gleich. Das überfordert viele. Nach fünf Jahren an der Schule hat bereits ein Drittel der frischen Absolventen und Absolventinnen schon wieder das Handtuch geschmissen. In zwei Teilstudien haben die beiden Wissenschaftler deshalb erforscht, wie sich die angehenden Pädagogen und Pädagoginnen vor dieser Überlastung schützen könnten. Ihre Empfehlung: Selbstmitgefühl - nicht zu verwechseln mit Selbstmitleid. Wie das funktionieren soll, weiß Nancy Tandler:

Meistens gehen wir mit uns selbst härter ins Gericht als mit dem besten Freund, der besten Freundin. Und genau um diese Unterschiede geht's. Um sich bewusst zu werden, dass man selbst mit sich so umgehen sollte, wie mit dem besten Freund, der besten Freundin.

Dr. Nancy Tandler, Uni Halle

Die angehenden Lehrer und Lehrerinnen sollten also auch ihre eigenen Gedanken hinterfragen, so Lars-Eric Petersen. Gerade wenn mal etwas nicht gut gelaufen ist, tendieren viele dazu, sich selbst klein zu machen:

Du hast es einfach nicht drauf. Du wirst nie ein guter Lehrer. Stattdessen: Du bist noch in der Ausbildung, du wirst besser werden, bleibe in der Situation gelassen.

Prof. Dr. Lars-Eric Petersen

Ihre Untersuchungen haben gezeigt, dass Studierende, die diese Art der Selbstreflexion bereits hatten, weniger von Burn-out-Symptomen betroffen waren. Sie konnten den Problemen sogar etwas Positives abgewinnen - ein bisschen weniger Selbstkritik und ein wenig mehr "wird-schon-gut-gehen"-Mentalität. Die Empfehlung der beiden Psychologen: Bereits in der Ausbildung sollten Trainingseinheiten zum Selbstmitgefühl angeboten werden. Bei anderen Berufsgruppen sei das bereits erfolgreich der Fall.

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1 Kommentar

part vor 21 Wochen

Dies wundert mich nicht, denn >>diese Jugend<< hat sich tatsächlich in den letzten 15 Jahren verändert, wer am lautesten plärrt oder auffällt, bekommt Aufmerksamkeit. Der Gruppenzwang und die Hackordnung untereinander und nach außen hat sich deutlich an die Gesellschaftsordnung angepasst. Die Individualisierung der Gesellschaft hat ein Maß erreicht, das wohl selbst bei Privatschulen eine härtere Gangart vorkommt, um nicht jedem Helikopterkind alles zu erlauben. Schulhopping als Fachlehrer und andere Unwägbarkeiten ergänzen das Berufsbild, das wohl nur hartgesottene bis zur Rente durchführen möchten. Willkommen in der Realität...