Cannabis Ernte in Colorado
Cannabis-Farmer Joey Jene erntet die Blüte einer zu medizinischen Zwecken angebauten Cannabispflanze. Bildrechte: imago/Aurora Photos

Anhästhesie Cannabis beeinflusst Narkose

Wer Cannabis konsumiert braucht mehr Narkosemittel, um bei einer Operation stabil betäubt zu bleiben. Darauf weisen US-Mediziner aus Colorado hin. In dem Bundesstaat ist Cannabis seit 2012 legal.

Cannabis Ernte in Colorado
Cannabis-Farmer Joey Jene erntet die Blüte einer zu medizinischen Zwecken angebauten Cannabispflanze. Bildrechte: imago/Aurora Photos

"Die Leber wächst mit ihren Aufgaben", sagt ein geflügelte Satz, der auf saloppe Art eine Folge von Alkohol und anderen Drogen aufzeigt: Je häufiger ein Mensch Rauschmittel konsumiert, desto stärker arbeitet das für die Entgiftung zuständige Organ. Das gilt auch für die Droge Cannabis, die in immer mehr US-Bundesstaaten und seit kurzem auch in ganz Kanada legal ist.

Eine neue Studie zeigt nun: Cannabiskonsum hat Auswirkungen auf die Betäubung bei einer Operation im Krankenhaus. Wer regelmäßig Drogen konsumiert, braucht deutlich höhere Mengen an Narkosemitteln, um nicht unbeabsichtigt während der OP aufzuwachen.

Dreifache Dosis Narkosemittel für Cannabiskonsumenten

US-Forscher um Mark Twardowski aus Colorado berichten in der Fachzeitschrift "The Journal of the American Osteopathic Association", dass regelmäßige Cannabis-Konsumenten etwa die dreifache Dosis Propofol benötigen, um sicher betäubt zu bleiben. Twardowski warnt zugleich: "Cannabis hat einige Stoffwechseleffekte, die wir nicht verstehen, und die Patienten müssen wissen, dass ihr Cannabiskonsum andere Medikamente möglicherweise weniger wirksam macht".

Unter den Fachärzten sei dieses Problem bereits länger bekannt, sagt Götz Geldner, Ärztlicher Direktor der Klinik für Anästhesiologie am Klinikum in Ludwigsburg, der nicht an der Studie beteiligt war. Seit etwa 10 Jahren werde deshalb vor Eingriffen per Fragebogen nach Drogenkonsum gefragt. Neben Cannabis, Alkohol und anderen Drogen beeinflussen auch Beruhigungsmittel und Psychopharmaka die Wirkung von Narkosemitteln.

Cannabis seit 2012 in Colorado legal

Die Gefahr, plötzlich bei einer OP aufzuwachen, sei dennoch nicht sehr hoch, sagt Geldner. "Es ist die Aufgabe der Anästhesisten, dafür zu sorgen, dass auch solche Patienten sicher und gut schlafen und nicht aufwachen. Dies gelingt den Kollegen auch."

Die neue Studie aus Colorado wurde vor dem Hintergrund erstellt, dass in dem US-Bundesstaat seit 2012 der Konsum von Cannabis legal ist. Twardowski und seine Kollegen untersuchten Daten aus vergangenen Operationen. Sie verglichen zwischen Patientengruppen, wie viel Narkotika verabreicht werden mussten, um die Betäubung stabil zu halten. Die Patienten, die Cannabis konsumierten, benötigten im Schnitt 14 Prozent mehr Fentanyl, 20 Prozent mehr Midazolam und 220 Prozent mehr Propofol, als Nicht-Konsumenten.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12. April 2019 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. April 2019, 17:47 Uhr